Arzt zeigt einen Coronatest | Bildquelle: REUTERS

Corona-Pandemie 11.409 Neuinfektionen in Deutschland

Stand: 27.10.2020 06:52 Uhr

Während das Robert Koch-Institut 11.409 neue Corona-Fälle meldet, warnen Intensivmediziner vor einem "dramatischen Mangel an Pflegekräften". Freie Intensivbetten und Beatmungsgeräte seien nutzlos, wenn das Personal fehle.

Die Gesundheitsämter haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 11.409 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Am Dienstag vor einer Woche hatte die Zahl noch bei 6868 gelegen. Am Samstag war mit 14.714 Neuinfektionen ein neuer Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht worden. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, da mittlerweile wesentlich mehr getestet wird und dadurch auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 449.275 Menschen mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Montag um 42 auf insgesamt 10.098. Das RKI schätzt, dass rund 326.700 Menschen inzwischen genesen sind.

"Dramatischer Mangel an Pflegekräften"

Angesichts des starken Anstiegs der Fallzahlen warnen Intensivmediziner vor Engpässen bei der Versorgung von Covid-19-Patienten, weil Pflegepersonal fehle. "Wir haben einen dramatischen Mangel an Pflegekräften", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es gebe inzwischen "ausreichend Kapazitäten an freien Intensivbetten und Beatmungsgeräten". Das allein helfe aber nicht weiter, "wenn wir kein Personal haben, um die Patienten zu versorgen". Grob geschätzt fehlten bundesweit 3500 bis 4000 Fachkräfte für die Intensivpflege, so Janssens.

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, rechnet damit, dass der Personalmangel in den Krankenhäusern bald massiv zutage tritt. "Sechs bis neun Prozent der Infizierten von heute werden in zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen", prognostizierte Johna. "Pro schwer krankem Covid-Patienten auf der Intensivstation wird eigentlich eine Pflegekraft benötigt", sagte sie den Funke-Zeitungen.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, bezeichnete den Engpass beim Pflegepersonal ebenfalls als "die zentrale Herausforderung, wenn die Patientenzahlen steigen". Die Kliniken müssten dann Personal umbesetzen und sich wie im Frühjahr auf die Versorgung von dringenden Fällen konzentrieren, sagte Gaß den Funke-Blättern. "Wir werden uns auf Wartezeiten bei der Regelversorgung ebenso einstellen müssen, wie auf die Verlegung von Patienten aus hoch belasteten Standorten in entferntere Krankenhäuser", sagte Gaß.

Auch WHO warnt vor überforderten Kliniken

Vor einer Überlastung der Intensivstationen vor allem In Europa und Nordamerika warnte unterdessen auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "Viele Länder auf der Nordhalbkugel sehen derzeit einen besorgniserregenden Anstieg von Fällen und Einweisungen ins Krankenhaus", sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus. An einigen Orten füllten sich die Intensivstationen schnell.

Seit Beginn der Pandemie sind weltweit mehr als 40 Millionen Infektionen nachgewiesen worden. Mehr als eine Million Menschen sind in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Tedros äußerte Verständnis dafür, dass viele Menschen eine gewisse "Pandemie-Müdigkeit" fühlten. Die psychische und physische Belastung durch das Arbeiten von zu Hause aus sowie die Distanz zu Freunden und Familie sei hoch. Dennoch dürften die Menschen jetzt nicht aufgeben. Vor allem aber müssten die Gesundheitssysteme geschützt werden und die Menschen, die für sie arbeiteten.

Corona - Ärzte warnen vor Mangel an Pflegepersonal in Krankenhäusern
Claudia Plaß, ARD Berlin
27.10.2020 10:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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