Fangnetze mit Heringen | Bildquelle: dpa

Studie des GEOMAR Wirkungsloser Schutz für die Meere

Stand: 14.02.2019 05:00 Uhr

Schutzzonen sollen sowohl Nord- als auch Ostsee vor zu massiv betriebener Fischerei schützen. Doch eine Studie aus Kiel zeigt, dass die Schutzgebiete ihren Zweck bislang weit verfehlen.

Von Bettina Nutz, ARD-Hauptstadtstudio

Die Grünen-Politikerin Steffi Lemke traute ihren Augen kaum, als sie vor Wochen die Studie von Wissenschaftlern aus Kiel in den Händen hatte. Überschrift: "Meeresschutzgebiete nicht sicher".

"Das sind ganz gravierende Ergebnisse, die Ende des vergangenen Jahres von GEOMAR erhoben worden sind, das heißt von einer absolut renommierten deutschen Forschungseinrichtung. Diese besagen, dass in diesen Schutzgebieten sogar eine um 40 Prozent höhere Intensität an Schleppnetzfischerei stattfindet als außerhalb der Schutzgebiete", kritisiert die Fachfrau der Grünen für Naturschutz.

Fischkutter in der Nordsee | Bildquelle: dpa
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Kutter in der Nordsee. Wenn es um EU-Fischereipolitik geht, müssen mehrere Staaten zusammenarbeiten.

In Schutzzonen gefährdeter als außerhalb

Eine absurde Situation, in der Fische in ausgewiesenen Schongebieten offenbar gefährdeter sind als dort, wo regulär gefangen werden darf. Und ausgerechnet durch Fischfang mit Schleppnetzen, die als besonders umwelt- und artenschädigend gelten. Darum warnt Lemke:

"Die Schleppnetzfischerei bedeutet im Prinzip, dass über den Meeresboden hinweggepflügt wird. Das heißt, dass dort wirklich auf- und herumgewirbelt wird, sodass man sich vorstellen kann, dass das für laichende Fischbestände aber auch für andere Meereslebewesen eine massive Störung bedeutet."

Genug Gründe also für die Grünen, die Bundesregierung nach der Absurdität von Schutzzonen zu fragen. Und nach ihrer Strategie für eigentlich mehr Meeresschutz, Erhalt und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt im Meer, wie es offiziell hieß, als der Bund im September 2017 und nach jahrelangem Hick-Hack Schongebiete für Nord- und Ostsee auswies. Hier sollten Riffe und Sandbänke geschützt werden, ebenso wie Schweinswale, Haie, Rochen oder auch Wanderfische wie Aal und Lachs.

Umweltministerium gesteht Lücken ein

Das ist bislang nicht gelungen, räumt das Bundesumweltministerium jetzt ein. Seine Antwort an die Adresse der Grünen liegt dem ARD-Hauptstadtstudio vor. Schutzzonen schützen nicht, das wüssten auch die deutschen Fachbehörden, gibt das Ministerium in seinem Schreiben zu. Und die Erkenntnisse besagten, "dass derzeit nur in wenigen europäischen Meeresschutzgebieten keine kommerzielle Fischerei stattfindet".

Dass die Fangmethode mit Schleppnetzen, die flächendeckend die Böden umpflügten, den größten Schaden anrichte, auch das weiß man im Umweltministerium: "Dadurch erreichen die Lebensräume des Meeresbodens und der Meeresfische insgesamt nicht den guten Umweltzustand."

Den guten Zustand will man aber doch demnächst erreichen, heißt es weiter in dem Schreiben. Gemeint ist damit eine Regelung auf EU-Ebene. Schutzzonen im Meer bedeuten nämlich immer eine Abstimmung innerhalb der gemeinsamen EU-Fischereipolitik - und da müssen Nachbarstaaten mit ins Boot geholt werden, was der Bundesregierung für die Schongebiete in der Nordsee auch gelungen ist.

Für die Ostsee gilt nur das Papier

Aus Sicht der Grünen habe Berlin aber zu viele Kompromisse gemacht. Und für die Ostsee, moniert Steffi Lemke, gilt bislang nur Papier. Der gesamte Abstimmungsprozess stehe noch am Anfang. Insgesamt urteilt die Grünen-Politikerin:

"Die Meere stehen global gesehen so unter Druck: durch Überhitzung, Fischerei und Umweltverschmutzung. Es ist insgesamt eine Situation, die wirklich unbefriedigend ist."

Grüne Kritik an Meeresschutz-Strategie der Bundesregierung
Bettina Nutz, ARD Berlin
14.02.2019 05:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 14. Februar 2019 um 06:04 Uhr und 06:20 Uhr.

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