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Spahn zur Corona-Pandemie "Ein Risiko, mit dem wir umgehen lernen"

Stand: 21.09.2020 19:20 Uhr

Für den Herbst sieht Gesundheitsminister Spahn Deutschland gut gerüstet im Kampf gegen Corona. Tag für Tag lerne man im Umgang mit dem Virus dazu. Im ARD extra warnt er jedoch vor weiteren Lockerungen.

Stark steigende Neuinfektionszahlen in den europäischen Nachbarländern, und auch hierzulande kommen erneut deutlich mehr Fälle hinzu: Immer wieder war davor gewarnt worden, dass sich das Coronavirus nach dem Sommer wieder rasanter ausbreiten könnte. Doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht Deutschland in einer anderen Situation als noch im Frühjahr. "Wir sind deutlich besser gerüstet", sagte der CDU-Politiker im ARD extra zur Corona-Lage. Es gebe mehr Testkapazitäten und Schutzausrüstung für das medizinische Personal.

"Wir wissen auch mehr als vor sechs Monaten", so Spahn. "Wir wissen, wie wir die Intensivkapazitäten genauer steuern können, dass Operationen nicht abgesagt werden müssen." Es gebe Medikamente und Behandlungsmethoden. So wüsste die Medizin inzwischen besser, wann Covid-19-Patienten beatmet werden sollten, und wann nicht.

AHA-Regeln ja, Lockerungen nein

Auch das Alltagsleben mit dem Virus habe sich verändert. Im Februar und März habe eine totale Unsicherheit bestanden. "Zug um Zug, Tag für Tag" werde daraus ein Risiko, "wie andere Risiken im Leben auch, mit dem wir umgehen lernen." Jetzt wisse man, wie man sich im Umgang miteinander schützen könne, im Einzelhandel, bei Friseuren.

"Die AHA-Regeln, sie sind banal, aber sehr wirksam - Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Wenn wir das so weitermachen, dann bin ich sehr sicher, werden wir in sechs Monaten noch besser Alltag und Infektionsschutz zusammenbringen können." Deutschland sei bisher gut durch die Krise gekommen, und auch für die nächste Zeit sei er zuversichtlich, so der Minister.

Von weiteren Lockerungen der Corona-Regeln etwa für Clubs und Bars, wie sie in einigen Bundesländern diskutiert würden, hält Spahn wenig. Gerade beim Feiern würde sich das Virus besonders schnell übertragen. Da müsse man im Herbst und Winter besonders vorsichtig sein.

Spahn erinnerte noch einmal daran, dass die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin Ende August vereinbart hätten, dass es keine weiteren größeren Öffnungsschritte geben solle, "als die Zahlen auch noch niedriger waren als heute". Auch auf Urlaube außerhalb Deutschlands sollten die Menschen in der nächsten Zeit verzichten. Die Erfahrung hätte gezeigt, "dass mit dem Reisen, mit der Mobilität zusätzliche Infektionsrisiken entstehen".

"Mich zieht es aktuell nicht ins Stadion"

Hingegen unterstütze er, dass wieder Zuschauer in Fußballstadien dürften. Zwar ziehe es ihn selbst aktuell nicht ins Stadion. Aber es sei wichtig, dass die Vereine ihre Schutzkonzepte nun übten. "Sie müssen jetzt in der Praxis funktionieren, vor allem auch bei der An- und Abreise. Das ist der sensible Punkt ja auch bei anderen Großveranstaltungen."

Zuvor hatte der Gesundheitsminister Maßnahmen vorgestellt, wie Deutschland gut durch den Herbst komme. Er schlug Zentrale Fieberambulanzen, spezielle Maßnahmen für die Risikogruppe, Antigen-Schnelltests und neue Quarantäne-Regeln vor.

Beratungen mit der Kanzlerin kommende Woche

Kanzlerin Angela Merkel will Mitte kommender Woche erneut mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer über Maßnahmen gegen die weiter steigenden Corona-Neuinfektionszahlen beraten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Hintergrund sei der besorgniserregende Umstand, dass mehrere große Städte den wichtigen Grenzwert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche überschritten hätten. Zudem komme es an mehreren Stellen in Deutschland zu einer diffusen Ausbreitung von Corona, ohne dass ein klarer Ausbruchsort erkennbar sei. Am Sonntag hatten etwa die Corona-Zahlen in München den Wert von 55,6 Neuinfektionen erreicht. Heute meldete die nordrhein-westfälische Stadt Hamm einen Wert von 70,9.

Mehr zur Corona-Lage und das gesamte Interview mit Jens Spahn sehen Sie in einem ARD extra um 20:15 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. September 2020 um 20:00 Uhr.