Laschet und Söder demonstrieren Einigkeit. | dpa
Kommentar

Wahlkampf der Union Ziemlich schlechte Freunde

Stand: 11.08.2021 20:08 Uhr

Man muss Söder schon fast dankbar sein, dass er mit seinen Sticheleien gegen Laschet Schwung in den Wahlkampf bringt. Unabhängig davon, dass es für den unterlegenen Bewerber vor allem auch um die eigene Zukunft gehe.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Saskia Esken twitterte neulich: "Die Schlummertaste ist die schönste von allen". So viel zur SPD-Chefin, die den Wahlkampf offenbar lieber verschlafen möchte. Gute Nacht, SPD! Dabei spielt Müdigkeit auch bei anderen eine Rolle: Armin Laschet ist - frei nach Markus Söder - wochenlang mit dem Schlafwagen durch die Republik getuckert. Ein Alptraum für die Union und vor allem für ihn: den unterlegenen Bewerber um die Kanzlerkandidatur - Markus Söder.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Dabei muss man Söder geradezu dankbar sein, dass er bei so viel Schläfrigkeit weit und breit, mit den Sticheleien gegen den eigenen Kandidaten immer wieder Schwung in den Wahlkampf bringt. Zwar ist Laschet längst aufgewacht, Hochwasserkatastrophe und Corona-Pandemie fordern ihn als Krisenmanager. Und er macht das, so gut er kann - ist viel unterwegs als Ministerpräsident in den betroffenen Gebieten. Aber als Wahlkämpfer kam erst wenig bis nichts, dann folgten schlechte Bilder und die entsprechenden Schlagzeilen.  

Offene Kritik auf allen Kanälen

Die Umfragewerte sinken mittlerweile, die Grünen kommen der Union wieder näher und selbst die SPD rückt auf. 68 Prozent der Bürgerinnen und Bürger meinen: Das liegt an Armin Laschet. Markus Söder ist einer von diesen 68 Prozent - zwar sagt er das nicht so deutlich, aber er macht es deutlich. Sichtlich genervt tritt er in Interviews auf, besonders zu spüren war das nach der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz. Söder erklärte die Beschlüsse für zu laschet, pardon zu lasch. Sprach dabei von "dem einen" oder "dem anderen" und meinte doch jedes Mal unüberhörbar ihn: seinen Kanzlerkandidaten. Offene Kritik auf allen Kanälen. Und warum?

Tja, das muss man sich tatsächlich fragen. Es ist unbenommen und auch glaubwürdig, dass es Söder um die Sache geht. Er ist der strengste Corona-Bekämpfer im Land, posiert sogar mit Maske vor dem Computer, so als würde das Virus digital übertragen. Aber doch schwingt bei allem Mahnen in der Sache auch immer eines mit: "Ich, der Söder Markus, würde das alles besser machen, vor allem den Einzug, ach was: den Triumphzug ins Kanzleramt."

Letzte Chance für Berlin

All das bewirkt: nichts - zumindest nichts im Sinne von CDU und CSU. Söder unterstützt mit seinen Sticheleien weder Laschet noch die Union und man muss sich ernsthaft fragen, ob das überhaupt seine Absicht ist: der Union mit dem Intimfeind aus dem Rheinland zum Wahlsieg zu verhelfen? Denn dann säße Laschet ja im Kanzleramt und könnte in vier Jahren mit dem Amtsbonus wieder antreten. Söders Platz bliebe dann womöglich noch länger oder gar für immer in Bayern. Für einen ehrgeizigen Mitfünfziger einer Regionalpartei wird es nicht allzu viele Chancen geben, in das wichtigste Amt in Berlin zu kommen.

Anders, wenn Laschet nicht Kanzler wird, sondern mit Friedrich Merz und Hans-Georg Maaßen die Oppositionsbank drücken muss. Dann wäre klar: Zur nächsten Bundestagswahl braucht die Union einen anderen Kanzlerkandidaten. Keinen, der die Republik im Schlafwagen überzeugen will, sondern einen, der etwa im Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof direkt und ohne Umwege ans Ziel gelangt... Edmund Stoiber würde es lieben!

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. August 2021 um 05:00 Uhr.