Feuerwehrleute löschen den Moorbrand bei Meppen | Bildquelle: dpa

Moorbrand in Meppen Brandrisiken in Kauf genommen?

Stand: 20.11.2018 05:05 Uhr

Wochenlang brannte es im September nach einer Raketenübung auf dem Bundeswehrgelände in Meppen. Warum wurde die Übung trotz der Hitze der vorangegangenen Wochen nicht verschoben? Aus Kostengründen?

Von Christoph Prössl, ARD-Haupstadtstudio

Am 3. September war das Wetter im niedersächsischen Meppen hervorragend: Sonnenschein, klare Sicht. Für den Piloten und den Bordschützen des Tiger-Kampfhubschraubers und den bevorstehenden Einsatz in der norddeutschen Tiefebene eine gute Nachricht. Eine letzte Absprache zwischen einem Mitarbeiter der Leit- und Kontrollstelle der Bundeswehreinrichtung am Übungsgelände und einem Vertreter der Bundeswehrfeuerwehr ergab: Die Versuche können mit einem "vertretbaren Risiko" durchgeführt werden. Details der Unterredung sind nicht öffentlich bekannt.

Versuch zu teuer, um ihn zu verschieben?

Ob beispielsweise die enorme Trockenheit der vergangenen Monate und deren Auswirkung auf die Moorlandschaft ausführlicher besprochen wurde. Gab es Bedenken, die Schießversuche durchzuführen? Und welche Rolle bei der Risikoeinschätzung hat der Aspekt gespielt, dass es viel Geld gekostet hätte, den Versuch zu verschieben?

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage, die dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vorliegt, geht hervor, dass die Kosten für die "Schießkampagne" - so der Fachjargon - für die Bundeswehrstelle WTD 91 rund 792.000 Euro betragen haben. 70 Prozent dieser Kosten wären bei einer Verschiebung der Übung erneut angefallen, heißt es in dem Schreiben des Staatssekretärs.

Der Kostendruck sei durchaus hoch gewesen, sagt die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Katja Keul: "Durch die Verschiebung eines solchen Tests hätte die Bundeswehr nochmal 500.000 Euro an Kosten gehabt, sodass man sich natürlich schon fragen muss, ob der Brandschutz da nicht zurück gestanden hat."

Airbus musste Technik prüfen

Die Bundeswehr arbeitet den Moorbrand in Meppen auf. Einen umfangreicheren Bericht über Zeitlinien und Meldewege soll es noch in diesem Jahr geben, um aufzuzeigen, welche Stelle wann wo Hilfe angefordert hat und ob Schlimmeres hätte vermieden werden können.

Keul kritisiert in diesem Zusammenhang die Rolle der Industrie. Die Bundeswehr stellte dem Hersteller Airbus Helicopter den Hubschrauber Tiger am 3. September für Tests zur Verfügung. In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage heißt es, es sei darum gegangen, Nachweise zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit zu erbringen. Offenbar wurde eine technische Veränderung an dem Hubschrauber oder an der Bewaffnung vorgenommen. Der Hersteller musste deswegen die Technik in der Praxis überprüfen.

Tests auf Kosten der Regierung

Die Antwort  des Verteidigungsministeriums lässt allerdings im Unklaren, warum genau die Piloten die Tests durchführen mussten. "Die Antworten sind da durchaus interessant", heißt es von Keul weiter.

"Man stellt fest, dass die Industrie doch in einer sehr komfortablen Lage ist: Sämtliche Kosten und Risiken werden vom Staat übernommen, und die Hersteller, hier Airbus, testen auf Kosten der Bundesregierung ihr eigenes Gerät."

Noch ist unklar, wie groß der Schaden ist. Landwirte dürften Ernteausfälle geltend machen. Die Bundeswehr erhebt außerdem die Kosten des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehren und des Roten Kreuzes.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen stellte eine Erstattung in Aussicht, als sie das Versuchsgelände besuchte. Die Grünen und Naturschutzverbände kritisieren, dass der Brand große Mengen an CO2 freigesetzt hat und ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen zerstört wurde.

Moorbrand Meppen: Industrie ohne Verantwortung?
Christoph Prössl, ARD Berlin
20.11.2018 06:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2018 um 06:26 Uhr.

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