Eine Ärztin gibt ein Abstrichstäbchen in einen Plastikbeutel. | dpa

Coronavirus in Deutschland So viele Neuinfektionen wie seit April nicht

Stand: 26.09.2020 11:37 Uhr

Es ist der höchste Wert seit fünf Monaten: 2507 neue Corona-Fälle innerhalb eines Tages hat das Robert Koch-Institut registriert. Um die Pandemie einzudämmen, fordern die Landkreise nun eine bundesweite Obergrenze für Privatfeiern.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat in Deutschland den höchsten Wert seit April erreicht. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2507 neue Corona-Infektionen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekanntgab. Am Freitag hatte die Zahl der neu gemeldeten Fälle bei 2153 gelegen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 282.730 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9452. Das sind neun mehr als am Vortag. Rund 249.700 Menschen haben die Infektion nach Schätzungen des RKI überstanden.

Auch die Rate positiver Tests steigt

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken und im Juli wieder gestiegen.

Zwar ist der Anstieg der Neuinfektionen teilweise damit zu erklären, dass in den vergangenen Monaten mehr Tests durchgeführt wurden als zuvor. Ein Hinweis darauf, dass die Infektionslage unabhängig von der Zahl der Tests wieder anzieht, ist jedoch, dass ein größerer Anteil der Corona-Tests positiv ausfiel. Die sogenannte Positivenquote lag laut RKI-Lagebericht in der Woche vom 14. bis 20. September bei 1,19 Prozent (Vorwoche: 0,86). Das ist der höchste Wert seit mehr als zehn Wochen.

Landkreise wollen Privatfeiern begrenzen

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, fordert der Deutsche Landkreistag nun eine bundesweite Obergrenze von weniger als 50 Menschen bei Privatfeiern. "Ab 50 Teilnehmern wird es logistisch extrem schwierig, die Kontakte nachzuverfolgen, wenn ein Covid-Positiver unter der Gesellschaft war", sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Bislang gibt es keine einheitliche Teilnehmerbegrenzung für Privatfeiern, auf dem Treffen zwischen Bund und Ländern kommende Woche müsse diese aber kommen, so Sager. "Wir sehen in Hamm, wozu eine rauschende Hochzeit mit 150 Gästen führen kann", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf eine große Hochzeitsfeier in der nordrhein-westfälischen Stadt, die als Ausgangspunkt vieler Infektionen gilt.

Litauen verschärft Regeln für Reisende aus Deutschland

Unterdessen wird das Infektionsgeschehen in Deutschland auch von ausländischen Behörden wieder kritischer beobachtet. So hat das Gesundheitsministerium in Litauen entschieden, dass für Reisende aus Deutschland ab Montag eine Quarantänepflicht besteht. Bei Ankunft in dem baltischen Staat müssen sich Neuankömmlinge und Rückkehrer zwei Wochen lang isolieren. Die Quarantänepflicht wird nach Angaben der litauischen Regierung auch für Reisende aus Estland, Polen, Island und San Marino eingeführt. Grund dafür sei die hohe Zahl an Neuinfektionen in den betroffenen Ländern.

Für die Quarantänepflicht gilt in Litauen ein Grenzwert von 25 Corona-Neuinfektionen in dem jeweiligen Abreiseland pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. In den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland liegt der Grenzwert bei 16 Fällen - auch dort müssen sich Reisende aus Deutschland in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Intensivmediziner befürchten mehr Corona-Tote

Wegen der aktuell steigenden Fallzahlen in Deutschland rechnen Intensivmediziner damit, dass auch die Zahl der Corona-Toten stärker wachsen wird. "Die Totenzahlen werden in den kommenden Wochen weiter steigen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die aktuell steigende Zahl der Covid 19-Toten spiegele zeitversetzt das Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen wider.

Von der Erstinfektion bis zu einer schweren Erkrankung dauere es in der Regel zehn bis 14 Tage, die durchschnittliche Zeit auf der Intensivstation betrage 21 bis 24 Tage. Daraus folge, dass sich viele Menschen, die jetzt sterben, vor mehr als fünf Wochen angesteckt hätten, so Janssens. In den vergangenen Tagen hatte die Zahl der vom RKI gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion mehrmals in Folge im zweistelligen Bereich gelegen.

Janssens geht jedoch nicht von einer derart dramatischen Entwicklung wie im Frühjahr aus: "Die Intensivmediziner wissen heute viel mehr über erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten und können medikamentös gezielter eingreifen." Zudem hätten die Verantwortlichen gelernt, besonders gefährdete Gruppen wie Alte und Kranke besser zu schützen. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2020 um 12:00 Uhr.