Markus Söder. | dpa

Union vor der Wahl "Es wird richtig knapp"

Stand: 26.08.2021 11:18 Uhr

Vier Wochen vor der Bundestagswahl wächst in der Union die Nervosität. Das Selbstbild als Kanzlerpartei bröckelt je weiter die Umfragewerte sinken. Nicht-Kanzlerkandidat Söder zeigt mit dem Finger auf die CDU.

Ausgerechnet die SPD. Mit der hatten sie wohl in der Union am wenigsten gerechnet. Die Grünen waren als politischer Hauptkonkurrent ums Kanzleramt identifiziert, aber die Sozialdemokraten mit ihrem spröden Kandidaten Olaf Scholz? Eher nicht. Jetzt aber robben sich die Unterschätzten in den Umfragen gefährlich nah an die Union heran, in einer Umfrage liegt die SPD sogar schon vor der Union.

Vier Wochen vor der Bundestagswahl wächst denn auch die Nervosität bei CDU und CSU, was sich auch in wachsender Unzufriedenheit mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet ausdrückt. Das gipfelt sogar in gedanklichen Verzweiflungstaten, wie der Idee eines Kandidatenwechsels.

Söder statt Laschet - vier Wochen vor der Wahl? Der CSU-Chef winkt ab: "Die Wahlzettel sind gedruckt und die Wahlplakate geklebt, da macht es keinen Sinn, über einen Kandidatentausch zu reden." Söder hatte sich mit Laschet einen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur geliefert. Er unterlag. "Das ist in Ordnung, und damit für mich erledigt", sagte Söder nun der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier.

"Spitz auf Knopf"

Forderungen nach einem Austausch des Kanzlerkandidaten halte er "für ganz falsch", sagte auch CDU-Urgestein und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble der "Rheinischen Post". "Die Union hat mit Abstand das beste Angebot. Das müssen wir im Wahlkampf geschlossen klar machen." Aber auch Schäuble sieht die Union in schwierigem Fahrwasser und fürchtet offenbar den Verlust des Kanzerlamts. "Ich sehe, dass es Spitz auf Knopf steht. Aber dann kämpft man." Die Union müsse sich jetzt um den Kanzlerkandidaten Armin Laschet scharen, ihn unterstützen und ihn nicht durch Sticheleien schwächen. Laschet sei der richtige Kanzler.

Söders Sticheleien

Schäubles Appell dürfte sich vor allem an die eigenen Reihen richten. Denn unionsintern wachsen die Zweifel, ob man wirklich auf das richtige Zugpferd gesetzt hat. Laschets persönliche Umfragewerte waren nie sonderlich hoch, aber jetzt reißt er auch die Partei mit runter. Kein Wunder, dass da so mancher sehnsuchtsvoll auf Söder blickt oder gar nach ihm ruft. Tenor: Mit Söder an der Spitze hätten wir die Probleme jetzt nicht.

Söder und die CSU dürften das mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Und doch braucht er nun Fingerspitzengefühl. Mit seinen stetigen Sticheleien gegen Laschet hat sich der CSU-Chef in der Union nicht nur Freunde gemacht. Söders Forderungen oder Mahnungen, die Union müsse jetzt "endlich vernünftigen Wahlkampf machen" oder ins Kanzleramt komme man nicht per Schlafwagen, fallen immer auch auf Laschet zurück und Schwächen den ohnehin schwächelnden Kandidaten weiter.

Er erwarte, dass Söder jetzt mit seinen Sticheleien aufhöre "und dass er auch den gemeinsamen Wahlsieg mit uns will und er kämpft", sagte jüngst nach einem Bericht des "Tagesspiegel" auch Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz.

Söder hat Bayern im Blick

Söder lässt den Vorwurf mangelnder Unterstützung für Laschet nicht gelten: "Die Verantwortung für die Umfragen liegt nicht in Bayern." Während er und die CSU für Laschet kämpften, würde er sich "ehrlich wünschen, dass sie auch in der CDU mehr für ihn werben". "Dagegen kämpfen wir in Bayern für die Union und werben seit Wochen für mehr Einsatz und Engagement."

Söder dürfte dabei vor allem das Ergebnis in Bayern im Blick haben. Denn CSU steht in Bayern auch keineswegs blendend dar - in Umfragen liegen die Christsozialen derzeit unter dem bisher historisch schlechten Ergebnis der Bundestagswahl 2017 (38,8 Prozent).

Auch wenn die Gründe hierfür in München gerne sofort im Bundestrend verortet werden, als alleinige Erklärung greift dies sicher zu kurz. Denn wie Laschet und die CDU haben es auch Söder und die CSU bisher nicht geschafft, im Wahlkampf erfolgreich Themen zu setzen. Machtpolitiker Söder weiß das: "Es wird jetzt richtig knapp. Deshalb müssen wir endlich anfangen zu kämpfen. Es geht um alles."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. August 2021 um 14:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 26.08.2021 • 19:02 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Liebe User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird – wie bereits angekündigt – nun geschlossen. Wir danken für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation