FDP-Chef Lindner bei einem Wahlkampfauftritt. | EPA

Endspurt vor der Wahl Lindner wirbt für Schwarz-Grün-Gelb

Stand: 24.09.2021 11:13 Uhr

Kurz vor der Wahl hoffen Union und FDP weiter auf ein schwarz-grün-gelbes Bündnis. FDP-Chef Lindner warb um die Grünen, auch Unionskanzlerkandidat Laschet signalisierte Interesse. Grünen-Co-Chef Habeck reagierte zurückhaltend.

Zwei Tage vor der Bundestagswahl hat FDP-Chef Christian Lindner erneut sein Interesse an einem Regierungsbündnis mit Union und Grünen betont. "Es ist kein Wunschkonzert. Aber richtig ist, dass mit Union und Grünen es einfacher ist als mit SPD und Grünen", sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. In diesem Jahr werde die Koalitionsbildung nach der Wahl "besonders interessant sein", betonte Lindner. "Da ist unser Ziel: Möglichst nahe an die Grünen ran, dann können wir einen Ausschlag geben, zum Beispiel in Richtung 'Jamaika'", so Lindner.

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet wurde in der Sendung gefragt, mit welchen Spitzenkandidaten er am liebsten eine Corona-Quarantäne verbracht hätte - und nannte Lindner und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Mit Lindner sei er befreundet, Baerbock müsse er noch besser kennenlernen - und mit beiden gebe es viel zu diskutieren.

Am Abend zuvor hatte CSU-Chef Markus Söder in der Sendung Schlussrunde von ARD und ZDF gesagt: "Der überzeugendste Regierungsauftrag ergibt sich mit einem klaren Platz Nummer eins." Er gehe davon aus, dass es für die Union noch möglich sei, die SPD abzufangen. Eine sogenannte Jamaika-Option mit FDP und Grünen wäre dann "eine Option", so Söder in dem letzten großen TV-Schlagabtausch aller sieben im Bundestag vertretenen Parteien.

Grüne reagieren abwartend

Grünen-Co-Parteichef Robert Habeck blieb angesichts dieser Avancen am Morgen nüchtern. Mögliche Verhandlungen zwischen den Parteien müssten dieses Mal anders ablaufen als nach der Wahl 2017, sagte er im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Vor vier Jahren sei es ein "einziges Gewürge gewesen". Die FDP habe damals nicht wirklich gewollt, die Union sei zerstritten gewesen, es habe immer wieder Querschüsse der CSU aus München gegeben. "So kann es nicht nochmal gehen", so Habeck.

Angesprochen auf die Grünen-Verluste in Umfragen in den vergangenen Monaten sagte er: "Wir sind nicht da, das muss man einfach zugeben, wo wir hätten sein wollen." Wenn im Wahlkampf-Endspurt noch etwas hinzukomme, "dann passt das schon".

In der Sendung Schlussrunde am Donnerstagabend hatte Grünen-Spitzenkandidatin Baerbock die Frage nach bevorzugten Koalitionsoptionen übergangen. Mögliche Partner für ihre Partei sind neben Union und FDP auch SPD und Linke, mit denen es deutlich mehr programmatische Überschneidungen gibt.

Linke bereit für Rot-Grün-Rot

Für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sind die Grünen Wunschpartner für ein künftiges Regierungsbündnis - mit der Linken könnte es schwieriger werden. Im Morgenmagazin erklärte Scholz eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro als "Kernprojekt" für die neue Bundesreigerung. "Das muss im ersten Jahr entschieden werden", sagte Scholz.

Die Erhöhung des Mindestlohnes ist eine Gemeinsamkeit mit der Linken: Deren Spitzenkandidatin Janine Wissler bekräftigte im Morgenmagazin erneut die Bereitschaft ihrer Partei für ein rot-grün-rotes Bündnis. "Wir wollen vor allem Veränderungen", sagte Spitzenkandidatin Janine Wissler. Die Linke wolle unter anderem einen höheren Mindestlohn und Schutzmaßnahmen gegen stark steigende Mieten durchsetzen. Angesprochen auf ein Bekenntnis zur NATO sagte sie, es gehe jetzt nicht um Bekenntnisse, Deutschland könne ohnehin das Verteidigungsbündnis nicht alleine auflösen. Die Linke lehne aber höhere Ausgaben für die Bundeswehr ab und wolle Waffenexporte stoppen.

Hier geht die Partei auf Abstand zur SPD. SPD-Kanzlerkandidat Scholz hatte sich in der Runde der Spitzenkandidaten am Donnerstagabend unter anderem dazu bekannt, die Ausgaben für die Bundeswehr weiter zu erhöhen. Auch die Ablehnung der NATO ist für die SPD inakzeptabel. Scholz hält sich Verhandlungen mit der Linken nach der Bundestagswahl dennoch weiter offen.

Weidel: AfD steht solide da

Die einzige Partei, mit der alle anderen Parteien Verhandlungen ausschließen, ist die AfD. Deren Spitzenkandidatin Alice Weidel sieht die Partei mit Werten von zehn bis elf Prozent in Umfragen dennoch solide aufgestellt. Die Bundestagswahl am Sonntag sei nicht vergleichbar mit der vorherigen Wahl, auch weil es einen sehr hohen Briefwähleranteil geben werde, sagte Weidel im Morgenmagazin. Bei den jüngsten Landtagswahlen habe die AfD als einzige größere Partei nicht von Briefwählerstimmen profitieren können.

Großkundgebungen der Parteien

Im Wahlkampf-Endspurt werben die Parteien bei Großkundgebungen noch einmal um Stimmen. In München findet die gemeinsame Schlusskundgebung zur Bundestagswahl von CDU und CSU statt. Neben Unions-Kanzlerkandidat Laschet treten auf dem Nockherberg - einem großen Biergarten mit Wirtshaus - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Söder als Redner auf.

SPD-Kanzlerkandidat Scholz spricht bei einer Kundgebung in Köln, Grünen-Spitzenkandidatin Baerbock und der Ko-Parteivorsitzende Habeck kommen zum Wahlkampfhöhepunkt nach Düsseldorf. Die offiziellen Wahlkampfabschlüsse von AfD und Linken sind in Berlin. Die FDP beschließt ihren Wahlkampf am Samstag in Düsseldorf.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2021 um 11:00 Uhr.

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