Armin Laschet und Markus Söder | AFP

Kanzlerkandidatur der Union Die Angst vor der Kampfabstimmung

Stand: 18.04.2021 04:02 Uhr

Während sich der Wettstreit zwischen den möglichen Kanzlerkandidaten Laschet und Söder fortsetzt, wächst in der Union die Sorge vor einer Spaltung: Fraktionsvize Linnemann warnte davor, mit einer Kampfabstimmung Gräben aufzureißen.

In der Union wächst angesichts der ungeklärten K-Frage die Sorge vor einer zunehmenden Spaltung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Carsten Linnemann, warnte davor, den Kanzlerkandidaten mit einer Kampfabstimmung in der Fraktion zu ermitteln.

"Was wir jetzt brauchen, ist eine gemeinsame Lösung und keine Kampfabstimmung in der Fraktion. Ansonsten drohen Gräben aufgerissen zu werden, die sich nur schwer wieder zuschütten lassen", sagte Linnemann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Entscheidend sei jetzt, dass es sehr schnell eine Einigung gebe. "Beide haben uns das Wort gegeben, dass sie es am Wochenende klären wollen. Also spätestens an diesem Sonntag", so Linnemann, der seine Unterstützung für CDU-Chef Laschet bekräftigte: "Er hat in NRW bewiesen, dass er die CDU breit aufstellen und mit nur einer Stimme Mehrheit regieren kann."

Von Laschet und Söder gesetzte Frist läuft ab

Armin Laschet und sein Kontrahent, CSU-Chef Markus Söder, hatten sich am vergangenen Sonntag zur Übernahme der Kanzlerkandidatur bereit erklärt. Am Montag stellten sich die Spitzengremien von CDU und CSU jeweils hinter ihren Parteichef. Seither steht eine Einigung trotz intensiver Gespräche aus.

Eine von den Rivalen selbst gesetzte Frist für die Lösung der K-Frage läuft heute ab. Sollte an diesem Wochenende keine Einigung erfolgen, könnte es zu einer Kampfabstimmung in der Bundestagsfraktion kommen.

CDU-Politiker droht mit neuem Landesverband in Bayern

Dass Söder die Kanzlerkandidatur trotz eines klaren Votums der CDU-Spitzengremien für Laschet weiterhin anstrebt, sorgt bei vielen in der CDU für Unmut. So forderte der nordrhein-westfälische Europaabgeordnete Dennis Radtke, Söder müsse endlich einlenken und Laschet den Vortritt lassen - andernfalls könne die CDU einen Landesverband im CSU-Stammland Bayern gründen.

Die Drohung ist brisant, denn eigentlich gilt seit Jahrzehnten, dass CDU und CSU nicht in Konkurrenz zueinander treten wollen. Die CSU nimmt daher nicht an Wahlen außerhalb Bayerns teil, die CDU ist ihrerseits nicht in Bayern aktiv.

"Wenn Söder die Kanzlerkandidatur erzwingen will, wenn er die CDU zerstören will, dann darf die Gründung der CDU in Bayern kein Tabu mehr sein", sagte Radtke im ZDF. Der 41-Jährige ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und Mitglied im nordrhein-westfälischen CDU-Landesvorstand, dem auch Laschet angehört.

Neues Entscheidungsgremium gefordert

Um aus der jetzigen Situation zu lernen, forderte der Vize-Chef des CDU-Sozialflügels, Christian Bäumler, ein neues Unions-Gremium für die künftige Bestimmung des gemeinsamen Kanzlerkandidaten einzurichten. Die Union brauche ein "gemeinsames, demokratisch legitimiertes Entscheidungsorgan, das die Stärke beider Parteien abbildet", sagte der stellvertretende CDA-Vorsitzende dem "Handelsblatt".

Bäumler stellt sich demnach einen "Deutschlandrat der Union" vor. Darin sollten von den jeweiligen Parteitagen gewählte Vertreter beider Parteien den Kanzlerkandidaten aufstellen und das Programm beschließen. "Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist dieses Organ nicht, da sich dort zu viele Einzelinteressen austoben", sagte Bäumler.

Für den Machtkampf zwischen Laschet und Söder dürfte ein neues Gremium indes zu spät kommen. Sollte heute keine Einigung erzielt werden, droht die Entscheidung genau dort zu fallen, wo sich laut Bäumler die Einzelinteressen austoben: in der Fraktion. Die viel beschworene Einheit der Union im Wahlkampf herzustellen, dürfte dann noch schwieriger werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. April 2021 um 10:10 Uhr.