Ein Mann mit Mund- und Nasenschutz geht in Stuttgart vor einem Hinweisschild vorbei.  | dpa

Corona-Pandemie in Deutschland Reicht der "Lockdown light"?

Stand: 05.12.2020 12:53 Uhr

Mehr als 23.000 Neuinfizierte, Hunderte Tote: Trotz "Lockdown light" entspannt sich die Corona-Lage kaum. Die Forderungen nach Verschärfungen werden lauter. Vorangehen könnte erneut Bayern.

"Lockdown light", Ausgangsbeschränkungen in Hotspots und eindringliche Appelle - dennoch liegen die Corona-Zahlen in Deutschland weiter auf hohem Niveau: 23.318 Neuinfektionen meldete das RKI für die vergangenen 24 Stunden - etwa 1600 Fälle mehr als vor einer Woche. Auch die Zahl der Todesfälle steigt weiter: Mit 483 neuen Opfern im Zusammenhang mit dem Coronavirus wurde der zweithöchste Stand seit dem Ausbruch der Pandemie erreicht.

Auf Twitter mahnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Vorsicht. Angesichts der weiter zu hohen Zahlen warb er für entschlossenes staatliches Handeln und bürgerliche Verantwortung: "Regeln nicht ausreizen, sondern aufeinander achtgeben", schrieb Spahn.

Söder berät über "weitere Maßnahmen"

Über den Umgang mit der Pandemie berät der bayerische Ministerpräsident Markus Söder morgen mit seinem Kabinett in einer Sondersitzung. Dabei soll es laut Staatskanzlei um "weitere Maßnahmen" gehen.

Söder hatte bereits in den vergangenen Tagen immer wieder anklingen lassen, dass er aufgrund der weiter steigenden Zahl an Neuinfektionen einen härteren Kurs für notwendig erachtet. Wie die Zahl der Kontakte konkret reduziert werden soll, ließ er dabei aber offen. Denkbar sind etwa strengere Schritte im Bereich der Schulen und des Handels sowie bei den Ausgangsbeschränkungen.

CSU-Chef, Markus Söder, setzt einen Mund-Nasen-Schutz auf | via REUTERS

Sieht die geplanten Lockerungen zu Weihnachten skeptisch: Bayerns Ministerpräsident Söder. Bild: via REUTERS

Die sieht der Deutsche Städte- und Gemeindebund kritisch: Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg warnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor weiteren "Einschränkung für die Menschen". Diese seien nur geeignet und erforderlich, wenn das Infektionsgeschehen nicht konkreten Quellen zugeordnet werden könne.

Scholz: Maßnahmen sind nicht zu milde

Ruhe bewahren, neue Maßnahmen sorgfältig abwägen. Dafür sprach sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz im Deutschlandfunk aus. Er wisse, dass es für viele schwer sei, nicht die Nerven zu verlieren, so der SPD-Politiker. Einmal getroffene Beschlüsse müssten hinterher gemeinsam vertreten werden. Scholz fügte hinzu, die bisherigen Einschränkungen seien nicht zu milde. Sie seien wirksam - wenn auch bisher nicht in ausreichendem Maße.

Seine Parteifreundin Bärbel Bas aus der SPD-Bundestagsfraktion bewertet die Lage dagegen anders. Sie sorgt sich vor allem um Weihnachten: "Sollten die Zahlen bis zum 20. Dezember auf diesem hohen Niveau bleiben, sollten die Maßnahmen über die Feiertage nicht gelockert werden. Es sollte dann bei den jetzt gültigen Beschränkungen bis in den Januar bleiben", sagte die für Gesundheit zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Nachrichtenagentur dpa.

Krankenhausgesellschaft für Verschärfungen

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hält die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen für unzureichend. "Verschärfungen sind notwendig, weil die Appelle an die Bevölkerung, ihre privaten Kontakte so gering wie möglich zu halten, offenbar nicht genügend fruchten", sagte Gaß der "Saarbrücker Zeitung". "Unsere Sorge ist groß, dass die angekündigten Lockerungen an Weihnachten und zum Jahreswechsel zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen." Derzeit seien die Kliniken gut gerüstet. Sollten die Zahlen allerdings weiter nach oben gehen "kann sich das Blatt auch wenden", sagte Gaß.

Schon länger für einen Kurswechsel wirbt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Seiner Meinung nach braucht es in besonders betroffenen Regionen einen Lockdown wie im März.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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Moderation 05.12.2020 • 13:00 Uhr

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