Die Teilnehmer des Triells | EPA
Analyse

Letztes TV-Triell Zum Schluss wenig Neues

Stand: 20.09.2021 00:05 Uhr

Nach einer Blitzumfrage hat SPD-Kanzlerkandidat Scholz auch das dritte Triell gewonnen. Inhaltlich bot der letzte TV-Showdown vor der Wahl ebenfalls kaum Überraschungen - mit wenigen Ausnahmen.

Von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

Politische Diskussionen im Fernsehen können eine mühsame Angelegenheit sein - da mag es hilfreich sein, sich an die eigene Jugendlektüre zu erinnern. Linda Zervakis, eine der Moderatorinnen des Triells auf ProSieben und Sat1, zog ein altes Micky-Maus-Heft unter ihrem Studiotisch hervor. Schon 1993 gab es dort eine Fotogeschichte über die Abholzung des Regenwalds.

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

"Das heißt, vor 30 Jahren hat sich die Micky Maus schon mit dem Klimawandel beschäftigt. In der CDU wird anscheinend nicht so viel Comic-Heftchen gelesen...", spekulierte Zervakis - um dem Parteivorsitzenden und Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet in Sachen Klimapolitik auf den Zahn zu fühlen. Der aber konterte geschickt: "Als Ihr Micky-Maus-Heft erschienen ist, 1993, hat zuvor ein CDU-Umweltminister, Klaus Töpfer, den Rio-Prozess angestoßen, in dem wir gesagt haben: Die weltweite Veränderung des Klimas ist eine Bedrohung, die wir global beantworten müssen."

Die Kandidaten wirkten müde

Punktsieg für Laschet. Es war einer der wenigen unterhaltsameren Momente in diesem Triell, dass ansonsten anderthalb Stunden lang Sachfragen abarbeitete - meist fair und insgesamt wenig konfrontativ. Luftfilter in den Schulen, der Rückstand bei der Digitalisierung des Landes, die schwierige Situation von Familien im Lockdown, das alles konnte man in den vergangenen Wochen viele Dutzend Mal hören. Man spürte: Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet werden langsam müde nach ungezählten Fernsehauftritten und einem Wahlkampf; der so sehr auf sie, die drei Spitzenkandidaten, zugeschnitten ist.

"Die nächste Bundesregierung muss eine Klimaregierung sein!", wiederholte Baerbock das Kernanliegen ihrer Kandidatur: Viel zu wenig habe die jetzige Koalition auf diesem Feld getan. Elektroautos, Solardächer, Windräder - das alles müsse man fördern, um den CO-2-Ausstoß zu reduzieren. Ja, das werde etwas kosten, sagte die Grünen-Spitzenkandidatin, das gehöre zur Ehrlichkeit dazu: "Auch beim Spritpreis zu sagen: Das wird in Zukunft etwas teurer. Aber wenn wir jetzt nichts tun, dann wird es in Zukunft unbezahlbar."

Bekannte Standpunkte

Auch bei der Diskussion zur Steuerpolitik gab es die bekannten Standpunkte: Der Staat braucht sichere Einnahmen, um den Klimawandel zu stemmen und die Corona-Schulden zurückzuzahlen. Doch woher nehmen? Ein Thema, bei dem der SPD-Kandidat und amtierende Bundesfinanzminister in seinem Element war: "Wir wollen die Mittelschicht entlasten", sagte Scholz. "Wir wollen diejenigen, die sehr wenig Geld verdienen, ebenfalls entlasten. Und wir sind nur so seriös, zu sagen, dass das dann bedeutet, dass jemand, der so viel verdient wie ich als Bundesminister zum Beispiel, dann etwas mehr Steuern zahlen muss." Laschet versprach ebenfalls Entlastung für Familien, wandte sich gegen eine Abschaffung des Ehegattensplittings und warnte vor einer zusätzlichen Belastung von Mittelstand und Handwerksbetrieben.

Schweigen zu Rot-Rot-Grün

Weniger konkret äußerte sich Scholz auch diesmal zur Koalitionsfrage: Er könne sich die Grünen als Partner vorstellen, sagte er - schwieg aber zur Linken. Was Laschet einmal mehr veranlasste, vor Rot-Rot-Grün zu warnen und die Wahl zur Richtungswahl zu erklären. Klar waren alle drei beim Thema AfD: keine Verhandlungen, nicht einmal Kontakte zur äußersten Rechten.

Am Ende dieses Triells gab es weder einen "Sieger" noch einen Verlierer. Es sind Defizite deutlich geworden, und es wurden Unterschiede klar zwischen den drei Parteiprogrammen, in der Sozialpolitik, bei der Inneren Sicherheit, und bei der generellen Frage, wie viele staatliche Regelungen es braucht, um einen Wandel wie in der Klimapolitik ins Werk zu setzen. Aber es gab auch etliche Gemeinsamkeiten.

Kanzler werden zu wollen, das heißt auch zusammenzuführen, mochte sich Scholz gedacht haben, als er gleich auch im Namen seiner beiden Kontrahenten an die Zuschauer appellierte: "Lasst Euch impfen, macht da mit, das ist ganz wichtig für eure Gesundheit und zum Schutz Eurer Liebsten."

Über dieses Thema berichtete am 20. September 2021 die tagesschau um 01:45 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 06:05 Uhr in der Sendung "Studio 9".