Blick auf die Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück | AFP

Corona-Ausbruch bei Tönnies Gütersloh und Warendorf machen wieder dicht

Stand: 23.06.2020 18:28 Uhr

Der Corona-Ausbruch bei der Firma Tönnies hat weitreichende Folgen für die Menschen in der Region. Nach dem Kreis Gütersloh sind nun auch für den Nachbarkreis Warendorf Verbote reaktiviert worden.

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies haben die Behörden neue Corona-Maßnahmen für den Kreis Gütersloh und den Nachbarkreis Warendorf verhängt. In Warendorf gebe es genau wie im Kreis Gütersloh Kontaktbeschränkungen. Zudem würden Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen verboten, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Ab Donnerstag würden zudem Schulen und Kitas im Kreisgebiet geschlossen.

Die Sieben-Tages-Inzidenz habe den Wert von 50 überschritten, sagte Laumann. "Darauf guckt auch Deutschland. Darauf guckt auch das Ausland. Und ich finde, wenn man das abgemacht hat, muss man sich auch dran halten", so Laumann. "Das gesellschaftliche Leben orientiert sich nicht an Dorfgrenzen."

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Auch Einschränkungen in Gütersloh

Ministerpräsident Armin Laschet hatte zuvor bei einer Pressekonferenz gesagt, die geplanten Maßnahmen im Kreis Warendorf sollten "nicht flächendeckend" sein, sondern für Orte gelten, die an den Kreis Gütersloh grenzen. Laschet hatte dabei für den Kreis Gütersloh eine Rückkehr strenger Pandemie-Schutzmaßnahmen verkündet. Er selbst sprach von einem "Lockdown".

Die Maßnahmen sollen von diesem Mittwoch an zunächst bis zum 30. Juni gelten - allen voran auch wieder ein Kontaktverbot. Im öffentlichen Raum dürfen sich die Bewohner eine Woche lang nur noch mit Personen des eigenen Hausstands bewegen oder zu zweit. Fitnessstudios werden Laschet zufolge ebenso geschlossen wie Kinos und Bars.

Kein Ausreiseverbot

Die Maßnahmen bedeuteten zwar kein Ausreiseverbot, meinte Laschet mit Blick auf geplante Urlaubsreisen. Zugleich "appellierte" er aber an die Bewohner, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren". Und ergänzte: "Das wird auch kontrolliert werden." In mehreren deutschen Urlaubsregionen wurden Reisende aus den Corona-Risiko-Gebieten angehalten, vorzeitig abzureisen.

Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher "größte Infektionsgeschehen" in Deutschland, so Laschet. Von 7000 Mitarbeitern der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wurden 1553 positiv getestet, die meisten in der Abteilung Fleischzerteilung. Hinzu kämen laut Laschet einige Fälle aus dem familiären Umfeld der Betroffenen, deren Zahl aber noch nicht bekannt sei. Bei Nicht-Mitarbeitern von Tönnies im Kreis Gütersloh habe man nur 24 Infizierte, so Laschet.

Der zwischen Bund und Ländern festgelegte Grenzwert an Corona-Infektionen liegt bei 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche. Im Kreis Gütersloh gab es nach Angaben des Robert Koch-Institutes 257,4 Infektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen, im Kreis Warendorf 68,4.

Der Ministerpräsident warf dem Branchenriesen mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkarbeiter von Tönnies durchgesetzt. "Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt", so Laschet. Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten der Beschäftigten zu übermitteln. Fragen des Schadenersatzes gegen die Firma Tönnies könnten nach der Krise geprüft werden.

Kritik an Werkverträgen

Tönnies war zuletzt wegen der vielen Werkverträge in die Kritik geraten. Damit werden die Ausführung von Arbeiten bei Subunternehmern eingekauft. Das Bundeskabinett hatte bereits Ende Mai beschlossen, Werkverträge in Schlachthöfen weitgehend zu verbieten. Das Schlachten und Verarbeiten von Fleisch soll ab 1. Januar 2021 nur noch mit Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein.

Tönnies kündigte heute an, die Werkverträge "in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung" bis Ende 2020 abzuschaffen. Die Mitarbeiter sollen in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden. Außerdem soll für die Arbeiter eine digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standorten eingeführt werden.

Was in Gütersloh und Warendorf erlaubt ist - und was nicht

Zeitrahmen: In den Kreisen Gütersloh und Warendorf treten wieder die Kontaktbeschränkungen vom März 2020 in Kraft. Das gilt laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bis zum 30. Juni 2020.

Treffen: Diese Beschränkungen schreiben vor, dass sich nur Menschen aus einer Familie, Lebenspartner oder einem Hausstand in der Öffentlichkeit zusammen aufhalten dürfen. Treffen dürfen sich auch zwei Personen, die weder der Familie angehören noch zusammen leben.

Freizeit: Bis zum 30. Juni sind wieder viele Kulturveranstaltungen sowie Sport in geschlossenen Räumen verboten. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Bars.

Gastronomie: Thekenbetriebe müssen geschlossen werden, Restaurants dürfen unter Auflagen geöffnet bleiben. Es dürfen maximal zwei Personen oder alternativ eine Familie an einem Tisch sitzen.

Schulen, Kitas: Bereits seit dem 17. Juni sind die Schulen und Kitas in Gütersloh wieder geschlossen. Im Kreis Warendorf geschieht das am Donnerstag, zwei Tage vor Ferienbeginn in NRW. Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juni 2020 um 16:00 Uhr.

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