Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit. | dpa

Neue Maßnahmen geplant Spahns Corona-Plan für den Herbst

Stand: 21.09.2020 15:15 Uhr

Zentrale Fieberambulanzen, spezielle Maßnahmen für die Risikogruppe, Antigen-Schnelltests und neue Quarantäne-Regeln: Gesundheitsminister Spahn bereitet sich auf steigende Corona-Zahlen vor. Es gelte weiter höchste Wachsamkeit.

Angesichts steigender Corona-Zahlen in Deutschland setzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf Fieberambulanzen für Patienten mit Atemwegsinfektionen. "Es geht darum, eine Infrastruktur zu haben, die sicherstellt, dass nicht im Wartezimmer sich die Menschen untereinander anstecken. Das macht Sinn für Corona und auch bei der Grippe und einer möglichen Grippewelle", sagte Spahn in Berlin.

Der CDU-Politiker sprach von Schwerpunktsprechstunden, Schwerpunktpraxen und regionalen Fieberambulanzen, an die sich Patienten mit entsprechenden Symptomen wenden können sollen. Das Angebot solle von den Kassenärztlichen Vereinigungen aufgebaut werden. Spahn sagte, die Konzepte dafür lägen bereits vor.

Anlaufstellen außerhalb der Praxen

Dabei gehe es um Anlaufstellen außerhalb der üblichen Praxen oder in Form von Schwerpunktpraxen, erklärte Spahn im Deutschlandfunk. Ähnliche Anlaufstellen gab es im Frühjahr, als die Corona-Zahlen in Deutschland ihren Höhepunkt erreichten. Beispielsweise eine ungenutzte Messehalle in Freiburg oder ein Zentrum in Greifswald. Mit genauen Zeitfenstern für Patienten und Schutzkleidung wollte man damals auch verhindern, dass das Gesundheitssystem selbst zum Infektionsherd wird - etwa über Ansteckungen im Wartezimmer.

Der Gesundheitsminister sagte nun, er könne sich das auch gut über Corona-Zeiten hinaus vorstellen, aber in dieser Herbst-Winter-Saison sei es besonders wichtig.

"Es gilt weiter höchste Wachsamkeit"

Um Gefahren für Risikogruppen zu minimieren, soll es Spahn zufolge spezielle Maßnahmen geben. "Wichtig ist, dass wir die besonders betroffenen Risikogruppen weiter besonders schützen und die Konzepte dafür im Alltag wieder schärfen", sagte der CDU-Politiker.

So sollten präventive Reihentests in den sensiblen Bereichen wie etwa Pflegeheimen ein fester Bestandteil der Teststrategie für Herbst und Winter werden. "Dort müssen wir den Eintrag des Virus verhindern. Es gilt weiter höchste Wachsamkeit."

Der Gesundheitsminister kündigte zudem an, dass er bis Mitte Oktober in Abstimmung mit den Bundesländern die Strategie für die Corona-Tests fortentwickelt haben will. Die Neuaufstellung der Teststrategie sei bereits im Gange. Dabei seien Antigen-Schnelltests ebenso vorgesehen wie neue Vorgaben zur Quarantäne-Zeit für Rückkehrer aus Risikogebieten.

Ein Drittel aller Tests in den vergangenen vier Wochen

In den vergangenen vier Wochen wurde die Testkapazität in Deutschland enorm gesteigert. Laut Spahn seien in diesem Zeitraum etwa ein Drittel aller Tests seit Beginn der Pandemie gemacht worden. Innerhalb einer Woche waren es laut Gesundheitsministerium zuletzt 1,12 Millionen Tests.

Am Wochenende war die Zahl der Neuinfizierten auf bis zu 2300 Fälle binnen eines Tages gestiegen. Dies hatte der Gesundheitsminister mit Blick auf die Dynamik in Europa besorgt kommentiert, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass das Gesundheitssystem die derzeitige Situation gut meistern könne.

Einige Städte und Kreise hatten zuletzt den kritischen Grenzwert für Neuinfektionen von mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten. Betroffen waren etwa München, Würzburg oder der Landkreis Cloppenburg.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. September 2020 um 09:00 Uhr.