Robert Habeck | EPA

Wirtschaftsminister Habeck Öffentliche Gebäude nur noch 19 Grad warm

Stand: 12.08.2022 13:46 Uhr

Ein Grad weniger bringen sechs Prozent Gas-Ersparnis - deshalb will Wirtschaftsminister Habeck alle 186.000 öffentlichen Gebäude in Deutschland nur noch auf 19 Grad heizen. Auch sollen Denkmäler nachts nicht mehr angestrahlt werden.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat Verordnungen zum Energiesparen angekündigt. Unter anderem sollen öffentliche Gebäude nur noch auf höchstens 19 Grad geheizt werden dürfen, sagte der Grünen-Politiker in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Wir werden über das Energiesicherungsgesetz Verordnungen erlassen", sagte er.

Insgesamt gibt es laut der Deutschen Energie-Agentur (DENA) rund 186.000 öffentliche Gebäude in Deutschland. Durch Absenken der Raumtemperatur um ein Grad Celsius lassen sich etwa im Schnitt sechs Prozent Gas einsparen.

Denkmäler nicht mehr angestrahlt

Zudem sollten Gebäude und Denkmäler nachts nicht mehr angestrahlt und Werbeanlagen nicht beleuchtet werden, so Habeck. "Auch in der Arbeitswelt sind mehr Einsparungen nötig." Darüber werde gerade mit dem Arbeitsministerium und den Sozialpartnern gesprochen.

Im Juli hatte Habeck Eckpunkte eines neuen Energiesicherungspakets vorgelegt. Hintergrund sind die stark gedrosselten russischen Gaslieferungen. In dem Papier hieß es, es sei wichtig, dass der Gasverbrauch auch in Betrieben, Bürogebäuden und privaten Haushalten sinke. Dazu plane das Wirtschaftsministerium in enger Abstimmung mit anderen Ressorts der Bundesregierung zusätzliche Energie- und Effizienzmaßnahmen.

Wassertemperatur in Schwimmbädern senken

Der Deutsche Städtetag hat eine Liste mit zwölf Vorschlägen vorgelegt, wie Kommunen Energie einsparen können. So kann die Wassertemperatur in öffentlichen Schwimmbädern reduziert oder in "ausgewählten öffentlichen Gebäuden" das Warmwasser komplett abgestellt werden. Mit Beginn der Heizperiode können Schulen die Temperatur in Turnhallen auf maximal 15 Grad begrenzen, in den Klassenzimmern auf den gesetzlichen Mindestwert von 20 Grad.

Experten betonen jedoch, dass auch Privathaushalte und Industriebetriebe ihren Verbrauch verringern müssen. Erstere verbrauchen 31, letztere rund 37 Prozent des gesamten Gases in Deutschland. Die Industrie reduzierte im März und April ihren Konsum um rund elf Prozent, die Einsparungen der privaten Haushalte betrugen sechs Prozent.

Abwärme von Rechenzentren reicht für 350.000 Haushalte

Es gibt aber auch weitere Ideen, wie sich Heizenergie einsparen lässt. Mit der Abwärme großer Rechenzentren beispielsweise ließen sich laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom jährlich rund 350.000 Wohnungen in Deutschland mit Energie für Heizung und Warmwasser versorgen. "Dieses Potenzial sollten wir nicht weiter brachliegen lassen", erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg Ende Juli.

Die Rechenzentren müssten direkt an öffentliche und private Fernwärmenetze angeschlossen werden - oftmals fehle dafür jedoch die nötige Infrastruktur. Mit der Abwärme könnten beispielsweise kommunale Einrichtungen wie Schwimmbäder, aber auch Privatwohnungen und Gewerbegebäude mit Wärme versorgt werden, erklärte der Verband. In Betracht kämen mittlere und große Rechenzentren, insbesondere in den Regionen Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg und München.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. August 2022 um 14:00 Uhr.