Zwei Schülerinnen sind nach dem letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in Hessen mit ihren Fahrrädern unterwegs nach Hause. | picture alliance / Frank Rumpenh

Eindämmung des Coronavirus Weitere Bundesländer verlängern Weihnachtsferien

Stand: 24.11.2020 18:38 Uhr

Zwei Tage früher Ferien, um Kontakte zu reduzieren und beruhigt mit der Familie Weihnachten feiern zu können - ursprünglich kam der Plan aus NRW. Nach anfänglicher Kritik schließen sich nun einige Bundesländer dem Vorschlag an.

In mehreren Bundesländern werden die Weihnachtsferien dieses Jahr um einige Tage verlängert. Die Maßnahme soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus über die Feiertage verhindern und geht ursprünglich auf einen Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) zurück.

Vor zwei Wochen hatte Laschet das Vorziehen des letzten Schultages in NRW auf den 18. Dezember angekündigt. Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Menschen einige Tage vor Weihnachten ihre sozialen Kontakte möglichst beschränken sollten, damit es bei Familienfeiern nicht zu Ansteckungen kommt. Diesem Vorgehen schließen sich nun Baden-Württemberg und Bayern an.

Bayern und Baden-Württemberg schließen sich an

In Bayern wäre ursprünglich der 23. Dezember der erste Ferientag gewesen, nun ist es - wie in NRW - der 21. Dezember. Der Abstand zwischen Unterricht und Weihnachten werde so vergrößert, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Damit verbessern wir die Möglichkeiten, dass die Familien in Bayern das wichtigste Fest des Jahres gesund und unbeschwerter feiern können." Das Infektionsrisiko werde durch die fast einwöchige Karenzzeit zwischen Schulunterricht und Weihnachten "erheblich gesenkt", argumentierte der Ministerpräsident.

In Baden-Württemberg, wie in einigen anderen Ländern, ist der letzte Schultag bislang der 22. Dezember. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, wenn die Schüler bereits am 18. Dezember in die Ferien entlassen würden, habe man bis Heiligabend eine Strecke von fünf bis sechs Tagen, die man nutzen könne, um Kontakte zu minimieren. "Dann wird man an den Feiertagen mit einem entspannteren Gefühl zu den Großeltern fahren und im Kreise der Familie das Weihnachtsfest begehen können", hieß es aus dem Staatsministerium.

Das baden-württembergische Kultusministerium hatte vor zwei Wochen noch betont, dass es keine längeren Weihnachtsferien landesweit anordnen werde, weil es organisatorische Fragen auslösen und zahlreiche Eltern vor Betreuungsprobleme stellen könnte. Allerdings sei es einzelnen Schulen im Land erlaubt, die Weihnachtsferien dieses Jahr durch bewegliche Ferientage zu verlängern.

Sachsen-Anhalt prüft Schulstart am 11. Januar

Auch in Niedersachsen beginnen die Weihnachtsferien einige Tage früher als bisher geplant. Das sagte eine Sprecherin von SPD-Ministerpräsident Stephan Weil. Letzter Schultag vor den Ferien soll demnach Freitag, der 18. Dezember, sein. Bislang war der 22. Dezember als letzter Schultag angesetzt.

Offenbar prüft auch Sachsen-Anhalt eine Verlängerung der Weihnachtsferien, will sie allerdings potenziell nicht früher beginnen, sondern später enden lassen. Entscheidet sich Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) für die Verlängerung, dann könnte der Unterricht erst am 11. statt am 7. Januar wieder starten, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. So würden zehn Tagen Pause zwischen Silvester und Ferienende liegen. "Damit würden Infektionen aus den Feiertagen nicht in die Schule getragen werden", so der Sprecher.

Zuvor hatte bereits Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) angedeutet, dass die Weihnachtsferien in diesem Jahr coronabedingt verlängert werden könnten.

Planungssicherheit und Betreuungslösungen

Den NRW-Plan, die Weihnachtsferien vorzuziehen, hatte die Lehrergewerkschaft GEW unmittelbar nach Bekanntwerden kritisiert: Die Betreuungslage für betroffene Kinder sei unklar. Darauf reagierte die NRW-Landesregierung nun und kündigte eine Notbetreuung für Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse am 21. und 22. Dezember an. Das teilte das Schulministerium am Montag in einer Mail an alle Schulen mit. Die Betreuung soll von den rund 200.000 Lehrkräften in NRW geleistet werden.

Der Deutsche Philologenverband warnte dennoch vor einem "Planungschaos" als Konsequenz der kurzfristigen Ferienverlängerung. Lehrerinnen und Lehrer wollten ihren Unterricht vernünftig planen, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Unter kurzfristigen Ferienverlängerungen hätten im Zweifel insbesondere diejenigen zu leiden, die bald Abitur machen oder bei denen andere Prüfungen anstehen." Statt eines hektischen Herumdokterns an den Ferienzeiten brauche es vielmehr Reihentestungen zum Schulbeginn im neuen Jahr - also freiwillige Corona-Tests für alle Schüler und Lehrer.

Das Infektionsgeschehen an den Schulen und der Umgang mit den Weihnachtsferien gehören zu den Themen, die derzeit zwischen Bund und Ländern verhandelt werden. Am Mittwoch soll in einer Bund-Länder-Schalte eine endgültige Entscheidung fallen. In einem Beschlussentwurf für das Treffen, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, wird an die Bevölkerung appelliert, sich vor Weihnachten möglichst in eine mehrtägige Selbstquarantäne zu begeben. In der Vorlage heißt es weiter: "Dies kann durch ggf. vorzuziehende Weihnachtsschulferien ab dem 19.12.2020 unterstützt werden."

Das Kanzleramt will den Ferienbeginn offenbar sogar noch weiter vorziehen: Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Verhandlungskreisen erfuhr, plädiert Bundeskanzlerin Angela Merkel für einen Ferienstart am 16. Dezember. Dies solle mehr Sicherheit für die anstehenden Familientreffen bringen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. November 2020 um 07:30 Uhr.