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Nach der Bundestagswahl Welche Koalitionen sind möglich?

Stand: 27.09.2021 04:54 Uhr

Nach der Wahl ist noch völlig offen, welche Parteien die nächste Regierung bilden werden. Wahrscheinlich ist ein Dreierbündnis - welches es wird, hängt nun vor allem von Grünen und FDP ab.

Nach der Bundestagswahl ist noch unklar, welche Parteien Deutschland künftig regieren werden. Rechnerisch wäre eine Neuauflage der Großen Koalition zwar möglich - diese Option wird allerdings weder von Union noch SPD ernsthaft in Erwägung gezogen. Derzeit deutet alles auf ein Dreierbündnis hin. In welcher Konstellation, ist allerdings noch offen. Vieles könnte von Grünen und FDP abhängen. Folgende Koalitionen stehen zur Debatte:

SPD, Grüne und FDP

Eine Koalition zwischen SPD, Grünen und FDP hätte nach Stand der Hochrechnungen derzeit eine komfortable Mehrheit. Inhaltlich sieht es zwischen SPD und Grünen gut aus - sie sind sich bei vielen Themen einig - etwa bei der Vermögensteuer oder einer Lockerung der Schuldenbremse. Schwierig ist das Verhältnis zur FDP. Die Partei würde es allerdings einige Überwindung kosten, mit Grünen und Sozialdemokraten zu regieren. Ihr Parteivorsitzender Christian Lindner hat als Ziel ausgegeben, eine "Linksverschiebung der Politik" mit höheren Steuern zu verhindern. Eine Koalition mit SPD und Grünen schließt er aber nicht aus; die FDP würde aber einen sehr hohen Preis dafür verlangen, etwa den Posten des Bundesfinanzministers.

Aber auch zwischen SPD und Grünen gibt es einige inhaltlichen Differenzen: So will sich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz nicht auf einen früheren Kohleausstieg als 2038 festlegen. Für eine funktionierende rot-grün-gelbe Koalition gibt es derzeit ein Beispiel auf Landesebene - in Rheinland-Pfalz.

Union, Grüne und FDP

Auch schwarz-grün-gelb käme nach aktuellem Stand der Hochrechnungen auf eine Mehrheit der Sitze im Bundestag. In dieser Konstellation wären es die Grünen, die viel Überwindung aufbringen müssten - zwischen CDU/CSU und FDP gibt es hingegen viele Überschneidungen. Union und FDP könnten versuchen, die Grünen etwa in ihrer Klima- und Sozialpolitik auszubremsen.

Schwarz-grün-gelb ist jedoch mit einer schweren Hypothek belastet: 2017 scheiterten die Verhandlungen über ein solches Bündnis krachend, weil die FDP sie in letzter Minute platzen ließ. Zwar kann sich FDP-Chef Lindner ein nochmaliges Kneifen kaum erlauben, doch die inhaltlichen Differenzen mit den Grünen bleiben; insbesondere weil diese auch die Industrie beim Klimaschutz in die Pflicht nehmen wollen. Das Beispiel für ein funktionierendes schwarz-grün-gelbes Bündnis gibt es allerdings - und zwar in Schleswig-Holstein.

SPD und Union

Union und SPD haben lange Jahre miteinander koaliert - nun sind beide Partner der Großen Koalition müde, auch wenn sie rechnerisch möglich wäre. Insbesondere die SPD hat wenig Neigung, das ungeliebte Bündnis mit der Union neu aufzulegen.

Ganz ausgeschlossen ist eine neuerliche Große Koalition aber nicht: Es könnte dazu kommen, wenn sich Grüne und FDP bei den Verhandlungen nicht einig werden und kein Bündnis mit beiden Parteien zustande kommt.

Über dieses Thema berichtete Das Erste am 26. September 2021 um 20:15 Uhr.