Ausgehviertel in Berlin | dpa

Innerdeutsche Risikogebiete Was gilt bei Reisen in Deutschland?

Stand: 06.10.2020 16:32 Uhr

Einreiseverbote, Quarantäne oder keine Beherbergung? Auch bei Reisen innerhalb Deutschlands ist in einigen Regionen Vorsicht geboten. tagesschau.de gibt einen Überblick über innerdeutsche Risikogebiete.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Verreisen ist in diesen Herbstferien nicht ganz einfach. Denn nicht nur im Ausland gelten mittlerweile viele Länder als Risikogebiete. Auch wer in Deutschland Urlaub plant, muss genau hinschauen: Auch hierzulande steigt die Zahl der Gebiete mit einem kritischen Wert an Neuinfektionen.

Sandra Stalinski tagesschau.de

In der Regel gilt ein Land oder eine Region ab 50 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner (Siebe-Tage-Inzidenz) als Risikogebiet. Für das Ausland legen das Bundesgesundheitsministerium, das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt das gemeinsam fest und veröffentlichen eine Liste.

Für innerdeutsche Risikogebiete gibt es aber eine solche bundesweit gültige Liste nicht. Stattdessen entscheidet jedes Bundesland für sich, welche Region, welche Stadt oder gar welcher Bezirk als Risikogebiet gilt - und welche Konsequenzen das für Reisende hat. Wer aus einem Risikogebiet kommt oder in eines reisen möchte, sollte sich also im Vorfeld sehr genau informieren, welche Regeln für die jeweilige Region gelten.

Was gilt wo?

Nach aktuellem Situationsbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) überschreiten sechs Kreise den kritischen Durchschnittswert von 50 (Stand: 05.10.) - und zwar Hamm, Remscheid, Berlin-Mitte, Berlin-Neukölln, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und Vechta. Doch es gibt keinen Automatismus, wonach alle Bundesländer diese Gebiete als Risikogebiet einstufen. Stattdessen gibt es überall leicht unterschiedliche Verfahren, in die auch eigene Auswertungen der Länder einbezogen werden. Was als Risikogebiet angesehen wird und welche Detailregelungen gelten, steht in der Regel auf den Seiten der Gesundheitsbehörden der Länder.

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein beispielsweise weist neben den Städten Hamm und Remscheid derzeit vier Berliner Bezirke als Risikogebiete aus: Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg. Wer sich in einem dieser Gebiete aufgehalten hat oder dort lebt, muss sich bei Ein- beziehungsweise Rückreise nach Schleswig-Holstein 14 Tage in Quarantäne begeben. Diese Quarantäne kann verkürzt werden, wenn Reisende zwei negative Testergebnisse vorlegen. Das erste darf nicht mehr als 48 Stunden vor Einreise entstanden sein, das zweite muss mindestens fünf Tage nach Einreise stattfinden. Solange gilt Quarantänepflicht. Ausnahmen gelten beispielsweise für Personen, die sich nur zur Durchreise in Schleswig-Holstein aufhalten oder für bestimmte Kurzaufenthalte.

Mecklenburg-Vorpommern

Hier umfassen die Risikogebiete gesamte Landkreise oder kreisfreie Städte. Berlin wird also als Ganzes betrachtet und gilt deshalb nicht als Risikogebiet, weil die Sieben-Tage-Inzidenz der gesamten Stadt noch deutlich unter 50 liegt. Für Urlauber aus den übrigen Risikogebieten, die in Mecklenburg-Vorpommern einreisen wollen, gilt ein Einreiseverbot. Es sei denn, sie können ein ärztliches Zeugnis vorlegen, dass keine Anhaltspunkte für eine Corona-Infektion vorliegen, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Ansonsten gilt wie in Schleswig-Holstein Quarantänepflicht mit der Möglichkeit, diese durch ein negatives Testergebnis fünf Tage nach der Einreise zu verkürzen.

Berlin

Während Reisende aus Berlin sich sehr genau darüber informieren sollten, welche Bestimmungen für sie am Zielort gelten, weist Berlin selbst keine Risikogebiete innerhalb Deutschlands mehr aus. Wer sich also innerhalb der Berliner Bezirke bewegt, die die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 überschreiten, muss keine Einschränkungen fürchten.

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz müssen sich Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten direkt in Quarantäne begeben, Einreise- oder Beherbergungsverbote gibt es nicht. Auch hier gibt es Ausnahmen von der Quarantänepflicht, beispielsweise durch ein negatives Testergebnis oder bei Kurzaufenthalten.

Bremen, Niedersachsen, Thüringen

In diesen drei Bundesländern gelten keinerlei Einschränkungen für innerdeutsche Reisende.

Andere Bundesländer

In Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland gibt es keine Einreiseverbote oder Quarantänepflicht für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten. Wenn innerdeutsche Regionen zu Risikogebieten erklärt werden, gibt es allerdings die Möglichkeit eines Beherbergungsverbots.

Von dieser Regel gibt es je nach Bundesland verschiedene Ausnahmeregelungen. Oft reicht es aus, wenn man entweder versichert oder nachweist, dass man nicht mit dem Coronavirus infiziert ist.

Anmerkung: Die Passage zum Beherbergungsverbot wurde aktualisiert.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 05. Oktober 2020 um 18:23 Uhr.

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KOMMENTARE

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Nachfragerin 05.10.2020 • 23:00 Uhr

@born in stasi-land - Obergrenzen für Familienfeiern

22:46 von born in stasi-land: "Familienfeiern müssen bundesweit strikt auf sagen wir 20 Personen begrenzt werden. Mit Abständen und Masken. Und mit harten Strafen bei Verstößen." Abstandsregeln und Familienfeiern sind meiner Meinung nach nicht kompatibel - zumal das ja eh keiner kontrollieren könnte. Von einem generellen Verbot halte ich auch nichts, aber eine Beschränkung der Teilnehmerzahl erscheint auch mir nötig. Bei einer Massenansteckung gäbe es dann entsprechend weniger Infizierte. "Menschen werden in Wohnblocks eingesperrt, Türen vernagelt, teilweise Prügelstrafen usw." > Davon habe ich bisher in keiner seriösen Quelle gelesen. Ich denke auch, dass Chinesen grundsätzlich gehorsamer sind als beispielsweise Europäer und daher gar keine drastischen Strafen nötig sind.