Ein Mann sitzt in Frankfurt am Main auf einem Sessel und unterhält sich mit seiner Psychotherapeutin | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Gesetz im Bundestag Psychotherapie-Ausbildung soll bezahlbar werden

Stand: 26.09.2019 09:55 Uhr

Wer Psychotherapeut werden will, muss nach dem Studium noch eine fünfjährige Ausbildung absolvieren und dafür bezahlen. Das soll sich mit einem neuen Gesetz ändern.

Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio.

Ein mehrjähriges Psychologiestudium, danach eine drei- bis fünfjährige Ausbildung: Der Weg zum Psychotherapeuten ist lang und prekär, beklagt Katharina Janzen, bundesweite Vertreterin der Psychologiestudierenden. Denn für die Ausbildung nach dem Studium müssen die angehenden Therapeuten in der Regel mehrere Zehntausend Euro zahlen.

In psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken arbeiten sie zum Teil schon mit Patienten in schweren Lebenskrisen, ohne Anspruch auf Vergütung. "Man kann sich im Grunde, obwohl man Vollzeit arbeitet, seinen Lebensunterhalt nicht leisten", sagt Janzen.

Neuer Studiengang ab 2020

Dass die Bundesregierung die Ausbildung reformieren möchte, findet sie längst überfällig. Zum Wintersemester 2020 soll es einen neuen, fünfjährigen Studiengang für Psychotherapeuten geben. Um anschließend Kassenpatienten behandeln zu dürfen, müssen die Absolventen - wie schon heute - eine Weiterbildung in einer stationären Einrichtung absolvieren.

Anders als bislang sollen die sie künftig nicht mehr bloß als Praktikanten beschäftigt sein. Mit ihrem Studienabschluss sollen sie künftig eine Approbation erhalten, also eine staatliche Erlaubnis zur Behandlung, und einen Anspruch auf Bezahlung.

Jens Spahn | Bildquelle: dpa
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Gesundheitminister Spahn plant einen neuen Studiengang für Psychotherapie.

Studierende reichen Petition ein

Auch die derzeit schon Studierenden und Psychotherapeuten in Ausbildung wollen von der Neuregelung profitieren. Sie hatten sich mit einer Petition an den Bundestag gewandt.

Nun seien auch für sie angemessene Übergangsregelungen geplant, sagt die gesundheitspolitische Sprecherin von CDU und CSU, Karin Maag - es könne schließlich nicht sein, dass einer die Vergütung kriege und der andere, der das "Pech hatte, ein Jahr zu früh anzufangen", leer ausgehe. Deswegen sollen auch diese Studierenden eine Vergütung von 1000 Euro brutto erhalten.

Grüne kritisieren Gesetzentwurf

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, hält das für viel zu wenig, unter anderem weil die Psychotherapeuten in Ausbildung weiterhin Schulgeld oder Kursgebühren zahlen müssten. Von Tausend Euro brutto, mit denen auch das Schulgeld bezahlt werden müsse, bleibe nichts übrig. "Ich habe jetzt Berechnungen gesehen, dass da circa 500 Euro übrigbleiben, wovon ich dann aber alles, was ich fürs Leben brauche und Berufshaftpflicht, all diese Dinge, zahlen muss."

Ende von langen Wartezeiten?

Neben der Ausbildung geht es in dem neuen Gesetz auch um die langen Wartezeiten auf einen Termin beim Psychotherapeuten. Für psychisch Kranke sollen Netzwerke aufgebaut werden, "die sie auffangen und ihnen durchs System helfen", sagte Gesundheitsminister Spahn kürzlich den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Auch Hebammen-Ausbildung soll reformiert werden

Die Reform der Hebammenausbildung, über die der Bundestag heute ebenso entscheidet, ist bei den Abgeordneten weniger umstritten. Angehende Hebammen machen in Deutschland bisher eine dreijährige Ausbildung. Künftig sollen sie ein duales Studium absolvieren, das mit einem Bachelor und einer staatlichen Prüfung abgeschlossen wird. Mit der Reform der Hebammenausbildung setzt die Bundesregierung eine Richtlinie der Europäischen Union um. In allen EU-Ländern außer Deutschland absolvieren angehende Hebammen bereits ein Studium an Hochschulen.

Gesetz soll Psychotherapie-Ausbildung bezahlbar machen
Nadine Bader, ARD Berlin
26.09.2019 09:07 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 26. September 2019 um 10:02 Uhr auf B5-Aktuell.

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