Ein Boeing 787 mit dem TUI-Logo | Bildquelle: picture alliance / dpa

Coronavirus-Krise TUI stellt Reisebetrieb weitgehend ein

Stand: 16.03.2020 11:25 Uhr

Der Touristik-Konzern setzt den größten Teil des Reisebetriebs bis auf Weiteres aus. Das Unternehmen will Staatshilfen beantragen, um die Krise zu überbrücken. Weltweit streichen Airlines ihre Flugpläne zusammen.

Der Touristikkonzern TUI setzt wegen der Coronavirus-Krise den größten Teil seiner Reiseaktivitäten aus. Eine Prognose der Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr traut sich das Management angesichts der Belastungen nicht mehr zu, weshalb der Ausblick von Mitte Februar laut einer Mitteilung aus der Nacht zum Montag zurückgezogen wurde.

Staatsgarantien sollen helfen

"In dem sich gegenwärtig schnell verändernden Umfeld bleiben die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Gäste und Mitarbeiter auf der ganzen Welt von höchster Wichtigkeit. Deshalb hat der TUI Konzern (...) beschlossen, den größten Teil aller Reiseaktivitäten, einschließlich Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb, bis auf weiteres auszusetzen", hieß es. Dies solle einen Beitrag zu den weltweiten Bemühungen der Regierungen leisten, die Auswirkungen der Verbreitung des COVID-19 abzuschwächen, so der Konzern in einer Mitteilung am späten Sonntagabend.

Um die Folgen der Krise auf das Jahresergebnis zu mildern, sollen die Kosten nun deutlich gesenkt werden. Zudem will der Konzern Staatsgarantien zur Unterstützung beantragen, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Aktuell verfügt TUI den Angaben zufolge noch über Finanzmittel und verfügbare Kreditfazilitäten in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro.

Condor streicht zahlreiche Flüge

Auch der Ferienflieger Condor streicht zahlreiche Flüge in beliebte Feriengebiete, weil deutsche Bürger dort nicht mehr einreisen dürfen. Betroffen sind unter anderem die USA, die Dominikanische Republik, die Türkei und Marokko - teils mit unterschiedlichen Fristen.

Das Unternehmen schickt in diesen Tagen noch Flugzeuge in die Zielgebiete, um Urlauber zurückzuholen. "In die Türkei fliegen wir leer hin, um die Menschen nach Hause zu holen", sagte eine Sprecherin. Man kooperiere auch eng mit den Reiseveranstaltern, die eine Vielzahl von Pauschalreisen absagten.

Airlines weltweit streichen Flugpläne zusammen

Die Corona-Pandemie zwingt Fluggesellschaften weltweit zu drastischen Einschnitten: Die British-Airways-Mutter IAG teilte mit, sie werde ihre Kapazitäten im April und Mai um mindestens 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr reduzieren. Zur IAG-Gruppe gehören auch die spanische Iberia, die irische Aer Lingus und die Billiglinien Level und Vueling. 

Die IAG verfüge zwar über "solide Finanzen", die Unsicherheit über die Auswirkungen und die Dauer der Pandemie machten eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr aber nicht mehr möglich. Konkurrent Easyjet erklärte, kurzfristig werde wegen der Einschränkungen die Mehrheit der Flotte am Boden bleiben. Air France-KLM wird nach eigenen Angaben im April und Mai zwischen 70 und 90 Prozent der Flüge streichen. Die finanziellen Auswirkungen seien noch nicht absehbar.

Einreiseverbot für Europäer in den USA in Kraft

In den USA kündigte American Airlines ebenfalls eine Reduzierung der internationalen Flüge um 75 Prozent an - zunächst bis zum 6. Mai. Die Flüge innerhalb der USA würden im April um 20 Prozent gekappt. Auch die Konkurrenten Delta und Southwest wollen ihre Flugpläne stark ausdünnen, nannten aber noch keine Zahlen. Freitag um Mitternacht trat ein Einreiseverbot für einen Großteil der Reisenden aus Europa in Kraft, von Dienstag an gilt es auch für Reisende aus Großbritannien und Irland.

In Neuseeland streicht Air New Zealand sogar 85 Prozent der Langstreckenflüge - der Handel mit den Aktien der Airline wurde ausgesetzt. Unternehmenschef Greg Foran kündigte Stellenstreichungen an, nannte aber keine Zahlen. Air New Zealand beschäftigt etwa 8000 Menschen. 

Europas größte Airline, die Lufthansa, will wegen der Auswirkungen der Pandemie Staatshilfen beantragen, wie das Unternehmen am Freitag angekündigt hatte. Unternehmenschef Carsten Spohr hatte zuvor in einer Reuters am Freitag vorliegenden Videobotschaft an die Mitarbeiter gesagt, dass die Auswirkungen der Krise immer dramatischer würden.

Airline-Allianzen bitten um Hilfe

Die drei Luftfahrt-Allianzen Star Alliance, Skyteam und Oneworld riefen Regierungen und Geschäftpartner weltweit zur Unterstützung auf. Die Regierungen müssten sich auf die schweren wirtschaftlichen Folgen der staatlichen Maßnahmen zum Eindämmen der Pandemie vorbereiten, erklärten die Bündnisse, zu denen 60 Prozent aller Fluggesellschaften weltweit gehören.

Alle möglichen Maßnahmen müssten geprüft werden, um den Airlines in der beispiellosen Phase beizustehen. Neben dem Aussetzen der Regeln für Start- und Landerechte sollten Flughafenbetreiber ihre Gebühren reduzieren. Die finanziellen Folgen des weltweiten Corona-Ausbruchs seien ohne Beispiel, erklärte Skyteam-Chefin Kristin Colville. Alle Beteiligten der Branche sollten in dieser außergewöhnlichen Zeit zu außerordentlichen Maßnahmen greifen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. März 2020 um 08:30 Uhr.

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