Bundeskanzler Olaf Scholz | EPA

Kampf gegen das Coronavirus "Darf keine roten Linien geben"

Stand: 12.12.2021 10:10 Uhr

Die Corona-Lage verändert sich permanent - Kanzler Scholz plädiert dafür, bei Gegenmaßnahmen nichts auszuschließen. Familienministerin Spiegel nannte die morgen beginnenden Kinderimpfungen "eine große Erleichterung".

Bundeskanzler Olaf Scholz hat dafür plädiert, bei Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie flexibel zu sein. "Es darf keine roten Linien geben, das hat uns diese Pandemie nun wirklich gezeigt. Wir müssen immer bereit sein umzudenken, wenn die Umstände es erfordern", sagte er der "Bild am Sonntag". Dann müsse man schnell und entschlossen handeln.

Einen Weihnachtslockdown lehnte der SPD-Politiker nicht kategorisch ab. Gerade hätten Bund und Länder "sehr rigide Maßnahmen" ergriffen. Man werde täglich prüfen, ob sie ausreichten.

Sorgen wegen Omikron

Vor allem die neue Virusvariante Omikron ruft Sorgen hervor. Experten erwarten eine schnelle Ausbreitung in Deutschland und rufen zu Impfungen und Auffrischungsimpfungen auf. Am Freitag hatten Bundesrat und Bundestag eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal beschlossen, aber auch an einer allgemeinen Impfpflicht wird gearbeitet.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will verstärkt Hartz-IV-Empfänger für eine Impfung gewinnen. Er habe die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Länder gebeten, die entsprechenden Personen anzuschreiben und über Impfangebote vor Ort zu informieren, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Schon jetzt impften mobile Impfteams oft auf dem Gelände oder in den Räumen der Jobcenter.

Die Gesundheitsminister der Länder wollen auf ihrer nächsten Sitzung über einen bundesweiten Wegfall der Testpflicht für dreifach Geimpfte entscheiden. Klaus Holetschek (CSU), der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, sagte der "Bild am Sonntag", der Wegfall von 2G plus für dreifach Geimpfte sei "nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern liefert auch einen zusätzlichen Impfanreiz". Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wolle dem Gremium am kommenden Dienstag einen Vorschlag machen.

Anne Spiegel | via REUTERS

Die neue Familienministerin Spiegel warnte vor der Corona-Konsequenzen für Kinder. Bild: via REUTERS

Kinderimpfungen "eine große Erleichterung"

Angesichts der bereits morgen beginnenden Impfungen für Kinder ab fünf Jahren forderte die neue Bundesfamilienministerin Anne Spiegel leicht zugängliche Angebote. Überall seien kindgerechte Impfangebote erforderlich, "in Kinderarztpraxen, Impfzentren und mit mobilen Impfteams", sagte die Grüne den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Impfungen seien für viele Kinder und ihre Familien "eine große Erleichterung". Quarantäne für Kinder bedeute nicht nur Lernrückstände, sondern "insbesondere das Fehlen einer geregelten Tagesstruktur und fehlenden Kontakt mit Gleichaltrigen".

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Impfungen für Fünf- bis Elfjährige trotz vorliegender Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA nur bei bestimmten Vorerkrankungen. Ansonsten überlässt sie dies der individuellen Entscheidung der Eltern.

Scholz: Deutschland ist nicht gespalten

Zur Frage nach eine möglichen Spaltung der Gesellschaft sagte Scholz der "Bild am Sonntag": "Ich will das Land zusammenhalten. Und bin also auch der Kanzler der Ungeimpften." Seiner Meinung nach sei Deutschland aber nicht gespalten in geimpfte und ungeimpfte Menschen. Die allermeisten Bürgerinnen und Bürger hätten sich impfen lassen, viele wollten es bald tun.

Und unter den überzeugten Ungeimpften gebe es nur sehr wenige, "die glauben, sie müssten ihren Widerstand gegen die Impfungen mit martialischen Fackelmärschen demonstrieren und Politikerinnen oder Politiker bedrohen, die sich rund um die Uhr für die Bürgerinnen und Bürger ins Zeug legen." Vor einigen Tagen waren Gegner der Corona-Politik mit Fackeln vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) aufmarschiert.

Demonstration von Impfgegnern in Hamburg | dpa

Am Samstag zogen allein in Hamburg Tausende Gegnerinnen und Gegner der Corona-Politik durch die Stadt. Bild: dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Dezember 2021 um 08:55 Uhr.