Das Haus der Wannseekonferenz aus der Luft fotografiert | AP

Jahrestag der Wannseekonferenz Mit Israel gegen Holocaust-Leugnung

Stand: 20.01.2022 06:59 Uhr

Die deutsche Botschafterin in Israel und ihr israelischer Kollege in Berlin wollen eine UN-Resolution gegen Holocaust-Leugnung einbringen. Außenministerin Baerbock räumt eine Mitverantwortung ihres Amts am Holocaust ein.

Israel und Deutschland wollen gemeinsam eine UN-Resolution gegen Holocaust-Leugnung einbringen. Das schreiben die deutsche Botschafterin in Israel, Susanne Wasum-Rainer, und der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, in einem Gastbeitrag im Berliner "Tagesspiegel" und der israelischen Tageszeitung "Maariv".

Anlass ihres Beitrags ist der 80. Jahrestag der Wannseekonferenz. Am 20. Januar 1942 hatten NS-Funktionäre in einer Villa am Berliner Wannsee über die Vernichtung und systematische Ermordung von bis zu elf Millionen Juden in Europa beraten. Die Wannseekonferenz gilt als Schlüsselereignis des Holocaust.

Holocaust-Fakten werden relativiert

"Diese Resolution soll ein Zeichen der Hoffnung und der Inspiration für alle Staaten und Gesellschaften sein, die für Vielfalt und Toleranz einstehen, nach Versöhnung streben und verstehen, dass die Erinnerung an den Holocaust unabdingbar dafür ist, dass sich derartige Verbrechen nicht wiederholen", schreiben Wasum-Rainer und Issacharoff.

In ihrem Gastbeitrag kritisieren sie die Leugnung des Holocaust. Die Fakten der Shoah würden noch immer abgestritten und deren historischer Ausnahmecharakter werde relativiert. Das sei nicht nur unter politisch Radikalen verbreitet, sondern ein gesellschaftliches, internationales Phänomen.

Einheitliche Definition von Antisemitismus gefordert

Den Holocaust zu leugnen, sei nicht nur ein Angriff auf die Opfer des Völkermords und ihre Nachkommen, auf Jüdinnen und Juden in aller Welt und den Staat Israel - sondern auch "auf die Grundbedingung friedlicher Gesellschaften und friedlichen Zusammenlebens weltweit".

Als Maßnahmen gegen Holocaust-Leugnung schlagen sie eine einheitliche Definition von Antisemitismus und Investitionen in Bildung und Aufklärung vor. Außerdem sollen Holocaust-Relativierungen in sozialen Netzwerken verhindert werden.

Mitschuld des Auswärtigen Amts

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock räumt eine Mitschuld des Auswärtigen Amts am Holocaust ein. "Wir werden nie vergessen, was Deutschland ihnen angetan hat", sagt sie laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amts. "An ihrem Leid tragen auch Beamtinnen und Beamte des Auswärtigen Amts Schuld, die sich in den Dienst von Verbrechen und Völkermord des Nazi-Regimes gestellt haben."

Wer im Staatsdienst Verantwortung trage, müsse zuallererst Recht und Menschlichkeit verpflichtet sein. Es sei deshalb fester Bestandteil der Ausbildung im Auswärtigen Amt, sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit würden dafür sensibilisiert, Antisemitismus zu erkennen, und sollen am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar fortan daran erinnert werden.

Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten für Lehrer

Der Antisemtismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, forderte Pflichtbesuche für angehende Lehrer und Lehrerinnen in KZ-Gedenkstätten oder im Haus der Wannseekonferenz. "Mir fehlt das Verständnis dafür, dass es in Deutschland nach wie vor möglich ist, ein Lehramtsstudium ohne jeden Berührungspunkt mit der Shoah abschließen zu können", so Klein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2022 um 08:00 Uhr.