Das Triell der Kanzlerkandidaten | EPA
Reportage

Reaktionen auf TV-Debatte Wie die Parteien das Triell bewerten

Stand: 13.09.2021 01:33 Uhr

Das Triell haben nicht nur Millionen TV-Zuschauer verfolgt, sondern hinter den Kulissen auch die Spitzen von CDU, SPD und Grünen. Wie bewerten sie den Auftritt der eigenen Kandidaten, wie den der Gegner? Und welche Schlüsse ziehen sie daraus?

Eine Reportage von Kristin Schwietzer, Moritz Rödle und Christian Feld, ARD-Hauptstadtstudio

CDU

Es sind die letzten Minuten, das Schlussstatement von Armin Laschet - das saß beim letzten Mal nicht so gut. Die Zuschauer in der CDU-Sitzecke schauen gebannt auf den Bildschirm. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier nickt nach jedem Satz kurz mit, fast so, als würde er innerlich mitsprechen. "Na, mitgesprochen habe ich nicht", sagt Laschets Vertrauter hinterher mit einem fast schelmischen Lächeln. "Aber natürlich geht man mit. Ich habe viele SMS bekommen: 'Der Armin macht das gut.' Ich fand, er war klar, er war deutlich und er war kämpferischer."

Er habe Scholz mehrfach in die Ecke getrieben, etwa weil der SPD-Kandidat sich nicht deutlich genug von der Linkspartei distanzieren wollte. Und auch bei den jüngsten Vorwürfen über mangelnde Finanzkontrolle im eigenen Ministerium habe der Finanzminister nicht gut ausgesehen.

"Das hat gesessen", ruft Generalsekretär Paul Ziemiak in die Runde. Es gibt Szenenapplaus - Laschets Auftritt gefällt den CDU-Anhängern in Berlin-Adlershof. Ruhig, überlegt und trotzdem angriffslustig sei er. "Mir gefällt die Leidenschaft, mit der er argumentiert und dass er sich jetzt auch traut, den Finger in die Wunde zu legen", sagt Kerstin Prien aus dem "Zukunftsteam" von Laschet.

Schauspielerin Uschi Glas sitzt in der ersten Reihe. Sie hätte sich insgesamt mehr Bumms gewünscht. "Sie waren halt alle ein bisschen sanft. Das finde ich ein bisschen schade." Kanzler Laschet? Das traue sie ihm zu, sagt Glas. Und doch wissen sie hier, dass es schwer wird, das Ruder noch herumzureißen. Der Mann der Duelle wird Laschet wohl nicht mehr. Er kann eben nur mit seiner Art punkten - doch die war an diesem Abend für die CDU-Anhänger in Adlershof überzeugend gut.

Das Triell der Kanzlerkandidaten | EPA

Die Anhänger der CDU verfolgen das Triell der Kanzlerkandidaten. Bild: EPA

SPD

Es ist vergleichsweise ruhig im SPD-Block beim Triell. Das mag daran liegen, dass wegen Corona jeder zweite Sitz frei bleiben muss. Man sitzt mit Abstand nebeneinander. Gespräche kommen so kaum auf. Alle schauen gebannt auf die große Leinwand. In der ersten Reihe sitzt die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, neben SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Direkt daneben auch die Parteichefin Saskia Esken.

Besonders als Laschet sich nicht vom CDU-Bundestagskandidaten Hans-Georg Maaßen distanzieren will, kommt aber doch Leben in den SPD-Block. Klingbeil twittert sofort, es sei bitter, dass die Union die Brandmauer nach rechts nicht mehr halte. Dass Laschet schon direkt am Anfang nicht ausgeschlossen hat, dass die Union als Juniorpartner mit der SPD zusammenarbeiten könnte, wird dagegen kaum wahrgenommen. Eine Koalition mit der Union will in der SPD eh niemand mehr wirklich.

Gelächter dann bei einem Fauxpas des CDU-Kandidaten: Als Moderator Oliver Köhr ihm eine Frage stellt, scheint es so, als ob Laschet nicht zugehört habe. Da sind die Sozialdemokraten sofort amüsiert. Insgesamt ist die SPD nach dem Triell zufrieden. Scholz habe genau die richtigen Worte gefunden, die Angriffe insbesondere von Laschet seien im Sande verlaufen. Einen Gamechanger, der den positiven SPD-Trend nochmal wenden könnte, hat hier niemand gesehen. Dafür so heißt es, hätte Laschet das Triell schon haushoch gewinnen müssen.

Das Triell der Kanzlerkandidaten | EPA

Die Anhänger der SPD verfolgen das Triell der Kanzlerkandidaten. Bild: EPA

GRÜNE

In den Reihen des Team Baerbock sitzt auch die Schauspielerin Karoline Herfurth. Sie hatte vorher länger darüber nachgedacht, ob sie ihre politische Einstellung öffentlich zeigen soll. Es sei aber "wirklich an der Zeit, dass sich etwas verändert". Sie glaube an die "Visionen" der Grünen und ihrer Kanzlerkandidatin. Das Triell ist kaum beendet, da stellt Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen, sein alkoholfreies Bier ab und baut sich vor der ersten Kamera auf. Lob für Baerbock: Sie stehe "sehr deutlich für Aufbruch".

Unweit davon sitzt eine kleine grüne Gruppe noch auf den Plätzen vor der Großleinwand. Britta Hasselmann zeigt auf ihrem Handy ein Bild mit Scholz und Laschet, die sehr ähnlich gekleidet sind: "Das ist 'Weiter So'", sagt die parlamentarische Geschäftsführerin spöttisch.

War das hier noch ein Triell oder doch mehr ein Duell? Lauter Widerspruch: Ja, die beiden Männer hätten "Gezänk" geliefert und erfolglos versucht, Baerbock an die Seite zu drücken, findet Reinhard Bütikofer, Vorsitzender der Europäischen Grünen. Die Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner beschreibt Laschet und Scholz als "zwei Kinder, die sich streiten, wer den Ball in die Scheibe geschossen hat".

Das positive Urteil über die eigene Kanzlerkandidatin: durchweg positiv, "kämpferisch", "sehr gut vorbereitet". Wirklich überraschend ist dieses Fazit im eigenen Lager natürlich nicht.

Das Triell der Kanzlerkandidaten | EPA

Die Anhänger der Grünen verfolgen das Triell der Kanzlerkandidaten. Bild: EPA

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 13. September 2021 um 00:00 Uhr.