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Überhangmandate Bundestag so groß wie noch nie

Stand: 29.09.2021 01:41 Uhr

Der Bundestag ist künftig so groß wie nie zuvor. Daran haben auch die Reformen der Vergangenheit nichts geändert. Mit 735 Sitzen bleibt er allerdings unter den Befürchtungen.

Von Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

735 Mandate - das sind noch einmal 26 Sitze mehr als im jetzt noch amtierenden Bundestag, der auch schon Rekordgröße hatte. Für die abermalige Vergrößerung des Parlaments sind wieder die sogenannten Überhangmandate verantwortlich. Die entstehen, wenn eine Partei mehr Mandate über die Wahlkreise gewinnt als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen.

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

Typisches Beispiel ist die CSU: Sie erzielte diesmal, aufs ganze Bundesgebiet gerechnet, gut fünf Prozent der Stimmen, hätte also auch Anspruch auf fünf Prozent der Bundestagsmandate. Bei regulär 600 Sitzen im Parlament ergibt das 30 Mandate. Nun hat die CSU aber mit den Erststimmen 45 Wahlkreise in Bayern gewonnen - also kommen auch 45 CSU-Abgeordnete nach Berlin.

Diese "Überzahl" wird durch Ausgleichsmandate für die anderen Parteien kompensiert, damit der Proporz der Fraktionen im Parlament wieder stimmt. Mit insgesamt 735 Sitzen bleibt der neue Deutsche Bundestag aber zumindest unterhalb des XXL-Formats, wie es politische Beobachter befürchtet hatten: 850 oder sogar über 900 Sitze hielten manche Experten für möglich, weil auch die tendenziell kleiner werdenden Parteien und das Stimmensplitting der Wähler Überhangmandate begünstigen.

Zusätzliche Stühle müssen her

Während die Parteispitzen nun also sondieren, wer mit wem die nächste Bundesregierung bilden könnte, werden im Plenarsaal bald die Handwerker ihre Schraubenschlüssel auspacken und die Teppichmesser ansetzen: Zusätzliche Stühle müssen her, und die Fraktionen ändern auch ihre Größe - etliche der blauen Polsterstühle müssen also ummontiert werden.

Die SPD-Fraktion zum Beispiel bildet künftig die größte Sitz-Gruppe im Parlament: 206 Mandate, 53 mehr als bisher. Die Unionsfraktion dagegen verliert 49 Sitze.Und während im Wahlkampf die Zukunftsthemen Klimaschutz und Digitalisierung eine große Rolle spielten, bleiben junge Abgeordnete im neuen Bundestag eher eine Minderheit: 50 der neu gewählten Bundestagsmitglieder sind jünger als 30 Jahre - also noch nicht einmal jeder zehnte Parlamentarier. Die meisten Jungen haben die Grünen und die SPD in ihren Reihen.

Auch beim Anteil weiblicher Abgeordneter ist der neue Bundestag nicht wirklich ein Spiegel der Gesellschaft: 35 Prozent beträgt der Frauenanteil im neuen Parlament; den geringsten Frauenanteil hat die AfD mit gut zehn Prozent ihrer Abgeordneten; bei FDP und Union liegt er um die 20 Prozent, bei der SPD bei gut einem Drittel. Paritätisch besetzt mit Frauen und Männern sind die Grünen und die Linke.