Auf einem Smartphone ist die Corona-Warn-App geöffnet | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Corona Was die Warn-App kann - und was nicht

Stand: 20.10.2020 14:34 Uhr

Mit großen Hoffnungen war die Corona-Warn-App im Juni gestartet. Inzwischen ist Ernüchterung eingetreten, denn die weitere Ausbreitung der Pandemie kann die App nicht verhindern. Experten schlagen Änderungen vor.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Wer heute Morgen seine Corona-App öffnete, bekam gleich den Hinweis auf neue Funktionen: Die deutsche Warn-App vernetzt sich jetzt mit denen anderer Länder. Bis zum Jahresende sollen 16 EU-Staaten dabei sein. Sie kann also künftig auch dann warnen, wenn man in der österreichischen Bergbahn länger dicht neben einem Italiener stand, der später positiv auf Corona getestet wurde.

Außerdem - nur mit entsprechendem Testergebnis sichtbar - gibt es für positiv Getestete jetzt die Möglichkeit einzutragen, wann sie welche Symptome hatten. Das soll präzisere Warnungen ermöglichen, denn die Ansteckungsgefahr ändert sich im Krankheitsverlauf.

"Ein Werkzeug unter vielen"

Seit gut vier Monaten gibt es die deutsche App mittlerweile. Mehr als 19 Millionen Mal wurde sie heruntergeladen, geschätzt 16 Millionen Menschen in Deutschland nutzen sie. Das sei eine gute Sache, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn zur 100-Tage-Bilanz Ende September. "Es ist ein wichtiges Werkzeug - aber eben ein Werkzeug unter vielen in dieser Pandemie." Spahn dämpft die Erwartungen, denn er kennt die Kritik, dass die App nicht genug bringe.

Um das einzuschätzen, hier ein paar Fakten zur Funktion: Die Corona-Warn-App registriert via Bluetooth-Technologie, wie lange sich Mobiltelefone wie nahe kommen. Wird jemand positiv getestet und trägt dieses Testergebnis in der App ein, werden Kontaktpersonen benachrichtigt und deren Infektionsrisiko berechnet, abhängig von Abstand und Dauer der Begegnung.

Bei einem erhöhten Risiko leuchtet die Anzeige auf dem Handy rot. In diesem Fall empfiehlt die App, sich nach Hause zu begeben und das weitere Vorgehen mit dem Gesundheitsamt oder einem Arzt abzustimmen - etwa, ob ein Test nötig ist.

Datenschutz spielt wichtige Rolle

Neben Begegnungen mit erhöhtem Risiko weist die App auch auf Begegnungen mit niedrigem Risiko hin, sehr kurze Treffen zum Beispiel. Das Display leuchtet dann weiterhin Grün - in diesem Fall muss der Betroffene nichts weiter unternehmen. Viele Nutzer finden diese Warnungen daher eher verwirrend.

Egal ob hohes oder niedriges Risiko: Wann eine Begegnung stattgefunden hat, gibt die App nie an. Eine bewusste Entscheidung - denn mit Datum und Uhrzeit wüsste man in vielen Fällen ziemlich genau, wer da infiziert neben einem herumstand. Das wäre problematisch für den Datenschutz. Es könnte dazu führen, dass die Leute die App nicht mehr runterladen - und dazu, dass positiv Getestete ihr Testergebnis nicht mehr eintragen, weil sie eben nicht wollen, dass ihr Nachbar oder ihre Geschäftspartnerin erfährt, dass sie sich angesteckt haben.

Nur 60 Prozent der positiven App-Nutzer geben Infektion an

Ohnehin geben schon heute nur 60 Prozent der Nutzer, die über die App ein positives Testergebnis erhalten, dieses auch weiter. Sie müssen der Weitergabe aktiv zustimmen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, das umzudrehen - wer nicht aktiv widerspricht, dessen Kontaktpersonen werden benachrichtigt.

Andere Vorschläge zielen darauf, die App präziser und damit attraktiver zu machen. Linus Neumann vom Chaos Computer Club zum Beispiel fände es sinnvoll, dass das Programm auch vor Risiko-Begegnungen bei Zusammenkünften warnen würde. Denn wenn mehrere Menschen drinnen länger zusammenkommen, steigt das Infektionsrisiko auch dann, wenn sie Abstand halten.

Aktuell warnen laut Bundesregierung täglich etwa 500 infizierte Nutzer andere über die App - angesichts der Neuinfektionszahlen von heute zum Beispiel über 6000 ist das nicht sehr viel. Ein großer Vorzug aber bleibt: Wenn die App warnt, warnt sie schnell - viel schneller als die Gesundheitsämter das schaffen.

Was kann die Corona-App - und was nicht?
Alex Krämer, ARD Berlin
20.10.2020 14:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Oktober 2020 um 14:06 Uhr.

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