Der Fraktionsvorsitzende der Union, Ralph Brinkhaus, neben Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union, auf dem Podium beim "Deutschlandtag". | dpa

"Deutschlandtag" der Jungen Union Tiefe Risse und viele Baustellen

Stand: 17.10.2021 18:01 Uhr

Der "Deutschlandtag" der Jungen Union ist vorbei. Was bleibt, sind die vielen offenen Baustellen bei der Union. Denn weder die Frage nach dem Parteivorsitz noch nach dem inhaltlichen Profil wurden geklärt.

Von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU ist in der Opposition angekommen - und Noch-Parteichef Armin Laschet in der Realität: "Wir haben ein bitteres Ergebnis erzielt. Und die Verantwortung für dieses Ergebnis, die trage ich, als Vorsitzender und als Kanzlerkandidat."

Eva Ellermann ARD-Hauptstadtstudio

Die Selbstkritik erspart ihm einiges. Zielscheibe der Abrechnung werden die beiden Generalsekretäre von CDU und CSU, Paul Ziemiak und Markus Blume. Die sonst eher braven Delegierten der Jungen Union bohren in jeder Wunde: falscher Kandidat, Fehler in der Kampagne, kein Zusammenhalt in der Union und vor allem: kein Profil.

Viele Delegierte sind sauer: "Die CDU hat keine Position beim Mindestlohn. Keine Position bei der Frage der ökologischen oder konventionellen Landwirtschaft. Keine Positionen bei ganz wichtigen Themen haben wir als Volkspartei und unsere politische Beliebigkeit manifestiert sich. Ich möchte wissen, wer ist dafür verantwortlich und wie kann das verhindert werden, dass es nie wieder passiert?"

Röttgen schweigt, Merz lässt Kandidatur offen

Zurück bleiben zwei Parteifunktionäre mit hochroten Köpfen. Nicht ganz so hart angegangen werden fünf Männer aus Nordrhein-Westfalen, die den "Deutschlandtag" der Jungen Union als Bühne nutzen. Es heißt, jeder von ihnen will an die Parteispitze. Bei den drei älteren aus der Runde noch Zaudern. Außenpolitiker Norbert Röttgen lässt sich nur blicken, redet aber nicht.

Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz nennt seine Partei einen "insolvenzgefährdeten Sanierungsfall". Ob er sie vor der Pleite retten will, lässt er offen: "Ich habe diese Frage für mich noch nicht entschieden." Merz und auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus reden von mehr Teamgeist und mehr Vertraulichkeit. Mitreißen kann keiner von beiden die Delegierten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dagegen hält eine Art Bewerbungsrede mit klarem Aufbruchsignal. "Die CDU ist nicht erledigt. Wir wischen den Mund ab, wir rappeln uns wieder auf, wir starten durch mit einem Projekt auf 2025. Ich will nicht nochmal 50 Abgeordnete weniger, ich will 100 Abgeordnete mehr wieder im deutschen Bundestag bei der Union sehen, und viele davon auch aus den Reihen der Jungen Union. Ich jedenfalls habe Lust darauf, liebe Freundinnen und Freunde."

"Deutschlandtag" hinterlässt viele Baustellen

Sympathiepunkte sammeln auch Fraktionsvize Carsten Linnemann und der designierte Nachfolger von Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst. Er appelliert: "Haltung statt Spaltung muss der Maßstab sein für die nächsten Wochen."

Die tiefen Risse sind nicht mehr zu übersehen. Der "Deutschlandtag" hinterlässt viele Baustellen: Mitgliederbefragung, Doppelspitze, der vielbeschworene Zusammenhalt, das fehlende Vertrauen, die Frauenfrage und das inhaltliche Profil der Partei.

Was sich andeutet, ist eine vorsichtige Emanzipation von Angela Merkel, oder wie es Fraktionschef Brinkhaus ausdrückt: "Nach den letzten 16, 20 Jahren sollte uns eins klar sein, bei allem Respekt vor den handelnden Personen: Wir als Union dürfen nie wieder abhängig sein von einem Gesicht."

Über dieses Thema berichtete am 17. Oktober 2021 Inforadio um 17:05 Uhr und die tagesschau um 18:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Anna-Elisabeth 17.10.2021 • 23:44 Uhr

@22:33 von SinnUndVerstand

//Wer Merz für die Lösung hält, plädiert in Wahrheit für die Abschaffung der Rest-Union.// Stimmt.