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Epidemiologe in den tagesthemen "Ein Grenzwert alleine ist nicht ausreichend"

Stand: 09.10.2020 21:35 Uhr

Um die Corona-Lage besser einschätzen zu können, hat der Epidemiologe Krause dazu geraten, mehr Daten zu berücksichtigen - nicht nur die Neuinfektionen. Als wichtigen Faktor nannte er in den tagesthemen die Zahl der Erkrankten.

Der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig hat davor gewarnt, den Fokus ausschließlich auf die Zahl der steigenden Neuinfektionen zu richten: "Ein Grenzwert alleine ist nicht ausreichend, um die Risiko-Einschätzung vorzunehmen", sagte er in den tagesthemen - und bezog sich dabei auf den Richtwert, wonach spätestens dann Einschränkungen kommen sollen, wenn innerhalb von sieben Tagen 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auftreten.

Krause verwies darauf, dass Gesundheitsämter und Robert Koch-Institut weit mehr Daten zur Verfügung stellten, die zur Bewertung der Corona-Lage berücksichtigt werden sollten.

Altersverteilung der Infizierten

Als Beispiel nannte er die Altersverteilung der infizierten Menschen, die Anzahl der an Covid-19 Erkrankten und die Belegung der Intensivbetten. "Man muss sich aus diesen verschiedenen Indikatoren ein Bild machen. Die Infektionszahlen alleine, die nur auf dem Laborwert beruhen, sind alleine nicht aussagekräftig genug", so Krause weiter.

Er hoffe, dass sich die Maßnahmen nicht alleine an der Fallzahl 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner orientierten. Zugleich sprach er sich dafür aus, insbesondere die Zahl der Erkrankungen anzuschauen. Diese sei in ihrer Entwicklung stabiler und besser zu interpretieren als die Zahl der Neuinfektionen, sagte der Epidemiologe.

Mehr Ältere stecken sich an

Was die kommenden Monate angeht, sagte Krause weiter steigende Zahlen voraus. "Wir sehen jetzt schon leider einen Trend, dass der Altersdurchschnitt der Fälle steigt. Das ist das, was mich besorgt. Wir müssen unbedingt versuchen, die älteren Generationen zu schützen - so, dass sie trotzdem an der Gesellschaft teilhaben können." Überlegungen, Testmöglichkeiten in Altersheimen einzurichten, gingen "in die richtige Richtung".

Von Donnerstag auf Freitag war die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ein weiteres Mal über 4000 gestiegen. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des RKI 4516 neue Corona-Infektionen. Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2828 auf 4058 erheblich angestiegen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Oktober 2020 um 21:45 Uhr.

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KOMMENTARE

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asimo 09.10.2020 • 23:59 Uhr

infiziert/erkrankt/infektiös

Das Ganze ist nicht so trivial. Der PCR-Test, der ein hoch sensibler Test ist, weist Virusbefall des Rachenraumes nach. Damit ist man - für gewöhnlich - auch infiziert (das gilt sobal das Virus sich im Wirt erfolgreich repliziert hat). Aus virologischer Sicht ("Biologenansatz") ist man dann auch erkrankt. "Makroskopisch" phänomenolisch erkennbare Symptome ("Ärzteansatz") müssen damit nicht einhergehen. Auch ein augenscheinlich symptomloser Infizierter kann aber Infektös sein. Scher erkrankte Personen sind häufig in diesem Stadium wiederum kaum infektös... Um die Seuche einzudämmen ist es Priorität #1 möglichst wenig Infektöse Personen rumlaufen zu haben. Es gibt eine gute Coinzidenz der Infektösität mit der Viruslast im Rachenraum. Daher ist PCR-Test positiv eine gute Näherung zu "wahrscheinlich infektiös" und damit ist der PCR-Test ein guter Benchmark.