Robert Habeck, Annalena Baerbock und Christian Lindner | dpa

Sondierungen am Wochenende Die Parteien im Speed-Dating

Stand: 01.10.2021 21:00 Uhr

Im Zuge der Sondierungen zeigen die beteiligten Parteien immer mehr Profil: Während FDP und Grüne betont optimistisch und selbstbewusst auftreten, halten sich SPD und CDU ungewohnt bedeckt.

Von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist wie beim Speed-Dating - immer zwei mögliche Koalitionspartner beschnuppern sich am Sonntag: Am Nachmittag kommen erst FDP und SPD zusammen, am Abend trifft sich die Union mit der FDP und die Grünen sprechen parallel mit der SPD.

Eva Ellermann ARD-Hauptstadtstudio

Die beiden Kanzlermacher-Parteien FDP und Grüne gehen selbstbewusst in die Gespräche. Nach zwei internen Treffen stellen beide Seiten klar: Wir sind der Aufbruch, und unser Stil ist neu.

"Wir spüren, dass alleine die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen und wie wir uns um Lösungen in einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre bemühen, für viele Menschen Anlass zur Hoffnung und Motivation ist", sagt FDP-Chef Christian Lindner.

Selfies und Handwerk

Zum neuen Stil von Grün-Gelb gehören nicht nur Selfies auf Instagram, sondern auch solides Handwerk. "Wichtig ist es ja, richtig in einen Prozess reinzukommen: Wenn man eine Schraube schräg einsetzt, dann wird sie nie wieder gerade", sagt Heimwerker-Experte und Grünen-Parteichef Robert Habeck. "Diese Schraube ist jedenfalls in den ersten Tagen sehr gerade eingesetzt worden - insofern war es guter Start zur Bildung einer neuen Regierung."

Läuft bei uns, so die Botschaft von Grünen und FDP. In welche Richtung, das lassen beide Seiten mehr oder weniger offen.

Ungewohnt still ist es bei SPD und CDU vor den Wochenend-Gesprächsrunden. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gibt sich im "Spiegel" als Beziehungscoach. Er wird er mit dem Satz zitiert: "Echte Zuneigung entsteht, wenn man sich ernsthaft aufeinander einlässt."

Union uneins über Jamaika

Aus der Union kommen unterschiedliche Signale zur Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen. CSU-Generalsekretär Markus Blume flirtet jetzt doch aktiv: "Jamaika ist eine Chance, Jamaika hat auch eine Chance, Jamaika hat auch Charme", sagt er. "Wir als CDU wollen jedenfalls alles dafür tun, dass die Möglichkeit, die besteht, genutzt wird."

Die CDU ist im Moment so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie keine Zeit hat für eine Charme-Offensive vor den anstehenden Dates. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet steht zunehmend unter Druck aus den eigenen Reihen. Frustrierte CDU-Politiker aus Ostdeutschland wollen, dass CSU-Chef Markus Söder Jamaika aushandelt. 

Merz stichelt wieder

Rücktrittsforderungen kommen inzwischen auch schon aus der Bundestagsfraktion. Und der Ruf nach interner Klärung wird immer lauter. Dauerrivale Friedrich Merz nennt seine eigene Partei "denkfaul" und sät Zweifel am Projekt "Jamaika" via Twitter - Zitat: "Die CDU hat sich lange auf den Regierungsapparat gestützt und das thematische Arbeiten verlernt. Wir haben den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen nicht überall halten können. Das muss jetzt wieder erarbeitet werden - egal ob in der Regierung oder in der Opposition."

Dazu kommt: Die Sticheleien aus Bayern gegen den gemeinsamen Kanzlerkandidaten Laschet hören nicht auf.

Das Ergebnis: Die umworbenen Grünen und Liberalen wirken gut sortiert, die Union konfus. Dabei wissen wir doch: Beim Speed-Dating zählt der erste Eindruck.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Oktober 2021 um 21:45 Uhr.

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KOMMENTARE

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sikgrueblerxyz 01.10.2021 • 23:48 Uhr

Ich habe relativ wenig Interesse in Pressekonferenzen

von Habeck die Handhabung von Spaxschrauben erklärt zu bekommen oder von den Citrussondierern an deren Stimmungsbeschreibung im Verhandlungssaal teilhaben zu können. Eine "schmallippige" Pressekonferenz zu veranstalten ist eigentlich ein Mißbrauch des Instruments Pressekonferenz. Wenn einer sagt, wir haben noch keine Ergebnisse, reicht mir das.