Am Eingang eines Schulgeländes hängen Hinweise für die Corona-Pandemie | Bildquelle: dpa

Debatte um Schulöffnungen Karliczek warnt vor "Infektionsherden"

Stand: 05.06.2020 13:55 Uhr

Familienministerin Giffey hat sich für einen Normalbetrieb der Schulen nach den Ferien ausgesprochen. In NRW starten ab Mitte Juni die Grundschulen in den Regelbetrieb. Bildungsministerin Karliczek warnt aber vor zu großer Eile.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat vor übereilten Schritten beim Wiedereinstieg in den Schulbetrieb trotz anhaltender Corona-Pandemie gewarnt. "Solange wir noch keinen Impfstoff gegen Covid-19 haben, muss auch an den Schulen weiter allergrößte Vorsicht herrschen, um strukturierten Unterricht anbieten zu können", sagte die CDU-Politikerin dem Magazin "Spiegel". Es müsse weiter alles getan werden, "damit die Schulen nicht zu Infektionsherden werden".

Anja Karliczek | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Ministerin Karliczek mahnt allergrößte Vorsicht bei den Schulöffnungen an.

Damit verlässlicher Präsenzunterricht stattfinden könne, sollte Schulen weiter unbedingt auf Gesundheitsschutz achten - "selbst wenn dies im Wechsel zu einem digitalen Unterricht geschieht". Karliczek beruft sich bei ihrer Warnung auf eine Studie der Berliner Charité. Die in dieser Woche aktualisierte Analyse des Teams um den Virologen Christian Drosten bestätige "Hinweise auf eine erhebliche Virenlast bei infizierten Kindern", so Karliczek.

NRW: Regelbetrieb in Grundschulen ab Mitte Juni

Die Entscheidung über die Schulöffnung liegt aber bei den Ländern. Und diese drängen teilweise auf eine rasche Rückkehr in den Regelbetrieb. In Nordrhein-Westfalen sollen beispielsweise schon ab dem 15. Juni alle Kinder im Grundschulalter wieder täglich zur Schule gehen. Wie die Schulministerin des Landes, Yvonne Gebauer (FDP), mitteilte, sollen die rund 600.000 Grundschüler wieder im normalen Klassenverband unterrichtet werden. Gleichzeitig entfällt zum 15. Juni das Angebot der schulischen Notbetreuung.

Nach ihren Worten gibt es bei Einhaltung der Sicherheits- und Hygieneregeln keine Corona-Gefahren für die Schülerinnen und Schüler. Wissenschaftliche Fachgesellschaften hätten betont, dass Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder unter Einhaltung gewisser Hygienestandards keine signifikante Risikoumgebung darstellen, betonte die Ministerin. Auch andere Bundesländer wollen noch vor den Sommerferien zum Regelunterricht in der Primarstufe zurückkehren, hieß es aus dem Ministerium.

Giffey will Normalbetrieb nach den Sommerferien

Dass die Bundesländer zurzeit weitere Schritte der Öffnung von Schulen gehen, begrüßte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. "Das ist natürlich im Interesse der Kinder. Kinder brauchen Kinder."

Die SPD-Politikerin sieht Möglichkeiten für den Normalbetrieb von Schulen und Kitas nach den Ferien - vorausgesetzt, "dass das Infektionsgeschehen so bleibt, wie es ist", sagte sie dem Inforadio des rbb. Dafür sei entscheidend, "dass das Personal auch zur Verfügung steht und das heißt, man muss auch den Gesundheitsschutz des Personals in den Blick nehmen". Es müssten in allen Schulen und Kitas die Hygienepläne auf den aktuellen Stand gebracht werden, fügte die Ministerin hinzu. Zugleich betonte sie, dass Abstandsregeln realistischerweise bei einem Normalbetrieb nicht einzuhalten seien. Dies müsse man dann verantworten, "so ehrlich müssen wir einfach sein".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juni 2020 um 14:00 Uhr.

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