Ein Auszubildender setzt eine Schweißnaht an ein Metallteil, während ein Berufsschullehrer zuschaut | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge im Arbeitsmarkt "Das läuft alles ganz gut"

Stand: 21.08.2018 14:02 Uhr

Immer mehr Flüchtlinge fassen auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß. Vor allem für junge Asylbewerber sieht BA-Chef Scheele gute Aussichten. Auch die Debatte über die Fachkräfteeinwanderung geht weiter.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat eine positive Zwischenbilanz bei der Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gezogen. Die Erwartungen der BA seien knapp übertroffen worden, sagte BA-Vorstandschef Detlef Scheele der Deutschen Presse-Agentur.

Jüngsten Zahlen zufolge hatten im Mai mehr als 300.000 Menschen aus den acht Hauptherkunftsländern einen Job - und damit rund 100.000 mehr als im Vorjahresmonat. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia.

Schwarzmalerei unangebracht

"Das läuft alles ganz gut", sagte Scheele. Die Flüchtlingssituation auf dem Arbeitsmarkt gebe keine Veranlassung, schwarz zu malen. Knapp 240.000 der Geflüchteten mit Job - und damit der Großteil - seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt. "Das sind Zahlen, die sind gut - dafür, dass die Menschen aus humanitären Gründen gekommen sind und nicht, um hier einen Job zu finden", sagte Scheele.

Gut 480.000 Flüchtlinge seien im Juli bei der BA arbeitssuchend gemeldet gewesen. Darin enthalten sind auch Menschen, die aktuell einen Integrations- und Sprachkurs absolvieren.

Arbeitssuchende in Wiesbaden | Bildquelle: dpa
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Etwa 190.000 Flüchtlinge waren im Juli bei der BA arbeitslos gemeldet. Die Zahl ist seit Monaten relativ konstant.

Syrischer Flüchtling macht Ausbildung in einem Hamburger Supermarkt | Bildquelle: dpa
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Ein syrischer Flüchtling macht eine Ausbildung in einem Hamburger Supermarkt.

Flüchtlinge als Lehrlinge

Auch die Ausbildungszahlen zeichnen laut dem BA-Chef ein positives Bild. Knapp 30.000 junge Flüchtlinge haben laut BA inzwischen eine Lehre angefangen, seit Anfang Oktober 2017 haben sich rund 35.000 als Bewerber um einen Ausbildungsplatz bei der BA gemeldet.

"Wir haben immer gesagt, dass die, die als Kinder und Jugendliche eingereist sind, bessere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben", sagte Scheele.

Bei der Flüchtlingsintegration auf dem Arbeitsmarkt bleibe der Spracherwerb der erfolgskritische Faktor. Es sei unrealistisch, zu glauben, man könne in knapp einem Jahr so gut Deutsch lernen, dass es immer für die Berufsschule reiche. Mit den Förderprogrammen sei man derzeit trotzdem ganz zufrieden, sagte Scheele. Doch es könne immer noch mehr gemacht werden.

SPD fordert Wechsel zur Fachkräfteeinwanderung

Ein Vorschlag aus der Politik ist der sogenannte "Spurwechsel". Dazu hat die SPD nun einen weiteren Vorschlag gemacht. Die Sozialdemokraten wollen es abgelehnten Asylbewerbern und Geduldeten mit einer Stichtagsregelung ermöglichen, vom Asylverfahren in die Fachkräfteeinwanderung zu wechseln. "Dieser Spurwechsel sollte an eine Stichtagsregelung gebunden werden", erklärten Fraktionsvize Eva Högl und der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Burkhard Lischka.

Konkret schlagen sie vor, gut integrierten Ausländern, die zum 1. August 2018 in einem Ausbildungsverhältnis oder einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis standen, die Möglichkeit zu eröffnen, "einen regulären Aufenthaltstitel im Rahmen des künftigen Einwanderungsgesetzes zu bekommen".

Alternative zum "Spurwechsel"

Da der Stichtag 1. August noch vor der Vorstellung der Eckpunkte für ein neues Einwanderungsgesetz liege, sei Missbrauch ausgeschlossen, erklärten Högl und Lischka. "Denn ab sofort können keine Arbeitsverhältnisse mehr geschlossen werden, die möglicherweise nur dem Zweck dienen, einen Aufenthaltstitel zu erhalten."

Mit dem Inkrafttreten des Einwanderungsgesetzes sei der "Spurwechsel" dann nicht mehr erforderlich.

Ein Turm aus Styropor-Bausteinen, auf denen das Wort Fachkraft geschrieben steht.
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Für die SPD ist eine klare Trennung zwischen Asylrecht und Fachkräfteeinwanderung wichtig.

FDP-Plan zur Fachkräfteeinwanderung

Auch die FDP hat sich Gedanken zur Einwanderung gemacht. Dazu wollen führende FDP-Politiker die Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt vereinfachen und beschleunigen. Der Vize-Fraktionsvorsitzende Stephan Thomae und der Arbeitsmarktexperte der Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, stellten Eckpunkte zur Fachkräfteeinwanderung vor.

Im Kern setzen die Liberalen auf eine Öffnung der sogenannten Blue Card und die Einführung eines Punktesystems. Bisher können nur Akademiker mit einem Arbeitsplatzangebot per Blue Card nach Deutschland kommen. Dieser Weg müsse auch Fachkräften geöffnet werden, forderten Thomae und Vogel.

Außerdem müsse die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bundesweit vereinheitlicht werden. Sie dauerten viel zu lange.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2018 um 12:10 Uhr.

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