Betten für Covid-Patienten auf einer Intensivstation  | dpa

"Sehr viele Krankenhauseinweisungen" Expertenrat schlägt Alarm

Stand: 23.01.2022 11:58 Uhr

Die Inzidenzen in Deutschland steigen so schnell, dass wohl schon sehr bald die medizinische Versorgung in einigen Regionen eingeschränkt sein dürfte. Zu diesem Schluss kommt der Expertenrat der Bundesregierung - und fordert die Politik zum Handeln auf.

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung warnt angesichts der rasanten Anstiegs der Corona-Inzidenzen vor den Folgen für das Gesundheitssystem: "Unter den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen steigen die Inzidenzen weiter und es ist anzunehmen, dass die medizinische Versorgung zumindest regional eingeschränkt sein wird", heißt es in einer am Abend von der Bundesregierung veröffentlichten dritten Stellungnahme des Expertenrates. "Dies kann relevante Gefährdungen, zum Beispiel bei der Versorgung von PatientInnen mit anderen Krankheiten, zur Folge haben", so das Gremium. In anderen kritischen Bereichen seien Personalausfälle bereits jetzt spürbar.

"Weiter steigende Inzidenzen zu erwarten"

Ausdrücklich warnt der Expertenrat davor, sich angesichts der niedrigen Hospitalisierungsrate in Sicherheit zu wiegen: "Die Hospitalisierungsrate wird niedriger als bei der Delta-Variante erwartet, müsste aber eine ganze Größenordnung - etwa Faktor 10 - niedriger liegen als im vergangenen Winter, um die erwartete hohe Fallzahl zu kompensieren und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten." Davon sei aber nicht auszugehen, so die Expertinnen und Experten. "Entsprechend sind bei weiter steigenden Inzidenzen sehr viele Krankenhausaufnahmen zu erwarten."

Gleichzeitig kritisierte der Expertenrat die zu dünne Datenlage bei der Pandemiebekämpfung. Er mahnte "dringende Maßnahmen für eine verbesserte Datenerhebung und Digitalisierung" an. Auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie bestehe weiterhin kein Zugang zu einigen wichtigen, aktuellen Versorgungsdaten, hieß es. Die Omikron-Welle verstärke und verdeutliche das Defizit. "Eine Echtzeitübersicht über alle verfügbaren Krankenhausbetten mit aktueller Belegung auch außerhalb der Intensivmedizin wird dringend benötigt." Die Expertinnen und Experten fordern zeitnahe, tagesaktuelle Daten etwa zu Krankenhauseinweisungen in allen Altersgruppen und zu freien und belegten Ressourcen.

Appell an die Politik

Ausdrücklich drängte das Gremium die Politik zum Handeln: Wenn weitere "kritische Marken" wie etwa eine hohe Hospitalisierungsrate erreicht würden, seien weitergehende Schutzmaßnahmen nötig. Diese Maßnahmen sollten daher "jetzt so vorbereitet werden, dass sie ohne Verzögerung umgesetzt werden können".

Zugleich zeigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch eine Perspektive für ein Zurückfahren der Corona-Restriktionen auf: Wenn die Grundimmunität in der Bevölkerung zunehme und die Zahl der Neuinfektionen und die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern zurückgehe, sollten die Kontaktbeschränkungen wieder stufenweise zurückgefahren werde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Januar 2022 um 09:00 Uhr.