Janine Wissler und Dietmar Bartsch  | REUTERS

Bundestagswahlkampf der Linken Das Spitzenduo heißt Wissler/Bartsch

Stand: 10.05.2021 12:55 Uhr

Eine Frau aus dem Westen, ein Mann aus dem Osten: Die Linkspartei zieht mit dem Duo Wissler/Bartsch an der Spitze in den Bundestagswahlkampf. Beide repräsentieren unterschiedliche Strömungen in der Partei.

Die Linkspartei geht mit dem Spitzenduo Janine Wissler und Dietmar Bartsch in den anstehenden Bundestagswahlkampf. Der Parteivorstand benannte die Co-Vorsitzende und den Chef der Bundestagsfraktion mit fast 87 Prozent der Stimmen, wie die zweite Co-Vorsitzende, Susanne Hennig-Wellsow, mitteilte. Die Linke greife jetzt in den Wahlkampf ein: "Es geht darum, soziale Geborgenheit und Halt zu verschaffen."

Bartsch sagte, das Ziel der Linkspartei sei ein zweistelliges Prozentergebnis bei der Wahl im September. Es müsse eine Umverteilung von den Reichen zu den ärmeren Leistungsträgern geben. "Wir kämpfen für die Millionen, die zu Mini-Löhnen schuften müssen", sagte Bartsch. "Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl." Daher müsse es auch eine große Steuerreform geben.

Wissler ergänzte: "Es geht darum, dass ein grundlegender Umbau der Wirtschaft eingeleitet wird." Die Superreichen müssten für die Pandemie-Krise zahlen. "Notwendig ist eine mutige, eine radikale und eine realistische Politik", sagte sie. "Es geht nicht um kleine Korrekturen, es geht um einen Richtungswechsel." Die Mieten müssten bundesweit gedeckelt und große Wohnungskonzerne enteignet werden.

Unterschiedliche Strömungen in der Partei

Bartsch steht seit 2015 als Co-Chef an der Spitze der Linksfraktion im Bundestag. Der 63-Jährige kommt aus Mecklenburg-Vorpommern und ist ein erfahrener Parteistratege, gilt als Pragmatiker und setzt sich schon lange dafür ein, dass die Linkspartei auch Regierungsverantwortung übernimmt, wenn die Mehrheiten das hergeben.

Janine Wissler führt die Partei seit Ende Februar gemeinsam mit Hennig-Wellsow. Die weibliche Doppelspitze folgte Bernd Riexinger und Katja Kipping nach. Wissler wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet. Die 39 Jahre alte Hessin zeigt sich zwar grundsätzlich auch offen für eine Regierungsbeteiligung ihrer Partei, lehnt dabei aber ein Abrücken von linken Positionen etwa beim Nein zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und einem Stopp von Waffenexporten strikt ab.

Partei steht bei sechs Prozent

Bartsch war auch bei der vergangenen Bundestagswahl 2017 Spitzenkandidat, gemeinsam mit seiner damaligen Co-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Die Linkspartei hatte damals 9,2 Prozent der Stimmen geholt. Momentan steht sie in der Sonntagsfrage des ARD-DeutschlandTrend bei sechs Prozent.

Eine theoretische Regierungsoption wäre eine Koalition mit Grünen und SPD. "Diese Mehrheit könnte viel bewegen", sagte Hennig-Wellsow. In der Linken gibt es jedoch immer wieder Debatten gerade über die Außen- und Verteidigungspolitik, besonders über die Rolle Deutschlands in der NATO, was einer Zusammenarbeit mit Grünen und vor allem der SPD im Wege stehen könnte.

Außenpolitik ist Knackpunkt für ein Bündnis

Wissler hatte zuletzt Aufforderungen der Grünen, sich in der Außenpolitik zu bewegen, zurückgewiesen. Grünen-Co-Chef Robert Habeck sagte am Wochenende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Linkspartei müsse in einem "besonderen Maße beweisen, dass sie regierungsfähig und bereit ist, für dieses Land Verantwortung zu übernehmen". Das schließe ein Bekenntnis zur NATO ein.

Wissler lehnte das ab und erinnerte daran, dass die Grünen als Friedenspartei gegründet worden seien. Die NATO sei aber ein "Kriegsbündnis".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Mai 2021 um 12:00 Uhr.