Ein Magnet mit der Aufschrift «Fahrschule» ist an einer Wandtafel mit verschiedenen Verkehrsymbolen zu sehen. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Scheuer-Pläne zu Automatik-Autos TÜV warnt vor neuen Führerschein-Regeln

Stand: 24.08.2019 12:27 Uhr

Deutsche Autofahrer wollen selber schalten - das galt viele Jahre. Inzwischen sind viele mit Automatik unterwegs. Verkehrsminister Scheuer möchte nun die Führerschein-Prüfung verändern. Der TÜV lehnt das ab.

Verkehrsminister Andreas Scheuer will die Regeln für den Erwerb des Führerscheins ändern: Wer seine Prüfung in einem Automatikauto absolviert, soll künftig für das Fahren eines Schaltwagens nur noch ein Fahrtraining machen müssen. Bisher ist eine praktische Prüfung nötig. Derzeit gebe es "Vorabstimmungen" zwischen seinem Haus und der EU-Kommission.

Scheuer begründet seinen Vorstoß damit, den Wandel zur E-Mobilität fördern zu wollen. E-Autos haben eine Automatikschaltung. Das Kalkül: Durch die Neuregelung könnten mehr E-Autos in Fahrschulen genutzt werden.

Andreas Scheuer | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX
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Verkehrsminister Scheuer will die E-Mobilität fördern. Dabei sollen unter anderem neue Regeln für Fahrprüfungen helfen.

TÜV-Verband: Bärendienst für Verkehrssicherheit

Der TÜV-Verband lehnt die Pläne aus Sicherheitsgründen ab. "Im Gegensatz zu Ländern wie den USA ist der Schaltwagen in Deutschland immer noch der Normalfall - gerade bei Fahranfängern", warnte der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Joachim Bühler. "Sind diese ohne ausreichende Fahrpraxis mit einem Auto mit Schaltung und Kupplung unterwegs, wird es gefährlich."

Mit dem Vorschlag von Scheuer würde man der Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen einen Bärendienst erweisen, sagte Bühler. "Mit zunehmender Verkehrsdichte, neuen Fahrzeugen wie E-Scootern und zusätzlicher Technik in den Fahrzeugen nehmen die Anforderungen an die Fahrer zu. Deswegen müssen Fahranfänger im Interesse aller Verkehrsteilnehmer nachweisen, dass sie ihr Fahrzeug sicher beherrschen."

Mit wenigen Übungsstunden auf einem leeren Supermarktparkplatz sei es nicht getan. Wer mit einem Wagen mit Schaltgetriebe fahren möchte, sollte auch weiterhin eine Führerscheinprüfung mit einem Schaltfahrzeug bei einer Prüfstelle ablegen müssen. In Deutschland führen die TÜV-Organisationen und die Dekra die theoretischen und praktischen Fahrerlaubnisprüfungen durch.

Führerscheine
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Wer seinen Führerschein in einem Automatikauto macht, darf derzeit keinen Schaltwagen ohne Zusatzprüfung fahren.

Zusatzprüfung "teuer und nicht attraktiv"

Andreas Grünewald vom Sächsischen Fahrlehrerverband hingegen begrüßte Scheuers Pläne. Die bisher nötige Zusatzprüfung, um ein Auto mit Schaltgetriebe fahren zu dürfen, sei teuer und für viele Fahrschüler nicht attraktiv, sagte Grünewald dem MDR.

"Zurzeit wird das nicht sehr häufig nachgefragt, weil natürlich die Fahrschüler wissen, dass sie bei einer Ausbildung auf einem Automatik-Fahrzeug noch eine erneute Schaltprüfung absolvieren müssten." Sechs bis zehn zusätzliche Fahrstunden müssten reichen, um trotz Automatikprüfung die uneingeschränkte Fahrerlaubnis zu bekommen, so Grünewald.

Immer mehr Automatik-Autos unterwegs

In Deutschland sind immer mehr Autofahrer in Wagen mit Automatikgetriebe unterwegs. Nach Herstellerdaten der Deutschen Automobil Treuhand lief im vergangenen Jahr mit 47,5 Prozent knapp jeder zweite Neuwagen mit Automatik vom Band. Vor acht Jahren waren es noch 27,4 Prozent, im Jahr 2000 rund 19,6 Prozent.

Im Bestand hat schon knapp jeder dritte Wagen (31 Prozent) kein Schaltgetriebe, wie aus einer jährlichen repräsentativen Umfrage für den DAT-Report hervorgeht. Vor zehn Jahren war es noch etwa jedes sechste Auto (17 Prozent).

Streit um Automatik-Fahrprüfung - TÜV widerspricht Scheuer
Angela Ulrich, ARD Berlin
24.08.2019 12:39 Uhr

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Mit Informationen von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. August 2019 um 12:35 Uhr.

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