Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, seine Frau Elke Büdenbender (links) und Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhalten sich bei der Geburtstagskaffeetafel zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes im Park von Schloss Bellevue mit Gästen. | Bildquelle: dpa

70 Jahre Grundgesetz Eine Debatte zum Kaffee

Stand: 23.05.2019 20:28 Uhr

70 Jahre Grundgesetz - das wurde im Schloss Bellevue gefeiert. Mit dabei: 200 Bürger aus ganz Deutschland. Doch "entspannt" wollte Bundespräsident Steinmeier seine Kaffeetafel nicht gestalten.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Im Garten des Schlosses Bellevue ist alles für eine festliche Geburtstagsfeier hergerichtet: Auf der leuchtend grünen Wiese stehen Kaffeetafeln mit weißen Tischdecken. Es ist warm und sonnig, die Gäste warten schon. Und manche von ihnen feiern doppelt, wie Thomas Pannecke aus Hamburg, der zusammen mit dem Grundgesetz 70 Jahre alt geworden ist:

"Für mich fühlt sich das sehr gut an. Das Grundgesetz finde ich toll, angefangen mit der Würde des Menschen, ohne sich im Detail zu verlieren. Und insofern bin ich ein bisschen stolz aufs Grundgesetz."

Ein Querschnitt der Gesellschaft am Tisch

Der Hamburger ist einer von 200 Gästen, die aus ganz Deutschland angereist sind. Sie haben sich beworben und sollen möglichst viele gesellschaftliche Gruppen vertreten. Ihr Alter reicht von 15 bis 85 Jahre, ihre Berufe von der Polizistin über den Handwerker bis zum Sänger.

Sie alle begrüßt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit einer kurzen Ansprache: "Liebe Geburtstagskinder, liebe Gäste - eingeladen habe ich zu einer Kaffeetafel. Kuchen und Kaffee gibt's tatsächlich - trotzdem, einen entspannten Nachmittag kann ich Ihnen nicht versprechen."

Bundeskanzlerin Merkel hört den Gästen der Kafeetafl im Schloss Bellevue anlässlich 70 Jahren Grundgesetz zu. | Bildquelle: dpa
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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel saß an der Kaffeetafel und diskutierte mit den Gästen.

Hinterfragen, kritisieren, mitreden

Denn sie alle sind zum Diskutieren gekommen. Frei von der Leber weg, wie der Bundespräsident sie auffordert:

"Das Grundgesetz verbrieft die Freiheit: der Meinung, des eigenen Lebensentwurfs, auch die Freiheit, zu hinterfragen und selbst die Mächtigsten zu kritisieren und mitzureden, wenn es um die Zukunft unseres Landes geht."

Deshalb sind auch Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle dabei. Wie der Bundespräsident gehen sie von Tisch zu Tisch, hören zu und beantworten Fragen. Die Gespräche an der Kaffeetafel sollen ungestört sein, deshalb sind keine Journalisten dabei.

Lücken im Grundgesetz

Danach erzählen die Gäste von ihren Eindrücken. Ja, es gab auch Kritik, wie von Nina Jaros aus Ostwestfalen-Lippe, die sich als transsexuell vorstellt: "Das Grundgesetz ist toll, allerdings gibt es verschiedene Menschengruppen, die davon nicht so profitieren, weil andere Gesetze eingreifen, das trifft um Beispiel Trans- oder Inter-Personen, die nicht in die klassischen Geschlechterbilder hineinpassen."

Sie fände es wichtig, dass viel öfter diejenigen, die keine Lobby haben, von der Politik gehört werden, "weil ich gerade in dieser Runde feststellen konnte: Man kann Ideen vorbringen".

Und zwar zu ganz unterschiedlichen Themen, erzählt Katrin Wolff aus dem thüringischen Weimar: "Es waren so viele Themen, wir kamen aus so vielen Bundesländern, aus verschiedenen Branchen. Ich selber bin in der Altenpflege, auch das haben wir angesprochen."

Auch verschiedene Meinungen prallten aufeinander, so Thomas Pannecke, der Jubilar aus Hamburg: "Wir hatten eine Dame, die die DDR miterlebt hat, da gab es schon unterschiedliche Meinungen: Sie nannte es Verkauf der neuen Bundesländer an die alten."

Feier zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes in Berlin
tagesschau 20:00 Uhr, 23.05.2019, Julia Krittian, ARD Berlin

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Gegen den Populismus andiskutieren

Miteinander ins Gespräch kommen, dazu ruft Bundespräsident Steinmeier auf, um den Zusammenhalt zu stärken. Auch Politik und Medien müssten sich den richtigen Fragen widmen, damit nicht Populisten berechtigte Sorgen für ihre Interessen missbrauchen. Auch Bundeskanzlerin Merkel sieht nach der Kaffeetafel die Parteien gefordert:

"Es hat auch viel damit zu tun, dass es schlechte Stimmung gibt, und wie man das in konstruktives Handeln umwandeln kann. Ich finde, solche Formate sollten häufig stattfinden."

Der Bundespräsident wird seine Kaffeetafeln fortsetzen, die es insgesamt schon sieben Mal gab, ob in Frankfurt am Main oder in Chemnitz nach den rechten Ausschreitungen. Die Debatte wolle er nicht den Lautsprechern und politischen "Randalinskis" überlassen. Für die Teilnehmenden im Schloss Bellevue hat es funktioniert: unterschiedliche Positionen austauschen - und trotzdem gemeinsam das Grundgesetz feiern.

Kaffeetafel zu 70 Jahre Grundgesetz: Debatte und Zusammenhalt
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
23.05.2019 19:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau am 24. Mai 2019 um 20:00 Uhr.

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