Mit einem Schild vor einer Apotheke in der Münchner Innenstadt wird auf kostenlose Corona-Schnelltests hingewiesen. | dpa

Kostenlose Corona-Tests Apotheken wollen Angebot zurückfahren

Stand: 20.06.2021 07:22 Uhr

Angesichts sinkender Nachfrage und weniger Geld vom Bund wollen viele Apotheken ihr Angebot für Corona-Schnelltests reduzieren. Die Durchführung sei nicht mehr wirtschaftlich.

Wegen sinkender Nachfrage nach Corona-Tests wollen Deutschlands Apotheken ihr Angebot einschränken. Da die Zahl der vollständig Geimpften zunehme und Infektionsschutzregeln gelockert worden seien, nehme der Bedarf an Tests ab, sagte ein Sprecher des Apothekerverbandes Abda. Zudem wies er darauf hin, dass der Bund weniger zahle als zuvor.

"Für eine ganze Reihe von Apotheken ist die Durchführung der Tests damit nicht mehr wirtschaftlich." Das Testangebot werde deshalb wohl Schritt für Schritt kleiner werden. Die Apotheken gehören neben privaten Firmen und staatlichen Institutionen zu den wichtigsten Teststellen-Betreibern. Nach Abda-Schätzung bieten etwa 20 bis 25 Prozent der Apotheken sogenannte Bürgertests an - also Schnelltests, die für die Verbraucher kostenlos sind und vom Bund bezahlt werden.

Weniger Geld für Tests

Ursprünglich bekamen die Apotheken wie alle anderen Anbieter bis zu 18 Euro pro vorgenommenem Antigentest, nun zahlt der Bund nur noch bis zu 12,50 Euro. In der Corona-Pandemie waren Tests im Frühjahr ein Schlüssel dafür, dass Menschen mit einem negativen Ergebnis Restaurants oder Läden besuchen konnten.

Allerdings sind die Infektionszahlen inzwischen so niedrig, dass Lockerungen greifen und der Gastronomiebesuch oder Einkauf auch ohne Testergebnis erlaubt ist. Hinzu kommt, dass vollständig Geimpfte von Testvorgaben ausgenommen sind.

Immer weniger Schnelltests

Wie stark die Nachfrage sinkt, verdeutlichen Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums. Am vergangenen Donnerstag kam es in dem Bundesland zu 306.000 Antigen-Schnelltests über die Teststellen. Von denen waren 216 positiv - ein Anteil von 0,07 Prozent. Eine Woche zuvor waren es noch 498.000 Tests an einem Tag (positiv: 0,08 Prozent); vor einem Monat waren es 594.000 (positiv: 0,23 Prozent). Die Zahl der Teststellen lag in NRW zuletzt stabil bei 9236 - zukünftig wird sie wohl sinken.

Der Verband der Diagnostica-Industrie, der Hersteller von Tests vertritt, geht davon aus, dass im Sommer die Nachfrage nach den Antigen-Tests in den Testzentren deutlich sinken wird. Die Hersteller werden sich "auf einen dauerhaft sinkenden Bedarf natürlich einstellen", so eine Verbandssprecherin. Man arbeite aber an Tests, die sowohl eine Grippe (Influenza) als auch eine Coronavirus-Erkrankung nachweisen könnten. Solche Tests könnten im Herbst helfen, sollte es zu einer Grippewelle kommen und die Zahl der Corona-Infektionen wieder steigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juni 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
DrBeyer 20.06.2021 • 12:31 Uhr

@0_Ahnung 11:29

"Covid Diagnose ausnahmsweise nicht mit dem Wattestächen in der Nase, sondern in der Kloake? Das hat was. Aber wer in dem Gebäudekomplex ist dann infiziert? Oder stellen Sie gleich alle unter Quarantäne?" Bei der Abwassertesterei geht es erst einmal nicht darum, sofort genau zu wissen, wer es hat, sondern eher darum herauszufinden, wo gerade ein Hotspot ist. Solche Hotspots kann man mit dieser Methode so zuverlässig identifizieren wie sonst nur durch Massen-PCR, was aber aus Kosten- und Logistikgründen nicht dauerhaft machbar ist. Diese Abwassertests sind ein sehr zuverlässiges Hintergrundmonitoring. Wenn es an einer Stelle positiv wird, kann man dann gezielt in diesem Bereich genauer hinsehen.