Notärzte versorgen einen Mann, der im Hambacher Forst abgestürzt ist. | Bildquelle: dpa

Hambacher Forst Journalist stirbt bei Sturz von Hängebrücke

Stand: 19.09.2018 19:58 Uhr

Im Hambacher Forst ist ein Journalist abgestürzt und dabei ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei brach der Mann durch eine Hängebrücke. Die Landesregierung setzte die Räumungsarbeiten "bis auf weiteres" aus.

Polizeisprecher Paul Kemen sprach von einem "tragischen Unglücksfall", der sich während der großen Räumungsaktion im rheinischen Braunkohlerevier Hambacher Forst ereignete. Ein Journalist war tödlich verunglückt, als er durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern brach und 15 Meter in die Tiefe stürzte. Rettungskräfte konnten nichts mehr für ihn tun. Die Räumungsarbeiten im Hambacher Forst wurden "bis auf weiteres" ausgesetzt. "Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul.

Der Mann wurde am Unfallort unter dem Baumhaus von einem Notarzt versorgt und anschließend in einem Rettungshubschrauber zur weiteren medizinischen Versorgung ausgeflogen. "Wir bedauern den tragischen Unfall", twitterte die Polizei. Zum Unfallzeitpunkt habe es "keine polizeilichen Maßnahmen" gegen das Baumhaus gegeben, in dem sich das Unfallopfer aufgehalten habe.

Bei dem Toten handele sich um einen jungen Mann, der seit längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentierte, sagte ein Polizeisprecher. Rettungs- und Polizeikräfte hätten Erste Hilfe geleistet, hätten den Mann aber nicht mehr retten können.

Baumhaus im Hambacher Forst wird abgebaut | Bildquelle: dpa
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Seit einer Woche räumt die Polizei die Baumhäuser der Umweltschützer ab.

Wald gilt als Widerstandssymbol

Seit einer Woche sind die Behörden mit einem massiven Polizeiaufgebot dabei, die Baumhäuser der Umweltaktivisten zu räumen und abzubauen. Bislang sind nach Angaben der Polizei 39 von 51 Baumhäusern geräumt.

Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben von RWE, weite Teile des Forstes abzuholzen. Es soll dort Braunkohle gebaggert werden. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. In bis zu 25 Metern Höhe haben Aktivisten Baumhäuser errichtet und halten den Wald damit seit sechs Jahren besetzt.

Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Gegner der Rodung argumentieren, der Wald habe eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gebe dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus. Der Protest vor Ort richtet sich auch gegen den Abbau von Braunkohle allgemein.

Über dieses Thema berichtete am 19. September 2018 NDR Info um 17:45 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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