Gedenktafel für NSU-Mordopfer Mehmet Turgut  | Bildquelle: dpa

Langzeitrecherche Offenbar mehr Opfer rechter Gewalt

Stand: 27.09.2018 09:18 Uhr

Die Zahlen über Opfer rechter Gewalt schwanken erheblich. Zuletzt hatte die Bundesregierung von 83 Todesopfern seit der Wiedervereinigung gesprochen. Laut Medienberichten gab es mehr als doppelt so viele.

Die Zahl der Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit der Wiedervereinigung ist laut Medienberichten erheblich höher als von der Bundesregierung gemeldet. Recherchen von "Tagesspiegel" und "Zeit Online" ergaben, dass in Deutschland seit 1990 mindestens 169 Menschen von Personen mit extrem rechten Einstellungen getötet wurden. Bei weiteren 61 Todesopfern gibt es demnach starke Indizien, dass es sich um rechtsmotivierte Gewalttaten handelte. Die Bundesregierung hatte im Juni von 83 Toten seit der Wiedervereinigung gesprochen.

Der "Tagesspiegel" betreibt seit dem Jahr 2000 eine Langzeitrecherche zu Todesopfern rechtsmotivierter Gewalt seit der Wiedervereinigung. Auf einer interaktiven Karte ist dort nachzuvollziehen, welche Verbrechen wann begangen wurden. Zuletzt hatte die Zeitung von 150 Todesopfern gesprochen.

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Alte Fälle wurden neu geprüft

"Tagesspiegel" und "Zeit Online" sprachen den Angaben zufolge mit Sicherheitsbehörden, Justiz, Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt sowie mit Angehörigen der Getöteten. Mehrere Bundesländer hätten im Laufe der Jahre reagiert und Fälle nachgeprüft. Mehrere Altfälle, die die Polizei zunächst als unpolitisch eingestuft hatte, seien für die offizielle Statistik nachgemeldet worden.

Auch in der jüngsten Vergangenheit sei die Statistik lückenhaft, hieß es. So melde die Bundesregierung für die vergangenen drei Jahre ein einziges Todesopfer rechter Gewalt - den Polizisten Daniel E., der 2016 von einem Anhänger der sogenannten Reichsbürger-Szene erschossen wurde. Nach den Medienrecherchen sind jedoch seit 2015 mindestens elf weitere Personen durch rechte Gewalt ums Leben gekommen.

Das Problem der unterschiedlichen Zahlen

Statistiken der Polizei und die von Beratungsstellen über rechte und rassistische Gewalt weichen voneinander ab. Opferberatungsstellen registrieren fast immer deutlich mehr Fälle als die Polizei, wenn es um politisch motivierte Gewalt geht. Das hat viele Ursachen, unter anderem definieren Beratungsstellen Gewalttaten teilweise anders.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2018 um 07:00 Uhr und 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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