Buchen-Brennholz  | dpa

Streit ums Heizen mit Holz Wirklich klimaneutral?

Stand: 31.10.2022 09:03 Uhr

Heizen mit Holz ist nicht klimaneutral, sagt das Bundesumweltministerium. Waldbauern ärgern sich über diese Aussage, Umweltschützer wiederum über die Förderung von Holzheizungen.

Von Eva Huber, ARD-Hauptstadtstudio

Gerade suchen viele Menschen nach Alternativen zu Gas- und Ölheizungen. Für das Bundesumweltministerium sind Holzheizungen schon mal keine davon. "Heizen mit Holz ist entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral", schreibt das Ministerium auf seiner Homepage und bringt damit Waldbauern gegen sich auf. Der Verband der Waldeigentümer findet die Position des Ministeriums "nicht faktenorientiert, nicht sachlogisch".

Eva Huber ARD-Hauptstadtstudio

Beim Verbrennen von Holz entsteht Kohlendioxid (CO2) - pro produzierter Wärmeeinheit sogar mehr als bei fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas, schreibt das Umweltministerium. Deshalb sei Heizen mit Holz nicht klimaneutral. Betrachtet man nur den einzelnen Baum, stimme das, sagt auch Irene Seling von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände: "Aber das ist keine passende Perspektive. Wir müssen die Gesamtfläche betrachten."

Eine Frage der Perspektive?

Seling meint die Gesamtfläche des Waldes. Genauso viel oder mehr als das, was an CO2 beim Holzverbrennen in einem Jahr frei wird, nehmen die Bäume in den Wäldern insgesamt in diesem Jahr wieder auf. Somit sei das Heizen mit Holz klimaneutral, sagt Seling.

Das wiederum findet das Ministerium "vereinfachend". Diese Argumentation nehme einfach an, dass das, was der Wald an CO2 bindet, automatisch als Ausgleich für die "CO2-Emissionen der Holzverbrennung zur Verfügung" stehe. Aber der Wald zieht so oder so CO2 aus der Luft, unabhängig davon, ob Holz verbrannt wird. Diese wichtige Funktion des Waldes als Klimasenke sollte aus Sicht des Ministeriums "besser zum Ausgleich anderer, nicht vermeidbarer CO2-Emissionen genutzt werden".

Förderung von Holzheizungen in der Kritik

Das sieht auch Kenneth Richter vom Naturschutzbund Deutschland so. Umso mehr stört es ihn, dass die Bundesregierung nach wie vor neue Holzheizungen fördert als Alternative zu Gas und Öl. Für ihn passt das nicht zusammen mit den Aussagen des Umweltministeriums. "Wenn wir mit Holzheizungen tatsächlich genauso viele Emissionen wie vorher oder möglicherweise noch mehr als bei Fossilen produzieren, dann macht das keinen Sinn, eine solche Technologie weiter zu fördern", sagt Richter.

Bis vor kurzem wurden neue Holzheizungen, zum Beispiel mit Holzpellets oder Hackschnitzeln, noch mit bis zu 45 Prozent gefördert. Das hat die Bundesregierung im Sommer abgesenkt - auf höchstens 25 Prozent.

Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, hält die Haltung der Bundesregierung für richtig. Denn "es ist wichtig, dass wir aus den fossilen Energien rauskommen, dass wir Ölheizungen oder Gasheizungen ersetzen." Sie sieht Holzheizungen dabei als Baustein, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Gerade als Hybridheizung, also Holzheizung kombiniert mit Solarthermie, Wärmepumpe oder ähnlichem, könne Holz helfen "hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien im Wärmesektor zu wechseln."

Ziel: 50 Prozent erneuerbare Wärme bis 2030

Bis 2030 hat sich die Bundesregierung erstmal das Ziel gesteckt, 50 Prozent der Wärme klimaneutral zu erzeugen - so steht es im Koalitionsvertrag. Aus Sicht des Umweltministeriums, das Holzverbrennung als nicht klimaneutral einstuft, soll in dieses Ziel trotzdem grundsätzlich auch die Holzenergie eingerechnet werden. Sie müsse jedoch neu bewertet und ausgerichtet werden, schränkt das Ministerium ein.

Der Ausbau der erneuerbaren Wärme liegt deutlich hinterm Strom zurück. 2021 kamen nur 16,5 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen. Heizen mit Holz ist da die tragende Säule mit einem Anteil von 67 Prozent. Die Bundesregierung setzt jetzt stark auf Wärmepumpen. Wie sie in Zukunft mit der Holzenergie weiter machen will, wird gerade erarbeitet - als Teil einer nationalen Biomassestrategie.

Irene Seling vom Verband der Waldeigentümer hofft, dass die Förderung nicht noch weiter heruntergefahren wird. Energieholz hilft aus ihrer Sicht auch dabei, unabhängiger zu werden von Energieimporten. Außerdem sei es ein Nebenprodukt, das bei Holzernte und Waldumbau automatisch anfalle und nicht anders genutzt werden könne. Das sieht Umweltschützer Kenneth Richter anders. Die Holzreste ließen sich für Presspanplatten, Papier oder innovative Biomasseprodukte nutzen, sagt er. Der Streit ums Heizen mit Holz geht weiter.