Chinesen mit Mundschutz in Peking | Bildquelle: REUTERS

Schärfere Sicherheitsmaßnahmen Schon 170 Tote durch Coronavirus

Stand: 30.01.2020 13:16 Uhr

Das Coronavirus breitet sich weiter in rasantem Tempo aus - und wird dabei immer gefährlicher. China meldet inzwischen 170 Tote und mehr als 7000 Infizierte. Virus-Verdacht herrscht auch auf einem Kreuzfahrtschiff in Italien. Die WHO berät erneut über den Gesundheitsnotstand.

Trotz der Sicherheitsmaßnahmen der chinesischen Behörden breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus. In der Volksrepublik stieg die Zahl der Toten um 38 auf mindestens 170 an. Es ist der bislang größte Anstieg seit Bekanntwerden des Ausbruchs. Die Zahl der bestätigten Infektionen wuchs um rund 1700 auf 7711 Patienten.

WHO berät über Verfahren zum Coronavirus
tagesschau 09:00 Uhr, 30.01.2020

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Neben den bestätigten Fällen stehen nach Angaben der Behörden weitere etwa 81.000 Menschen wegen Verdachts auf den Erreger unter Beobachtung. Die allermeisten Krankheitsfälle konzentrieren sich weiterhin in der zentralchinesischen Provinz Hubei. In der dortigen Millionenmetropole Wuhan hatte die Epidemie begonnen. Die Provinz ist weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt, fast alle Verkehrsverbindungen wurden gekappt. 

Sportereignisse verschoben

Das Land weitet die Sicherheitsmaßnahmen immer weiter aus. Inzwischen sind auch große Sportereignisse betroffen. So wurde die für März geplante Leichtathletik-Weltmeisterschaft in China um ein Jahr verschoben, wie der Leichtathletik-Weltverband mitteilte. Der bislang für den 22. Februar geplante Start der neuen chinesischen Fußballsaison wurde für unbestimmte Zeit verschoben, wie der chinesische Fußballverband bekannt gab. 

Auch in Deutschland wächst die Sorge vor weiteren Erkrankungen. Die bayerischen Behörden wollen deshalb deutlich mehr Menschen zu Hause isolieren, weil sie womöglich das Coronavirus in sich tragen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Demnach ist nun die Rede von insgesamt 80 Personen, zuvor gingen die Behörden noch von halb so vielen aus. Kontakt zu anderen Menschen sollen sie meiden.

Deutsche sollen Samstag ausgeflogen werden

Bislang gibt es in Deutschland vier Infizierte, die alle beim im oberbayerischen Landkreis Starnberg angesiedelten Automobilzulieferer Webasto arbeiten. Sie befinden sich laut bayerischem Gesundheitsministerium in "gutem Zustand".

Die Bundesregierung will am Samstag etwa 90 Deutsche aus dem chinesischen Virus-Gebiet ausfliegen. Die deutschen Konsularbeamten vor Ort hätten die Betroffenen informiert, dass sie dann zum Flughafen kommen sollen, um nach Frankfurt geflogen zu werden, berichtete ein deutscher Ingenieur telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Die Bundeswehr will bei der Evakuierung auch Bürger aus anderen europäischen Ländern mitnehmen.

Die deutschen Rückkehrer sollen während der Inkubationszeit von zwei Wochen zentral untergebracht werden. Laut Gesundheitsministerium wird bereits nach Örtlichkeiten gesucht. "Die Behörden in Frankfurt übernehmen die Organisation", sagte ein Sprecher, "der Bund wird unterstützen, wenn es nötig ist".

Vergleich von Coronavirus und Grippe
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Vergleich von Coronavirus und Grippe

Außerhalb Chinas gibt es inzwischen etwa 50 Infektionsfälle in mindestens 18 Ländern. Die Philippinen, Indien und Finnland meldeten ebenfalls erstmals Erkrankungen. In Frankreich stieg die Zahl der bestätigten Ansteckungsfälle von vier auf fünf, in Japan wuchs die Zahl von acht auf elf. Die drei neuen Patienten gehören laut Gesundheitsministerium zu rund 200 Japanern, die am Mittwoch aus Wuhan ausgeflogen worden waren. 

Infizierte ohne Krankheitssymptome

Zwei dieser Infizierten hatten dabei selbst keine Krankheitssymptome. Das bedeute, dass sie bereits andere Personen mit dem Virus angesteckt haben könnten, sagte der Chef der japanischen Gesundheitsfürsorge, Shigeru Omi. Die Behörden sollten deshalb ihre Überwachungsmaßnahmen verstärken.

Verbreitung neues Coronavirus
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Bestätigte Fälle gibt es bislang (Stand 30.1.) in China, Frankreich, Deutschland, Finnland, Nepal, Vietnam, Thailand, Taiwan, Singapur, Malaysia, Kambodscha, Südkorea, Japan, Philippinen, Sri Lanka, Indien, Vereinigte Arabische Emirate, Australien, USA und Kanada.

Auch die USA hatten Staatsbürger aus Wuhan ausgeflogen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC wurden bei den 195 Menschen, die zunächst zu einer kalifornischen Militärbasis gebracht wurden, aber keine Symptome des Virus festgestellt. Im Kampf gegen das Virus gründete die Regierung inzwischen eine Taskforce. Geleitet wird die Expertengruppe von Gesundheitsminister Alex Azar, die Koordination übernimmt der Nationale Sicherheitsrat, wie das Weiße Haus mitteilte.

Virus-Verdacht auf Kreuzfahrtschiff

In Italien sitzen wegen des Virus Tausende Kreuzfahrtpassagiere fest. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa sind insgesamt rund 7000 Menschen an Bord der "Costa Smeralda", die derzeit im Hafen der italienischen Stadt Civitavecchia liegt. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao habe Symptome wie Fieber und Atemprobleme gehabt, wie ein Sprecher der Reederei bestätigte. Sie und ihr Mann waren laut Medien am 25. Januar am Flughafen in Mailand angekommen. Die Frau sei auf dem Schiff medizinisch versorgt und isoliert worden. Die Ergebnisse eines Virustests werden für den Nachmittag erwartet. Ihr Mann habe kein Fieber. Die Behörden ordneten an, dass die Passagiere zunächst nicht an Land gehen dürften.

Russland riegelt seine Grenze zu China teilweise ab. Sie verläuft vor allem im Osten des Landes. Betroffen seien 16 Grenzübergänge für den Auto- und Zugverkehr, heißt es in einem von der Regierung veröffentlichten Dokument. Russland hatte zuletzt an der rund 4200 Kilometer langen Grenze zu China Einreisende mit Temperaturmessungen kontrolliert und zusätzlich befragt.

Krisentreffen der WHO

Angesichts der rasanten Ausbreitung des neuen Coronavirus hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für heute erneut den Notfallausschuss einberufen. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte im Vorfeld des Krisentreffens "tiefes Bedauern" darüber, dass die WHO bei einer Sitzung vergangene Woche die weltweite Gefährdung durch das Virus nicht als "hoch" eingestuft hatte.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. | Bildquelle: AFP
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WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Unternehmen schließen Filialen

Nachdem mehrere Airlines ihre Flüge nach China ausgesetzt hatten, stellten nun mehrere große ausländischen Unternehmen einen Teil ihrer Aktivitäten in China vorübergehend ein.So kündigte der japanische Autobauer Toyota an, seine Fabriken in der Volksrepublik bis mindestens Ende kommender Woche geschlossen zu lassen. Der schwedische Möbelhändler Ikea machte die Hälfte seiner Läden auf dem chinesischen Festland dicht. Die US-Restaurantkette McDonald's schloss ihre Filialen in Hubei. 

Chinas Wirtschaftswachstum dürfte wegen des neuen Coronavirus nach Ansicht der US-Notenbank etwas geringer ausfallen. Es sei noch zu früh, die Auswirkungen genau zu prognostizieren, aber eine "gewisse Störung" des Wirtschaftslebens in der kurzen Frist sei sehr wahrscheinlich, sagte Notenbankchef Jerome Powell.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fürchtet negative Folgen auch für deutsche Unternehmen, sollte sich das Virus in der Volksrepublik weiter ausbreiten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Die Nachfrage von Konsumenten dürfte sinken, vor allem für Konsumgüter und für Reisen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2020 um 20:00 Uhr.

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