Gesundheitsminister Lauterbach im ARD-Hauptstadtstudio

Lauterbach in der ARD "Schulschließungen wird es nicht mehr geben"

Stand: 29.07.2022 17:14 Uhr

Erstmals hat auch Gesundheitsminister Lauterbach weitere pandemiebedingte Schulschließungen ausgeschlossen. Es werde im Herbst mit "vielen Maßnahmen gearbeitet" werden, Schulen blieben aber offen, sagte er in der ARD.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich in einem Social Live des ARD-Hauptstadtstudios den Fragen von Bürgerinnen und Bürgern gestellt. Mit Blick auf die Pläne für Corona-Schutzmaßnahmen im Herbst und Winter sagte er, die Ampelkoalition befinde sich noch in der Abstimmung und er wolle nicht vorgreifen. Er könne aber bereits sagen, dass das Maßnahmenpaket keine Möglichkeit mehr zu Schulschließungen vorsehe.

Diese Möglichkeit "wird es nicht mehr geben", sagte Lauterbach. Zuvor hatte bereits Justizminister Marco Buschmann Schulschließungen eine Absage erteilt. Die beiden Minister arbeiten derzeit am neuen Infektionsschutzgesetz; die geltenden Regelungen laufen Ende September aus.

"Wir werden vorbereitet sein, wir werden mit vielen Maßnahmen arbeiten", so Lauterbach. Die Regierung arbeite zudem an einer "großen Strategie" zur Impfung und einer Impfkampagne für Pflegeeinrichtungen.

In Bezug auf Long Covid sagte Lauterbach, es gebe Hunderttausende Long-Covid-Erkrankte. Jüngere Menschen seien derzeit zu sorglos und unterschätzten die Gefahr, das Risiko sei aber erheblich. "Die Risikowahrnehmung bei den Jüngeren ist nicht korrekt im Moment", so Lauterbach. "Man kann sich über einen falschen Atemzug sein Leben kaputtmachen."

Für vierte Impfung zum Hausarzt

Tatsache sei auch, dass es keine Medikamente gegen das häufig auftretende chronische Erschöpfungssyndrom gebe. Es werde aber intensiv geforscht. Die Pharmaunternehmen der ganzen Welt arbeiteten daran. Das Risiko, an Long Covid zu erkranken, sei aber mit einer dritten oder vierten Impfung geringer, das Risiko sinke "deutlich".

Er empfehle Jüngeren, für die vierte Impfung den Hausarzt aufzusuchen. Er kenne viele Hausärzte, die dann individuell entscheiden würden. Beim Thema vierte Impfung war der Eindruck entstanden, er empfehle eine solche zweite Auffrischungsimpfung generell auch jüngeren Menschen, was auf Kritik stieß. Dies sei aber eine "falsche Darstellung". Für Menschen unter 60 könne die vierte Impfung in bestimmten Fällen sinnvoll sein, insbesondere wenn sie "ganz viele Kontakte" hätten.

Im September würden auch die an die neuen Corona-Varianten angepassten Impfstoffe erhältlich sein. Diese würden auch besser vor Ansteckung schützen.

Zum Mangel an freien Psychotherapieplätzen sagte Lauterbach, es klappe gut, eine erste Beratungsstunde zu bekommen - es werde aber schwieriger, wenn es um dauerhafte Therapien ginge. Viele leichtere Fälle seien zu lange in Behandlung - dies wiederum erschwere es den schwereren Fällen, an einen Therapieplatz zu kommen. Hier müsse man an mehreren Punkten ansetzen.

Forschungsministerium gefragt bei Frauengesundheit

Lauterbach wurde auch nach dem Thema Frauengesundheit gefragt, speziell nach der Erkrankung Endometriose, einer gynäkologischen Krankheit, die mit starken Schmerzen verbunden ist und zu Unfruchtbarkeit führen kann. Der mit dieser Krankheit verbundene Leidensdruck sei lange unterschätzt worden, so der Gesundheitsminister. "Das ist eine schwere Erkrankung, die die Lebensqualität deutlich einschränkt."

Er sei dafür, "dass hier ein Forschungsprogramm vom Bundesforschungsministerium kommt", so Lauterbach. "Ich würde mich freuen, wenn Frau Stark-Watzinger das aufgreifen würde und würde das dann gerne begleiten." Er könne erklären, was die bisherigen Behandlungskonzepte seien und warum diese nicht funktionierten. "Ich könnte den medizinischen Teil liefern, sie ist ja keine Ärztin." Als Epidemiologe könne er auch "ein bisschen was dazu sagen, wie viele Frauen das haben."

Zur Frage, ob und wann es in Deutschland Menstruationsurlaub wie in anderen Ländern geben werde, sagte Lauterbach, das sei eine Frage an den Arbeitsminister. "Ich möchte Hubertus Heil hier nicht vorgreifen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Juli 2022 um 15:00 Uhr.