Passanten gehen auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil | Bildquelle: dpa

Steigende Corona-Infektionszahlen Die Großstädte bereiten Sorgen

Stand: 08.10.2020 18:26 Uhr

Die Corona-Infektionszahlen steigen sprunghaft - und die Politik appelliert an die Bürger, das bislang Erreichte nicht zu verspielen. Vor allem in Großstädten verbreitet sich das Virus. Immer mehr Orte überschreiten den Warnwert.

Stark steigende Corona-Infektionszahlen in Deutschland alarmieren die Bundesregierung. Dabei rückt zunehmend die Entwicklung in den Großstädten in den Fokus. Gesundheitsminister Jens Spahn ruft zu Wachsamkeit und raschem Gegensteuern vor Ort auf, um die Lage im Griff zu behalten.

Der jüngste Anstieg auf mehr als 4000 Neuinfektionen binnen eines Tages sei besorgniserregend, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Der Präsident des bundeseigenen Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnte:

"Es ist möglich, dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet."

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sieht bereits den Beginn einer so genannten zweiten Welle. Das RKI zählte am 4058 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Das sind gut 1200 mehr als am Mittwoch, als mit 2828 Neuinfektionen ein neuer Höchstwert seit April gemeldet worden war. Höher war der Stand zuletzt in der ersten Aprilwoche.

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister CDU, zur Strategie der Corona-Eindämmung im Herbst und Winter
Corona-extra, 08.10.2020

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Immer mehr Großstädte über dem Warnwert

Als ein Schlüssel gilt die Entwicklung in den Großstädten: In Berlin und in weiteren Städten hat die sogenannte 7-Tage-Inzidenz den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohnern bereits überschritten. In der gesamten Hauptstadt sprang der Wert am Donnerstag auf 52,8. Zuvor waren nur einige Bezirke betroffen.

Neben Berlin reißt auch Bremen derzeit den Grenzwert, ebenso Frankfurt: Die hessische Metropole zählt 59,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Nach Angaben der Stadt tritt damit die Eskalationsstufe Rot des Landes Hessen in Kraft.

Sperrstunde in Frankfurt

Ziel ist nun, die Kontaktdichte zu lockern. Umgesetzt werden soll das unter anderem mit einer Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Freitag mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern der elf größten deutschen Städte in einer Videokonferenz die Lage beraten. Sie werde sich über die Corona-Situation und die vor Ort eingeleiteten Maßnahmen informieren, sagte ein Regierungssprecher in Berlin.

"Klassischer Beginn einer zweiten Welle"

Kanzleramtschef Braun sagte RTL/ntv, man sehe in einigen Großstädten nicht nur, dass der wichtige 50er-Grenzwert überschritten werde, sondern auch, dass die Zahlen sehr schnell anstiegen.

"Das heißt, dass die Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern möglicherweise an einigen Stellen nicht mehr funktioniert, und das ist der klassische Beginn einer zweiten Welle", so Braun. Über diese Regionen müsse man die Kontrolle zurückgewinnen.

"Pandemie wird in Metropolen entschieden"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte am Donnerstag im ZDF, einige Städte wie Berlin seien kurz davor, die Kontrolle zu verlieren. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hatte zuvor gesagt: "Die Pandemie wird in den Metropolen entschieden."

Spahn betonte, es komme jetzt auf die Balance aus Zuversicht und Achtsamkeit an. Das betreffe alle Bürger - beim Einhalten von Schutzregeln wie Abstand und Masken sowie Vorsicht bei Feiern. Der Minister appellierte an die Bürger:

"Es liegt an uns allen, ob wir es schaffen. Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chancen des Virus gewaltig."

Diese Pandemie sei auch "ein Charaktertest für uns als Gesellschaft". In der kalten Jahreszeit komme es auch aufs Lüften und ein breites Nutzen der Corona-Warn-App an.

Die Herbststrategie zur Eindämmung der Corona-Infektionen
tagesthemen 22:35 Uhr, 08.10.2020, C. Feld/I. Bertram, ARD Berlin

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RKI-Chef zeigt sich alarmiert

Nach Angaben von Spahn stecken sich vor allem jüngere Menschen an - aber nicht nur. Gerade sie hielten sich oft für unverletzlich. "Das sind sie aber nicht." Covid-19 sei weiter eine ernsthafte Erkrankung.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen wagte RKI-Präsident Wieler keine Prognose, wie es nun weitergeht: "Die aktuelle Situation beunruhigt mich sehr." Man könne nicht wissen, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickele. "Aber es ist möglich, dass wir mehr als 10.000 neue Fälle pro Tag sehen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2020 um 17:00 Uhr.

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