Angela Merkel und Olaf Scholz | AP

Merkel attackiert Scholz "Gewaltiger Unterschied zwischen mir und ihm"

Stand: 31.08.2021 14:46 Uhr

Kanzlerin Merkel hat sich mit einer scharfen Attacke in den Wahlkampf eingeschaltet. SPD-Spitzenkandidat Scholz müsse sein Verhältnis zur Linkspartei klären. Es bedürfe klarer Ansagen, wer zu welchen Koalitionen bereit sei.

Kanzlerin Angela Merkel hat sich deutlich vom Versuch des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz distanziert, sich im Wahlkampf als legitimer Nachfolger im Amt zu präsentieren. "Mit mir als Bundeskanzlerin würde es nie eine Koalition geben, in der die Linke beteiligt ist. Und ob dies von Scholz so geteilt wird oder nicht, das bleibt offen", sagte Merkel auf eine Reporterfrage bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz.

"Haben eine Menge bewegt"

In diesem Zusammenhang sei es "so, dass da ein gewaltiger Unterschied für die Zukunft Deutschlands zwischen mir und ihm besteht", stellte die deutsche Regierungschefin mit Blick auf die SPD-Wahlkampfstrategie, klar. Gerade in diesen Zeiten bedürfe es klarer Aussagen über die Fortführung von Regierungsarbeiten egal in welcher Konstellation.

Zugleich betonte die Kanzlerin, sie freue sich, dass Scholz anerkenne, was man in der Großen Koalition geleistet habe. Man habe da eine Menge miteinander bewegt. "Dass darüber seitens der SPD positiv gesprochen wird, das war nicht immer so in der Vergangenheit. Aber das ist gut, dass das so ist", sagte Merkel.

Vorwurf der "Erbschleicherei"

In den vergangenen Tagen wurden aus der Union Stimmen laut, der SPD-Kanzlerkandidat würde sich unbotmäßig als Merkels Nachfolger in Szene setzen. So sagte gestern Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Finanzminister Scholz sei Mitglied der Regierung und versuche, "sowas Ähnliches wie Merkel" zu machen. "Aber das ist eine Art politische Erbschleicherei. Das werden wir deutlich machen."

CSU-Chef Söder sah das genauso. Scholz erwecke den Anschein, der Nachfolger von Merkel zu sein - das sei "eine Art Erbschleicherei" und könne nicht akzeptiert werden, sagte der bayerische Ministerpräsident im ARD-Sommerinterview. Er warnte vor einem möglichen Linksrutsch.

Scholz hatte sich für das "SZ Magazin" kürzlich mit zur Raute gefalteten Händen fotografieren lassen - dem Markenzeichen von Merkel. Der Spitzenkandidat der SPD schloss eine Koalition mit der Linkspartei bislang nicht explizit aus, obwohl die Partei etwa nach wie vor den Austritt Deutschlands aus der NATO fordert. Nach derzeitigen Umfragen hätte - wie andere Bündnisse auch - eine Koalition von SPD, Grünen und Linken eine Mehrheit im Deutschen Bundestag.

Über dieses Thema berichtete Phoenix am 31. August 2021 um 12:00 Uhr.