Gesundheitsminister Spahn, Christian Drosten von der Charite und Lothar Wieler vom RKI bei der Pressekonferenz |

Schutz vor Corona-Epidemie "Jeder muss seinen Beitrag leisten"

Stand: 09.03.2020 14:38 Uhr

Oberstes Ziel der Bundesregierung angesichts der steigenden Corona-Fälle bleibt eine Verlangsamung des Ausbruchs. Jeder Einzelne müsse prüfen, worauf er verzichten könne, sagte Gesundheitsminister Spahn.

Angesichts von mittlerweile mehr als 1100 Infizierten in Deutschland haben Gesundheitsminister Jens Spahn und Mediziner dringend dazu geraten, die Verhaltensregeln zum Schutz vor dem Coronavirus einzuhalten und den Alltag gegebenenfalls umzugestalten.

Es liege in der Verantwortung jedes Einzelnen, dafür zu sorgen, dass sich die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Das sei das oberste Ziel, um das Gesundheitssystem nicht über Gebühr zu belasten. "Dazu brauchen wir die gesamte Gesellschaft. Wir brauchen jeden einzelnen Bürger und jede einzelne Bürgerin."

Hände waschen - Abstand halten

Es gälten dieselben Verhaltensregeln wie bei einer Grippe oder Erkältung, betonte Spahn. Doch abgesehen von den bekannten Hygienemaßnahmen müsse sich jeder Einzelne fragen, worauf er zum eigenen Schutz und auch zum Schutz von Mitbürgern "für ein paar Wochen oder Monate" verzichten könne. Der Minister nannte in diesem Zusammenhang Konzert- oder Clubbesuche, Fußballspiele und auch Reisen. Arbeitnehmer sollten zudem Möglichkeiten des Homeoffice nutzen. Älteren Menschen riet Spahn, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen, um schwere Verläufe nach einer Ansteckung zu vermeiden.

Erneut appellierte Spahn an Veranstalter von großen Events mit mehr als 1000 Menschen, diese abzusagen. Er sprach sich aber dagegen aus, Kitas oder Schulen präventiv zu schließen. Die Debatte darüber hatte in den vergangenen Tagen an Fahrt aufgenommen. Experten wie der der Sprecher des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger, halten davon nichts. Allein die Probleme, die sich aus der damit nötigen Kinderbetreuung ergäben, stünden nicht im Verhältnis zum Nutzen, sagte der auf Infektiologie spezialisierte Facharzt.

"Es wird Todesfälle geben"

Derzeit könne niemand wissen, wie viele Menschen sich hierzulande infizieren und wie schwer die Menschen erkranken, sagte Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut. Sicher sei aber, dass die Fallzahlen zunehmen und es Todesfälle geben werde. "Wir müssen uns auf eine große Zahl von Covid-19-Patienten einstellen", sagte Wieler.

Bundesregierung wirbt um Vertrauen

Zuvor hatte bereits die Bundesregierung um Vertrauen in ihr Krisenmanagement geworben. "Die Bürger können darauf vertrauen, dass die gesamte Bundesregierung mit der Bundeskanzlerin an der Spitze alles tut, um die Ausbreitung dieses Virus einzudämmen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Es solle möglichst kein Unternehmen in die Insolvenz gehen und kein Arbeitsplatz verloren gehen, sagte er mit Verweis auf die Beschlüsse Koalitionsausschusses. Dieser hatte am Sonntagabend unter anderem Erleichterungen bei der Auszahlung von Kurzarbeitergeld beschlossen.

Erstes deutsches Corona-Opfer in Ägypten

Weltweit haben sich inzwischen weit mehr als 100 000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge noch wesentlich höher. Am Wochenende war erstmals ein Deutscher nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben - ein 59-jähriger Mann aus Schleswig-Holstein, der sich in der vergangenen Woche in Ägypten aufgehalten hatte.

Es gibt weder eine schützende Impfung noch eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung Covid-19. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen, die binnen weniger Tage verschwindet, oder gar keine Symptome. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, betroffen sind vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. März 2020 um 15:00 Uhr.