Eine Bahn fährt über eine Hochbrücke | Bildquelle: dpa

Konzept für den "Deutschlandtakt" Erst kommt der Fahrplan, dann wird gebaut

Stand: 09.10.2018 18:28 Uhr

Das Verkehrsministerium hat sein "Deutschlandtakt"-Konzept vorgestellt. Bei der Bahn soll sich damit viel ändern. Strecken sollen mit Blick auf das große Ganze gebaut werden - und weniger nach den Wünschen von Politikern.

Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Tür zu, Zug weg, und der nächste kommt erst in zwei Stunden. Diese Frustmomente soll es am besten gar nicht mehr geben beim Bahnfahren der Zukunft. Das Zauberwort heißt "Deutschlandtakt". An großen Bahnhöfen sollen Züge im Fernverkehr jede Stunde oder sogar jede halbe ankommen - verlässlich immer zur selben Zeit. Und alle wichtigen Anschlusszüge sollen dann auch dort sein, damit das Umsteigen perfekt klappt - auch zwischen Regionalzügen und Fernverkehr.

Es wird nicht leicht, das wirklich hinzukriegen, weiß auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Er habe sich die Pläne allein für die Bundesländer angesehen, sagte er. Dagegen sei der Schaltplan eines mittelständischen Unternehmens eine Hobbyaufgabe. "Es ist wirklich kompliziert", räumte er ein.

Mehr Städte angeschlossen am Fernverkehr

Dennoch soll 2030, in zwölf Jahren also, der "Deutschlandtakt" Realität sein. Züge sollen öfter fahren, Reisende beim Umsteigen weniger warten müssen und deshalb auch schneller ans Ziel kommen. Von Stuttgart nach Hamburg soll es zum Beispiel nur noch viereinhalb Stunden dauern, aktuell sind es mehr als fünf. Und die schnellen Fernzüge sollen dann auch in Städte wie Trier, Tübingen oder Bremerhaven fahren, die bisher nur am Regionalverkehr hängen.

Das ganze System der Streckenplanung soll sich ändern, verkündet der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann. Früher habe es eine gegebene Infrastruktur gegeben, und auf die habe man einen Fahrplan gelegt. "Dann haben sich irgendwelche Politiker eine Strecke gewünscht. Die ist dann gebaut worden. Ob immer sinnhaft oder nicht, das ist dann eine andere Geschichte."

Und dann habe es Strecken gegeben, die hätten unbedingt gebaut werden müssen, die seien aber nicht politisch interessant gewesen und dann auch nicht gemacht worden. Und das habe dazu geführt, dass das System Schiene in Probleme geraten sei. In Zukunft soll es genau andersherum sein. Der gewünschte Fahrplan soll vorgeben, wo gebaut wird.

Vor allem viele kleine Maßnahmen erforderlich

Damit der "Deutschlandtakt" bis 2030 wirklich klappt, muss die Bahn vor allem pünktlicher werden. Und kräftig bauen. Aber nicht nur große neue Strecken, sagt Ferlemann, auch wenn Politiker die vielleicht am liebsten mögen. "Da gibt es einen Spatenstich. Da gibt es Tunneldurchschläge, da werden Brücken eröffnet, da wird nachher ein Trassenband durchgeschnitten, da gibt es eine Jungfernfahrt." Viel effizienter seien aber die kleinen Maßnahmen, wie der Umbau von Weichen oder der Bau weiterer Bahnsteigkanten - da sei aber zu wenig Show für die Öffentlichkeit.

Doch auch ohne Show will die Bahn besser werden. "Klingt erstmal super", findet Wasilis von Rauch vom ökologischen Verkehrsclub VCD. Er mahnt aber, dass der Plan jetzt auch schnell umgesetzt werden muss. Das sei natürlich ein Zeitsprung von heute bis 2030. "Und das herunter zu deklinieren, also die kleinen Schritte, die müssen wir jetzt noch sehen. Sowas wie die Strecke Berlin-München, das sind natürlich Fortschritte. Wir hoffen natürlich, dass wir sowas viel mehr kriegen." Denn wenn man sich den Klimawandel ansehe, werde einem bewusst: "Wir haben eigentlich fünf nach zwölf."

Damit der "Deutschlandtakt" nicht nur eine schöne Idee bleibt, hat das Verkehrsministerium eine Beratungsfirma dazu geholt, die sich damit auskennen sollte. Ihren Sitz hat sie in der Schweiz. Da gibt es den nationalen Taktfahrplan schon seit 30 Jahren.

"Deutschland-Takt": Bis 2030 sollen Nah-und Fernverkehr bundesweit mehr verzahnt werden
tagesschau 20:00 Uhr, 09.10.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Oktober 2018 um 19:00 Uhr.

Darstellung: