Verschollener Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub | dpa

Amtsgericht Köln Tengelmann-Chef Haub für tot erklärt

Stand: 14.05.2021 18:30 Uhr

Im April 2018 verschwand Tengelmann-Chef Haub bei einer Skitour in den Alpen spurlos. Jetzt hat ihn ein Gericht für tot erklärt. Der Familienstreit um die Macht im Handelskonzern steht damit vor dem Ende.

Etwa drei Jahre nach seinem Verschwinden in den Schweizer Alpen hat das Kölner Amtsgericht den Milliardär und Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub für tot erklärt. "Die zur Begründung der Todeserklärung erforderlichen Tatsachen sind auf Grund der vorgenommenen Ermittlungen und der beigebrachten Unterlagen für erwiesen erachtet worden", heißt es in dem Beschluss, der noch nicht rechtskräftig ist.

Zweifel am Tod des Skiläufers

Der Mitbesitzer des Handelskonzerns Tengelmann war am 7. April 2018 in Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass der damals 58-Jährige am Klein Matterhorn tödlich verunglückte. Mehrere Suchaktionen nach seinem Leichnam blieben erfolglos.

In den vergangenen Monaten hatte es Medienberichte über Zweifel am Tod des erfahrenen Skiläufers gegeben. Das Gericht hält diese aber nicht für belegbar. "Zur Akte vorgetragene anderslautende Meinungen fußen auf Möglichkeiten, Vermutungen und nicht prüfbaren Unterlagen", stellte das Gericht fest. Sie seien nicht ausreichend, "die ernstlichen Zweifel am Fortleben des Verschollenen zu beseitigen". Deshalb sei dem Antrag auf Todeserklärung stattzugeben.

Familienstreit um Machtverhältnisse

In der Unternehmensgruppe Tengelmann hatte nach dem Verschwinden von Haub dessen jüngerer Bruder Christian die alleinige Geschäftsführung übernommen. Seitdem schwelte ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht in dem milliardenschweren Handelskonzern, zu dem unter anderem der Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.

Bisher gehörte der Familienkonzern jeweils zu gut einem Drittel Karl-Erivan Haub und dem gegenwärtigen Chef Christian Haub. Die restlichen Anteile besitzt der dritte Bruder Georg Haub. Christian, sein Bruder Georg und die Familienunternehmen hatten bereits im Oktober vergangenen Jahres beantragt, den Verschollenen für tot erklären zu lassen. Georg Haub hatte seinen Antrag allerdings Mitte Januar zurückgezogen.

Ehefrau kritisierte Antrag auf Todeserklärung

Der Antrag auf Todeserklärung war von der Ehefrau des Verschwundenen, Katrin Haub, zunächst scharf kritisiert worden. Anfang 2021 änderte sie überraschend ihre Meinung und schloss sich zusammen mit ihren Kindern dem Antrag an.

Im April erklärten sich die Erben von Karl-Erivan Haub schließlich bereit, ihre Anteile an der Tengelmann Warenhandels-KG an Christian Haub zu verkaufen, wie die Anwälte beider Seiten, Mark Binz und Peter Gauweiler, mitgeteilt hatten. Es seien "sehr harte Verhandlungen" geführt worden. Angestrebt werde, "den vereinbarten Anteilskauf noch im Mai zu beurkunden und zu vollziehen".

Kaufpreis in Milliardenhöhe

Zum Kaufpreis machten die Anwälte keine Angaben. Doch hatte Christian Haub bereits Ende vergangenen Jahres nach Angaben seines Anwalts ein Angebot in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für die Firmenanteile seines verschollenen Bruders vorgelegt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte den Firmenwert Binz zufolge auf rund vier Milliarden Euro taxiert.

Tengelmann beschäftigt nach eigenen Angaben rund 90.000 Mitarbeiter und kommt auf einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Mai 2021 um 16:55 Uhr.