Alt und schmutzig: Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg stößt jährlich 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. | Bildquelle: dpa

Klimapolitik Klimaziele rücken in weite Ferne

Stand: 06.03.2019 09:53 Uhr

Deutschland sei im Klimaschutz über viele Jahre Vorreiter gewesen, sagt Umweltministerin Schulze. Das sei jedoch vorbei. Die Klimaschutzziele würden womöglich noch deutlicher verfehlt als bislang gedacht.

Deutschland wird seine Klimaziele bis 2020 nach Einschätzung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze möglicherweise noch deutlicher verfehlen als bislang gedacht. "Die Annahmen, die da zugrunde liegen, sind leider nicht so wahrscheinlich", sagte die SPD-Politikerin der "Süddeutschen Zeitung".

Umweltministerin Schulze | Bildquelle: dpa
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Umweltministerin Schulze schätzt, dass die Klimaziele bis 2020 deutlich verfehlt werden.

"Vor allem wurde überschätzt, was die bisherigen Maßnahmen bewirken. Sie reichen schlicht nicht", so Schulze.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzbericht 2017 eingeräumt, dass Deutschland voraussichtlich sein Ziel verfehlen wird, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Derzeit scheinen nur 32 Prozent Ersparnis möglich. Es könne sogar noch schlimmer kommen", sagte die Umweltministerin jetzt der Zeitung.

Mittlerweile hätten viele andere Länder beim Klimaschutz aufgeholt. "Vorreiter waren wir mal, über viele Jahre", sagte Schulze. "Aber wir sind zu lange stehen geblieben."

Diese Aussage entspricht der Einschätzung von Umweltschützern. Das Climate Action Network (CAN), ein Dachverband von über 1300 umweltpolitischen Nichtregierungsorganisationen aus 120 Ländern, platzierte die Bundesrepublik in einem EU-Ranking nur auf Platz acht der 28 Mitgliedsländer. Grund ist unter anderem, dass das deutsche Klimaziel für 2020 absehbar verfehlt wird. Zudem wirft der Verband Deutschland vor, ehrgeizigere Ziele auf EU-Ebene zu bremsen. Die ambitioniertesten Klimaschützer in Europa sind der Rangliste zufolge Schweden vor Portugal und Frankreich.

Petersberger Klimadialog in Berlin

Heute und morgen veranstaltet die Bundesregierung den Petersberger Klimadialog. Regierungsvertreter aus mehr als 30 Ländern sprechen in Berlin über Klimaschutz und die Folgen der Erderwärmung vor allem für ärmere Länder und Menschen. Zum Petersberger Klimadialog lädt die Bundesregierung jedes Jahr seit 2010.

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung rief die Bundesregierung dazu auf, sich weiter für eine grenzüberschreitende Klimapolitik einzusetzen. "Genauso wichtig ist es allerdings, dass auch Deutschland selbst sich auf den Weg in eine saubere Zukunft macht. Dazu gehört ein rascher Ausstieg aus der Kohle", sagte der Chef des Instituts der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2018 um 15:00 Uhr.

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