Spritze steckt in einer Impfdosis von Pfizer/Biontech | picture alliance/dpa

Probleme bei der Datenerfassung Mediziner fordern verlässliche Impfzahlen

Stand: 12.08.2021 13:16 Uhr

Laut RKI könnten mehr Menschen mindestens einmal geimpft sein als offiziell erfasst - genauere Daten dazu gibt es aber nicht. Intensivmediziner fordern nun eine Umfrage zum Stand der Impfkampagne. Die bundesweite Inzidenz steigt weiter.

Intensivmediziner haben eine unabhängige, repräsentative Bevölkerungsumfrage zum Stand des Impfens in Deutschland gefordert: "Das Impfen ist der entscheidende Erfolgsfaktor der Pandemie", sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es sei deswegen wichtig, die vom Robert Koch-Institut (RKI) berichtete Differenz zwischen offiziellen Meldezahlen und Umfrageangaben bei der Impfquote der unter 60-Jährigen schnell durch eine unabhängige, repräsentative Umfrage zu prüfen. Nach einer Befragung des RKI scheinen mehr Erwachsene in Deutschland mindestens einmal geimpft zu sein als bislang offiziell erfasst.

"Verlässliche Zahlen sind die Basis für die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen", so Marx. "Sollte die Impfquote in der Gruppe der 18- bis 59-jährigen tatsächlich viel höher liegen als gemeldet, hätten wir gerade mit Blick auf den Herbst eine viel entspanntere Lage."

Auffällige Unterschiede

Laut RKI ist der Unterschied zum sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM), das dem Impfdashboard zugrunde liegt, besonders auffällig gewesen in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen. Während bei der Erhebung namens Covimo (kurz für: Covid-19 Impfquoten-Monitoring) 79 Prozent der Erwachsenen unter 60 Jahren angaben, mindestens einmal geimpft zu sein, waren es laut dem offiziellen System 59 Prozent.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher unterstützte den Vorschlag, eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zur bundesweiten Impfquote durchzuführen. Es werde schon seit längerem vermutet, dass die Zahlen nicht korrekt seien, sagte sie dem rbb. "Das kommt möglicherweise dadurch zustande, dass die elektronische Datenübermittlung an das Robert Koch-Institut nicht immer gut funktioniert." Insbesondere bei Betriebsärzten soll es Schwierigkeiten bei den Meldungen geben.

Unsicherheit über Impfquote "erneutes Ärgernis"

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält es für möglich, dass die Impfquote in Deutschland unterschätzt wird. Seine Beobachtung sei, dass sich die Impfzentren nicht mehr füllten, sagte Lauterbach den Funke-Zeitungen. "Das kann zwei Gründe haben, eine höhere Impfmüdigkeit oder dass die tatsächliche Impfquote höher ist als allgemein angenommen", erklärte er. Beides sei möglich.

FDP-Generalsekretär Volker Wissing sagte der "Rheinischen Post", die Unsicherheit über die tatsächliche Impfquote sei "ein erneutes Ärgernis im Management dieser Krise". Die Inzidenzwerte und die Impfquote hätten konkrete Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. Zudem hält der FDP-Generalsekretär einen Paradigmenwechsel in der Corona-Politik für notwendig. "Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher. Die Notwendigkeit, zu einer neuen Normalität zu kommen, steigt von Woche zu Woche", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

5638 Neuinfektionen, Inzidenz bei 27,6

Trotz der Impfkampagne steigen die Infektionszahlen in Deutschland wieder an. Laut RKI-Angaben vom Morgen lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 27,6 - am Vortag hatte der Wert 25,1 betragen, vor einer Woche lag er bei 19,4. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 5638 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 3539 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 17 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 26 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.805.063 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.673.700 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.834.

Über dieses Thema berichtete am 11. August 2021 die tagesschau um 14:00 Uhr und am 12. August 2021 Inforadio um 07:21 Uhr.

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KOMMENTARE

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Schweriner1965 12.08.2021 • 15:11 Uhr

Am 12. August 2021 um 14:58 von covid-strategie

.......Auch wenn 100% geimpft wären - es wird keine Herdenimmunität geben...... Stimmt, global wird das sowieso niemals funktionieren. Gründe haben Sie ja schon aufgeführt. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Bin sehr gespannt wie es in Dänemark weitergeht. Die gehen ja quasi den englischen Weg.