Kardinal Gerhard Ludwig Müller | Bildquelle: AP

Schreiben zu Corona-Maßnahmen Kardinal Müller verteidigt Unterschrift

Stand: 10.05.2020 17:34 Uhr

Der deutsche Kardinal Müller ist einer der prominentesten Unterzeichner des Papiers, das mit einem Rückgriff auf Verschwörungsideologien Corona-Maßnahmen kritisiert. Müller verteidigte nun seine Unterschrift - trotz wachsender Kritik.

Das Schreiben hatte nicht nur unter Kirchenmännern Empörung ausgelöst: In einem von kirchlichen Würdenträgern unterzeichneten Text werden die Corona-Maßnahmen als Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung gesehen. Unter das Schreiben im Stil von Verschwärungsideologen hatte auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller seine Unterschrift gesetzt. Nun verteidigte er diese.

Interessierte kirchliche Kreise hätten das Papier benutzt, "um daraus Empörungskapital gegen ihre vermeintlichen Gegner zu schlagen", erklärte Müller der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". "Jeder nennt jetzt jeden Andersdenkenden Verschwörungstheoretiker." Müller sagte, der von Kardinälen, Bischöfen und katholischen Laien unterzeichnete Text werde bewusst missverstanden. "Es wird so hingestellt, als ob die Pandemie selbst erfunden wäre, um Panik zu machen, was ja absurd ist." Dem umstrittenen Papier zufolge wird die Corona-Pandemie als Vorwand genutzt, um eine Weltregierung zu schaffen, "die sich jeder Kontrolle entzieht". Sie werde dazu verwendet, um "Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt" einzuschränken, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit.

Müller selbst sieht sich zu Unrecht ins Zentrum der Kritik gerückt. Sein Augenmerk habe auf der "zum Teil unzulänglichen kirchlichen Reaktion" gelegen, sagte der "Tagespost". "Dadurch, dass ich als Kardinal irgendwie als der Hauptprominente dieses Textes angesehen wurde, hat sich die Wahrnehmung auf mich konzentriert." Dabei habe er nichts weiter getan, als sich auf telefonische Anfrage hin mit dem Text als Aufruf zum sorgfältigen Umgang mit den publizistischen und politischen Nebenwirkungen, die diese Pandemie in einigen nicht-demokratischen Ländern haben könne, im Allgemeinen einverstanden zu erklären. Den Text habe er dabei nicht als wissenschaftliche Analyse bewerten wollen.

Bischofskonferenz distanziert sich

Zuvor waren die deutschen Bischöfe zu dem vom italienischen Erzbischof Carlo Maria Vigano initiierten Text auf Distanz gegangen. Auch weitere kirchliche Stimmen in Deutschland äußerten sich kritisch. "Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands. Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Bischofskonferenz grundlegend von dem veröffentlichten Aufruf unterscheidet", erklärte der Vorsitzende der Konferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, gegenüber tagesschau.de.

Die Konferenz hatte zur Corona-Pandemie erklärt, dass die Einschränkungen - auch bei den Gottesdiensten - "vernünftig und verantwortungsvoll" gewesen seien und zugleich betont, man müsse die Beschränkungen "mit Verantwortung und Augenmaß" wieder lockern.

"Unterzeichner entblößen sich selbst"

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, kommentierte auf Facebook, jeder Unterzeichner des Aufrufs entblöße sich selbst. Er sei "einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampf-Rhetorik, die beängstigend klingt."

Kritik kam auch von der Bewegung "Wir sind Kirche". Den Reformgegnern um Kardinal Müller gehe es nicht darum, den Glauben zu verteidigen, sondern Angst zu schüren. "Das aber hat mit Glauben nichts zu tun", so die Gruppe. Gerade in einer großen Krise seien Vertrauen und Glaube gefordert: "Und dieser Glaube führt zu überwältigender Solidarität mit all denen, die unserer Hilfe bedürfen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2020 um 08:00 Uhr.

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