Armin Laschet und Markus Söder (11. April 2021) | EPA

Kanzlerkandidatur der Union "Dauerhafter Kontakt" - keine Entscheidung

Stand: 18.04.2021 18:44 Uhr

Laschet oder Söder - noch immer gibt es keinen Kanzlerkandidaten der Union. Der niedersächsische CDU-Landesverband könnte am Abend aber für eine Vorentscheidung sorgen. Auch die Junge Union will sich offenbar positionieren.

Bis Ende der Woche wollten sich der CDU-Vorsitzende Armin Laschet und sein Konkurrent aus Bayern, CSU-Chef Markus Söder, darauf verständigen, wer von ihnen für die Union als Kanzlerkandidat antritt. Doch die selbst auferlegte Frist ist ausgereizt. Eine Einigung scheint dennoch weiterhin nicht in Sicht. Unter Berufung auf eigene Informationen berichtet die "Bild"-Zeitung, dass es wohl am Sonntag kein Ergebnis mehr geben werde - allerdings ohne eine genaue Quelle zu nennen. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt unter Berufung auf Unionskreise, Söder und Laschet stünden "in dauerhaftem Kontakt". Es gebe aber noch kein Ergebnis in der Frage, wer von beiden Kanzlerkandidat der Union werde.

Druck von allen Seiten

Doch der Druck, endlich zu liefern, ist groß. Der niedersächsische CDU-Chef Bernd Althusmann rief die Mitglieder seines Landesvorstands sowie die Bezirks- und Kreisvorsitzenden nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa für 20 Uhr zu Online-Beratungen zusammen. Er begründete die Sondersitzung mit "der aktuellen Lage zur K-Frage". Es wurde erwartet, dass es um ein Stimmungsbild gehen dürfte, ob die Basis in der Frage der Kanzlerkandidatur zu Laschet oder zu Söder tendiert.

Auch der Nachwuchs der Union will sich offenbar am Abend positionieren. Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland wollten sich die Landesvorsitzenden der Jungen Union (JU) um 20 Uhr in einer Videokonferenz zusammenschalten. JU-Chef Tilman Kuban hatte diesen Schritt in der "Bild" angekündigt: "Wenn sie uns zwingen, sind wir im Zweifel bereit, als gemeinsame Jugendorganisation von CDU und CSU Verantwortung zu übernehmen und uns zu positionieren."

Kuban hatte bereits am vergangenen Montag im CDU-Vorstand eine schnelle Entscheidung gefordert und nach Teilnehmerangaben gesagt, Laschet brauche dafür ein starkes Verhandlungsmandat. Ob Laschet am Ende antrete, oder ob er es Söder überlasse, entscheide nur der CDU-Chef alleine. Er traue Laschet zu, dass er wisse, was das Beste für Deutschland, Europa und die Union sei.

"Stimmungslage ist eindeutig"

Im Bericht aus Berlin betonte der Landesvorsitzende der CDU Berlin, Kai Wegner, dass sowohl Laschet als auch Söder gute Kandidaten wären. Er glaube aber, dass es eine Präferenz in seiner Partei gebe. "Die Stimmungslage ist eindeutig. Und es gibt auch einen Wunsch der Wählerinnen und Wähler. Das kann man nicht ganz unberücksichtigt lassen", sagte Wegner. Sein Landesverband hatte sich für Söder ausgesprochen.

Wegner lehnt eine Sondersitzung des CDU-Bundesvorstands zur Unterstützung Laschets ab. "Das ist Quatsch." Wenn sich die beiden Parteichefs nicht einigten, müsse die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Dienstag entscheiden.

Abstimmung in Bundestagsfraktion?

Mehrere Unionspolitiker drangen in Zeitungsinterviews auf eine Einigung der beiden noch am Wochenende - oder spätestens Montag. "Ich erwarte von den Parteivorsitzenden, dass sie bis morgen eine gemeinsame Lösung präsentieren", sagte der Chef des CDU-Landesverbands Hamburg, Christoph Ploß, der "Rheinischen Post". "Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, kann über die Kanzlerkandidatur nur die Bundestagsfraktion als einziges gemeinsames Gremium von CDU und CSU entscheiden." Hier gilt Söder als Favorit. 

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann droht ebenfalls mit einer Abstimmung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über die Kanzlerkandidatur. "Die Uhr tickt unaufhörlich. Sollte eine Entscheidung nicht sehr zeitnah vor Dienstag fallen, wird sich durch den beantragten Tagesordnungspunkt in unserer Fraktion die historische Entscheidung der CDU/CSU-Fraktion von 1979 halt wiederholen", sagt Grundmann der "Welt". Damals hatte sich die Fraktion im Rennen zwischen Ernst Albrecht mit Franz-Josef Strauß für Strauß entschieden. Dieser verlor dann die Bundestagswahl.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte am Samstag die Beteiligung der Unionsfraktion: Sie habe bei der Findung des Kanzlerkandidaten der Union "ein natürliches Mitspracherecht", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Der Vize-Fraktionschef der Union, Carsten Linnemann, warnte dagegen eindringlich vor einer Kampfabstimmung in der Fraktion. "Ansonsten drohen Gräben aufgerissen zu werden, die sich nur schwer wieder zuschütten lassen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er persönlich stehe "nach wie vor" zu Laschet, sagte Linnemann.

Kretschmer fordert rasche Entscheidung

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte zuletzt auf eine rasche Entscheidung gedrängt. Die K-Frage solle an diesem Wochenende beantwortet werden, sagte er am Samstag dem MDR. Kretschmer sprach sich weder für Söder noch für Laschet aus - verwies allerdings darauf, dass Söder in der sächsischen CDU sehr viele Fürsprecher habe.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) forderte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" "entschlossenes" Handeln. Er plädierte dabei dafür, "die Auffassungen unserer Basis, also der Mandats- und Funktionsträger, der Mitglieder und der Wähler" in die Entscheidung mit einzubeziehen. Das Führen einer Regierung sei beiden Bewerbern gleichermaßen zuzutrauen, deshalb stehe jetzt im Mittelpunkt der Diskussion, "mit welchem der beiden wir die besten Aussichten haben, den Regierungsauftrag für die nächsten vier Jahre auch tatsächlich zu erhalten". 

Christian Bäumler, Vize-Vorsitzender der CDU-Arbeitnehmervereinigung CDA, forderte im "Handelsblatt" für die Zukunft ein neues Gremium zur Bestimmung des Kanzlerkandidaten. Er schlug einen "Deutschlandrat der Union" vor. Darin sollten von den jeweiligen Parteitagen gewählte Vertreter beider Parteien den Kanzlerkandidaten aufstellen und das Programm beschließen. "Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist dieses Organ nicht, da sich dort zu viele Einzelinteressen austoben", sagte Bäumler dem "Handelsblatt". 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. April 2021 um 13:00 Uhr.