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Homeoffice wegen Corona "Was machbar ist, muss gemacht werden"

Stand: 24.01.2021 18:04 Uhr

Homeoffice, wo immer es möglich ist: So lautet die neue Corona-Regel. Viele Ministerien gehen mit hohen Homeoffice-Quoten voran - in der Verwaltung sieht es aber offenbar anders aus. Arbeitsminister Heil ist unzufrieden.

Homeoffice für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Tätigkeit es zulässt - das gilt ab kommenden Mittwoch. Dann tritt eine entsprechende Verordnung des Arbeitsministeriums in Kraft, die dabei helfen soll, die Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verringern.

Schätzungen zufolge arbeiteten Mitte Januar etwa 25 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland von zuhause aus. Nicht bei allen Tätigkeiten ist Heimarbeit möglich - Experten gehen davon aus, dass der maximale Anteil bei circa 55 Prozent liegt. Bei den meisten Schreibtischjobs ist Homeoffice jedoch in der Regel unproblematisch.

Viel Homeoffice in Bundesministerien

Auch in den Bundesministerien. Die bemühen sich, in der Pandemie mit gutem Beispiel voranzugehen: Die Homeoffice-Quote beträgt dort bis zu 85 Prozent, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

In den meisten Ministerien liegt der Anteil demnach bei etwa 80 Prozent Heimarbeit. Zwei CSU-geführte Ressorts verzeichnen eine etwas niedrigere Quote: Im Innen- und im Verkehrsministerium liegt sie bei etwa 75 Prozent. Die einzigen Ministerien, die nach eigenen Angaben keine Statistik über den Homeoffice-Anteil unter den Beschäftigten führen, sind das Landwirtschafts- und das Gesundheitsministerium.

Unterschiedliche technische Ausstattung

Besonders Homeoffice-freundlich ist offenbar das Bundespräsidialamt: Nach Angaben einer Sprecherin ist jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter - rund 200 - technisch für das Homeoffice ausgerüstet. Die Umstellung sei schon mehr als ein Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie erfolgt. "Das Bundespräsidialamt ist damit führend unter den obersten Bundesbehörden." Angesichts des Infektionsgeschehens seien die Mitarbeiter auch angehalten, diese Möglichkeit zu nutzen, was derzeit grundsätzlich auch jeder tue.

So weit ist die Bundestagsverwaltung mit ihren rund 3000 Mitarbeitern noch nicht. Etwa 1870 von ihnen sei es prinzipiell möglich, aus dem Homeoffice zu arbeiten, sagte ein Sprecher. Allerdings reicht das technische Equipment im Moment nur für rund 75 Prozent von ihnen. In Kürze sollen weitere Laptops bereitgestellt werden. Dann soll die Quote auf rund 86 Prozent steigen.

Schwierigkeiten in der Verwaltung

Bei anderen Bundesbehörden und in Stadtverwaltungen ist die Homeoffice-Quote einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge deutlich schlechter. Eine Umfrage bei 14 großen Städten und 16 Bundesbehörden habe ergeben, "dass dort teilweise weniger als die Hälfte der Mitarbeiter im Innendienst von zuhause aus arbeiten kann", berichtete die Zeitung.

Die befragten Bundesbehörden seien dabei insgesamt etwas besser aufgestellt, doch auch dort gebe es Ausreißer. Konkret genannt wurde das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, "wo 45 Prozent der Mitarbeiter derzeit von zu Hause arbeiten können".

Als Gründe für die Umsetzungsprobleme gaben die Verwaltungen und Behörden der Zeitung zufolge überwiegend an, erst kürzlich Arbeitsgeräte und Serverkapazitäten bestellt zu haben und nun vor Lieferengpässen zu stehen. Zudem seien viele Akten nach wie vor nicht digitalisiert.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sprach von ernsten Versäumnissen. "Natürlich können wir jetzt nicht in wenigen Tagen nachholen, was jahrelang bei der Digitalisierung verschlafen wurde", sagte er der "WamS". "Aber was machbar ist, muss jetzt gemacht werden."

Über dieses Thema "Hallo Niedersachsen" am 20. Januar 2021 um 19:30 Uhr im NDR Fernsehen.