Lebensmittel werden in der Ausgabestelle der Essener Tafel einsortiert. | Bildquelle: dpa

Aufnahmestopp für Migranten Essener Tafel in der Kritik

Stand: 23.02.2018 13:27 Uhr

Nach der Entscheidung, nur noch deutsche Bedürftige als Neukunden aufzunehmen, gerät die Essener Tafel unter Druck. Sie unterscheide Bedürftige erster und zweiter Klasse, so ein Vorwurf.

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine Migranten mehr neu in ihre Kartei aufzunehmen, stößt bundesweit auf Kritik und Unverständnis. Damit spiele die Tafel extremen Parteien in die Hände, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband. "Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen", sagte Landesgeschäftsführer Christian Woltering. "Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten."

Die gemeinnützige Essensausgabe sei für alle gedacht, die Unterstützung benötigen, sagte die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, und bezog sich dabei auf die Grundsätze des Dachverbands "Tafel Deutschland e.V.". "Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse", so Werth.

Kritik an Entscheidung der Essener Tafel
tagesschau 20:00 Uhr, 23.02.2018, Ingrid Bertram, WDR Köln

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"Für alle Bedürftigen da"

Ähnlich äußerten sich auch andere Landesverbände der Tafeln, etwa in Niedersachsen, Bremen und Hessen. "Wir sind für alle Bedürftigen da, egal welche Hautfarbe oder Nationalität sie haben", sagte der Thüringer Landesvorsitzende Nico Schäfer.

Kritik von Bundessozialministerin Barley

Auch Bundessozialministerin Katarina Barley kritisierte die Entscheidung: "Eine Gruppe pauschal auszuschließen, passt nicht zu den Grundwerten einer solidarischen Gesellschaft. Das fördert Vorurteile und Ausgrenzung." Es müsse klar sein, dass Bedürftigkeit das Maß sei "und nicht der Pass", erklärte Barley.

Auch Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl-Josef Laumann sprach von einem falschen Weg. Die Arbeit der Tafeln zeichne sich durch den Gedanken der Nächstenliebe und Barmherzigkeit aus. "Und Nächstenliebe und Barmherzigkeit kennen grundsätzlich keine Staatsangehörigkeiten", sagte der CDU-Politiker. Bei großem Andrang müssten Kriterien gefunden werden, wie begrenzte Mittel verteilt werden könnten. "Ob die Staatsangehörigkeit hier das richtige Mittel ist, daran habe ich persönlich Zweifel", kritisierte der Minister.

Unzureichende soziale Leistungen

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisierte den Aufnahmestopp für Migranten, wies gleichzeitig aber auf größere soziale Zusammenhänge hin. Ursache für den Andrang seien unzureichende staatliche Leistungen. "Ganz klar ist, was die Essener Tafel macht, ist nicht richtig. Aber dahinter steht ein größeres Problem", sagte der Leiter Sozialpolitik des NRW-Verbandes, Michael Spörke. "Die Tafeln sind Lückenbüßer dafür, dass staatliche Leistungen nicht reichen."

Essener Tafel verteidigt Entscheidung

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor | Bildquelle: dpa
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Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigt die Entscheidung.

Die Tafel in Essen nimmt seit Mitte Januar nur noch Bedürftige mit deutscher Staatsangehörigkeit neu in ihre Kartei auf. Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass der Anteil der Migranten zuletzt auf etwa drei Viertel angestiegen sei. In den vergangenen zwei Jahren hätten sich deshalb gerade ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter von fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt.

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigte diese Entscheidung. Sie sei im Vorstand lange diskutiert worden. "Wir wollten erreichen, dass der Weg in die Tafel für alle wieder offen ist", so Sartor. Zuletzt seien aber weniger Alleinerziehende und Rentner gekommen. Der Aufnahmestopp sei nur eine vorübergehende Maßnahme, "wahrscheinlich nicht über den Sommer hinaus".

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